Boni-Streit: Commerzbank muss Banker 4,5 Millionen zahlen

Boni-Streit: Commerzbank muss Banker 4,5 Millionen zahlen

Bild vergrößern

Die Übernahme der Dresdner Bank und die Finanzkrise hatten der Bank übel zugesetzt, es folgten Teilverstaatlichung und Rettungsmilliarden. Das trug Früchte, die Bank ist auf dem Wege der Besserung, wenn auch immer noch angeschlagen. Mit einem Kursplus von 261,7 Prozent seit März erobert die Commerzbank-Aktie mühelos Platz zwei unter den Top-Aktien der Rally, Foto: dpa

Das Arbeitsgericht Frankfurt sprach einem ehemaligen Investmentbanker 1,5 Millionen Euro Abfindung und drei Millionen Euro Bonus zu. In der kommenden Woche hoffen weitere Kläger auf ähnliche Urteile.

Die Commerzbank hat im Streit um millionenschwere Bonuszahlungen eine juristische Niederlage erlitten. Das Arbeitsgericht Frankfurt sprach einem hochrangigen ehemaligen Investmentbanker der Dresdner Bank am Donnerstag insgesamt 4,5 Millionen Euro zu.

Die Commerzbank hatte dem nach der Dresdner-Übernahme ausgeschiedenen Jens-Peter Neumann eine Abfindung von 1,5 Millionen Euro verweigert und den bereits gezahlten Bonus von drei Millionen Euro zurückgefordert. Den hatte der ehemalige Kapitalmarktchef der Dresdner Bank vor deren Verkauf als Bleibeprämie erhalten. Die Commerzbank behält sich vor, in Berufung zu gehen, wie ein Banksprecher sagte. Nach Zugang des schriftlichen Urteils hat sie dafür vier Wochen Zeit.

Anzeige

Blessing hatte alle Boni nachträglich gestrichen

Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte nach einem Verlust von mehr als sechs Milliarden Euro im vergangenen Jahr alle Sonderzahlungen an ihre Mitarbeiter nachträglich gestrichen. Die Rückforderung an Neumann hatte die Bank mit der verschlechterten Ertragslage begründet.

Das ließ das Arbeitsgericht nicht gelten: „Es ist nicht erkennbar, dass die Ertragslage des Unternehmens in irgendeiner Form zur Geschäftsgrundlage des geschlossenen Aufhebungsvertrages erhoben worden war.“ Aus diesem ergebe sich vielmehr, dass die gesamten 4,5 Millionen Euro „als besondere Wertschätzung der Bank“ gezahlt werden sollten, falls Neumann bis zum Abschluss der Übernahme bliebe.

Topf von 400 Millionen Euro

Die Vorstände der Dresdner Bank und der Allianz hatten auf Anraten der britischen Finanzaufsicht einen Topf von 400 Millionen Euro bereitgestellt, damit die Investmentbanker nicht schon vor dem Verkauf an die Commerzbank absprangen. Der 50-Jährige Neumann, der die Bank Ende Januar verlassen hat und jetzt auf Zypern lebt, erschien nicht im Gerichtssaal. Er ist der erste Investmentbanker, der in Deutschland wegen gestrichener Millionenboni geklagt hatte.

Die meisten Verfahren gegen die Commerzbank sind in London anhängig, die meisten von Neumanns Untergebenen waren dort angestellt. Mehrere Prozesse hat sie bereits verloren, in anderen Fällen ließ sie sich auf Vergleiche ein.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%