Börsenchef Reto Francioni im Interview: "Niemals feindlich"

Börsenchef Reto Francioni im Interview: "Niemals feindlich"

Wie Börsenchef Reto Francioni die Finanzkrise überstehen will und warum er selbst große Übernahmen in den USA für den Dax-Konzern interessant findet.

WirtschaftsWoche: Herr Francioni, bis vor wenigen Monaten war die Börse von der Zerschlagung durch Hedgefonds bedroht. Jetzt nicht mehr – warum?

Francioni: Ob die Börse wirklich vor der Zerschlagung gestanden hat, lassen wir mal dahingestellt sein. Klar ist: Hätte man das einmalige integrierte Geschäftsmodell zerstört, wäre Wert in hohem Umfang vernichtet worden. Die Finanzkrise hat allen gezeigt, dass unser integriertes Modell – Aktienhandel, Terminbörse, Abrechnung, Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren – stabil und effizient ist und gerade in schwierigen Zeiten auch der gesamten Volkswirtschaft deutlich hilft.

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Wie denn zum Beispiel? 

Nehmen Sie den Ausfall von Lehman Brothers in Europa: Durch unser Risikomanagement und die ausreichende -Besicherung offener, von Lehman über unsere Börse gehandelter Positionen in unserem zentralen Clearing-Haus wurden Verluste anderer Marktteilnehmer vermieden. Wir sind übrigens die einzigen weltweit, die in Echtzeit offene Positionen -permanent bewerten und Risiken überwachen.

Haben Sie die Hedgefonds abgeschüttelt?

Es ist nie unser Ziel, Aktionäre abzuschütteln. Doch zu Ihrer Frage: Auch die Hedgefonds als Aktionäre der Deutschen Börse AG haben gesetzliche Meldepflichten zu beachten. Verkäufe wurden bisher nicht gemeldet. Solange sich das nicht ändert, sind sie unsere Miteigentümer, mit allen Rechten und Pflichten...

...also der gemeinsamen Ausübung der Aktionärs- und Stimmrechte für 19,3 Prozent der Aktien durch Atticus und TCI seit September?

Richtig.

Wie man Anteile heimlich erwerben kann, haben wir beim Kauf von Conti durch Schaeffler und bei der VW-Übernahme durch Porsche gesehen. Das funktioniert auch in die andere Richtung, als Herausschleichen statt Anschleichen.

Möglicherweise. Allerdings halte ich die existierenden Meldepflichten für ausreichend. Es kommt aber sicher darauf an, wie die Regeln angewandt und durchgesetzt werden.

Sind die Londoner Hedgefonds zermürbt durch Ihren anhaltenden Widerstand?

Wir sind nicht renitent, sondern haben als Management einen klaren Auftrag. Der Vorstand verfolgt eine betriebswirtschaftlich nachhaltige Position: Gewinnoptimierung und Substanzsteigerung.

Aber es gibt doch auch ein politisches Interesse. Sie haben auf dieser Klaviatur elegant gespielt, als Sie dafür sorgten, dass Ministerpräsident Roland Koch persönlich TCI-Gründer Chris Hohn klarmachte, dass die Börse bei einer Aufspaltung die Lizenz verlieren könnte.

Eine funktionierende Volkswirtschaft braucht einen funktionierenden Kapitalmarkt. Natürlich gibt es da ein übergeordnetes Interesse, das haben wir nicht erst wecken müssen. Zudem: Wir haben öffentlich-rechtliche Lizenzen vom Staat. Unser Umfeld ist ganz spezifisch, ich spreche hier von Stakeholdern.

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