Börse: Hochtief stoppt Börsengang

Börse: Hochtief stoppt Börsengang

Bild vergrößern

Der Vorstandsvorsitzende der Hochtief AG, Herbert Lütkestratkötter

Hochtief hat das milliardenschwere Börsendebüt der Flughafen- und Infrastruktur-Tochter Concessions am Vorabend abgesagt. Der Baukonzern fand nicht genügend zahlungsfreudige Investoren.

Am Ende soll die Dubai-Krise die Investoren verschreckt: Der Baukonzern Hochtief hat mit seinen Börsenplänen für die Flughafen- und Infrastruktur-Tochter Concessions eine Bruchlandung hingelegt. Wegen zu schwacher Nachfrage am Kapitalmarkt sagte die Essener Muttergesellschaft das für heute geplante milliardenschwere Börsendebüt kurzfristig ab. Dies könnte einen herben Rückschlag für den durch die Finanzkrise stark in Mitleidenschaft gezogenen Markt für Börsengänge bedeuten. Hochtief teilte mit, das Vorhaben werde „zunächst“ nicht weiter verfolgt, und verwies indirekt auf die Dubai-Krise. „Durch die jüngsten Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten hat sich das Kapitalmarktumfeld entscheidend verschlechtert“, erklärten Hochtief und die Tochter. Eine Veräußerung der Concessions-Anteile unter Wert scheide aus.

Wegen der Finanzkrise hatten in der Vergangenheit viele andere Unternehmen nicht den Gang an den Aktienmarkt gewagt - oder mussten die bereits gefassten Pläne gar absagen. Auch in den vergangenen Tagen waren an den Märkten Zweifel aufgekommen, ob das Initial Public Offering (IPO) von Hochtief Concessions wie geplant stattfinden werde. Zahlungsschwierigkeiten des Emirats Dubai - eine Region, in der viele Baukonzerne tätig sind - hatten die Investoren verunsichert. Zudem hatten Börsianer moniert, dass der Wert und die Perspektiven der Beteiligungen von Hochtief Concessions schwer einzuschätzen seien. Sind sich die Investoren ihrer Sache aber nicht sicher, schrecken sie davor zurück, in neue Aktien zu investieren - oder verlangen einen derart hohen Abschlag, dass ihn die Unternehmen nicht akzeptieren. Die Wertvorstellungen für Concessions seien „nicht realisierbar“ gewesen, betonte Hochtief.

Anzeige

Keine Milliarde nötig

Der größte deutsche Baukonzern wollte bis zu 49 Prozent der Tochter an die Börse bringen, in der der Konzern unter anderem seine Beteiligungen an sechs Flughäfen wie in Budapest und Athen gebündelt hat. Die Preisspanne hatte Hochtief zwischen 24 bis 29 Euro abgesteckt. Die ausstehenden Verpflichtungen sowie die geplanten Investitionen in Neuprojekte seien durch den finanziellen Spielraum der Mutter Hochtief abgedeckt. Ursprünglich sollte bei dem Börsengang bis zu eine Milliarde Euro erlöst werden. Rund 600 Millionen Euro sollten aus einer Kapitalerhöhung stammen und für die weitere Finanzierung von Concessions dienen. Die restlichen Aktien wollte Hochtief aus seinem eigenen Portfolio platzieren, aber auch nach dem IPO weiter 51 Prozent an der Infrastrukturtochter halten.

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte aber immer wieder betont, der Konzern müsse Concessions nicht um jeden Preis an die Börse bringen. „Unser Anspruch als aktiver Portfoliomanager war stets, in keinem Fall unter unseren Wertvorstellungen zu verkaufen. Das haben wir immer gesagt und wir stehen weiterhin unter keinerlei Druck“, betonte er nun in der Mitteilung.Für Concessions habe das Scheitern der Börsenpläne keine Folgen, unterstrich Vorstandschef Peter Noe: „Unsere Finanzierungslinien stehen - auch ohne einen Börsengang.“

Seit zwei Jahren kein großer Börsengang

In der Sparte Concessions hat Hochtief seit Anfang 2008 das Flughafengeschäft und die sogenannten PPP-Geschäfte (Public Private Partnership) gebündelt, bei denen das Unternehmen für die öffentliche Hand Projekte wie Schulen und Tunnel baut und betreibt.

Im November 2007 hatte der Hamburger Hafenbetreiber HHLA mit seinem Schritt an die Frankfurter Börse 1,17 Milliarden Euro eingenommen. Danach hatte sich das Klima für Börsengänge in Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise stark eingetrübt und nur noch wenige, vor allem kleinere Firmen, hatte den Schritt auf das Börsenparkett gewagt. In den USA und vor allem China hingegen gab es in den vergangenen Monaten ein Reihe sehr großer und erfolgreicher Börsengänge.  

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%