Bodo Hombach im Interview: WAZ-Gruppe:"Online 2010 schwarze Zahlen"

Bodo Hombach im Interview: WAZ-Gruppe:"Online 2010 schwarze Zahlen"

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Bodo Hombach, Geschäftsführer der Essener WAZ-Gruppe

WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach über Stellenstreichungen bei Deutschlands größter Abo-Zeitung, Heuschrecken in den Medien und Ärger über das Kartellrecht.

WirtschaftsWoche: Herr Hombach, gerade tritt der mit großem Getöse im Zeitungsgeschäft gestartete Finanzinvestor David Montgomery den Rückzug aus Deutschland an und verkauft die „Berliner Zeitung“ an das Kölner Verlagshaus DuMont – sehen Sie dieses Scheitern mit Genugtuung?

Hombach: Herr Montgomery hatte 2005 in seinem Londoner Club gewettet, er würde den deutschen Verlegern vormachen, wie man mit Zeitungen 25 Prozent Rendite erzielen kann. Das haben manche Blätter in England vor drei, vier Jahren durchaus erreicht. Ich sagte damals: „Als theoretische Konstruktion reicht meine Phantasie, was man da machen muss. Aber mit einem solchen Kurs kann man keine Zeitung auf Dauer bewahren oder am Markt halten. Sollte Herr Montgomery das schaffen, werde ich mein Unvermögen eingestehen.“ Nun gibt er auf.

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Weltweit sinken die Auflagen, in den USA sterben immer mehr Blätter, Werbeerlöse sinken – kann man mit Zeitungen noch Geld verdienen?

Ja. Aber Renditeziele von 25 Prozent, wie Montgomery sie hatte, sind illusorisch. Selbst zweistellige Renditen halte ich im Augenblick für ambitioniert.

Was hat Montgomery aus der „Berliner Zeitung“ gemacht?

Er hat Herrn DuMont viel Arbeit hinterlassen.

Ist das Blatt 152 Millionen Euro wert?

Zum Preis will ich nichts sagen, aber ich sehe durchaus Chancen für die „Berliner Zeitung“. Die liegen in einem Konzept, bei dem getrennte Zeitungen in bestimmten Bereichen zusammenarbeiten, bei dem man die beiden überregional ambitionierten Titel, die zu DuMont gehören...

...neben der „Berliner Zeitung“ auch die „Frankfurter Rundschau“...

...so synergetisch zusammenfasst, dass man die Kosten unter Kontrolle behält und gleichzeitig die Qualität steigert. Unter Herrn DuMont und Chefredakteur Uwe Vorkötter hat die FR publizistisch einen großen Schritt nach vorn getan, ökonomisch ist sie noch nicht über den Berg. Von daher finde ich die Entscheidung von Alfred Neven DuMont, so zu investieren, mutig, das ist die unternehmerische Tat eine unabhängigen Mannes.

Eine, die die WAZ offenbar scheute – waren Sie ernsthaft an Berlin interessiert?

Nein, wir haben unseren Hut nicht in den Ring geworfen.

Warum nicht?

Wir hätten keine Synergien heben können und deshalb Schwierigkeiten bekommen, ein Qualitätsprodukt zu bewahren und zugleich die Wirtschaftlichkeit zu sichern. Herr DuMont will das nun schaffen, das kann er auch. Und er macht das nicht nach kreditfinanzierter Heuschrecken-Art, sondern mit einem seriösen persönlichen Unterbau. Überhaupt ist es doch bemerkenswert, dass in Deutschland anders als in Ländern um uns herum Verleger nicht nach dem Staat wimmern. In Österreich gibt es schon lange eine staatliche Presseförderung, in Frankreich wird sie gesteigert, in Holland wird sie gerade gefordert – kein deutscher Verleger hat dagegen nach Staatsgeld gerufen, obwohl die Medien doch eine ganz wesentliche Funktion in unserer Demokratie erfüllen.

Andererseits sparen Sie massiv – die WAZ will bei ihren vier Kernzeitungen im Ruhrgebiet 300 von 900 Redakteursstellen streichen. Und das geht nicht zu Lasten der Qualität?

Wir werden diese Stellen streichen, weil wir eine besondere Situation durchleben: Die Mediennutzung gerade der Jüngeren ändert sich radikal. Gleichzeitig erleben wir eine Konjunktur- und Werbekrise. In der Vergangenheit haben Verlage in Technik und Verwaltung gespart – jetzt sind bei uns zum ersten Mal auch Redaktionen betroffen. Natürlich ist das ein Einschnitt – wir wollen ihn so sozial wie möglich gestalten. Mehr als die Hälfte der Stellenkürzungen bekommen wir vermutlich mit Altersteilzeit oder ähnlichen Modellen hin. Aber es muss sein, damit nicht die ganze Gruppe in eine Schieflage gerät. Dabei ist unsere Anforderung bescheiden: Die Verlust-produzierenden Titel sollen eine schwarze Null erreichen.

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