Bonusprogramme: Startup Speach greift Platzhirsch Payback an

Bonusprogramme: Startup Speach greift Platzhirsch Payback an

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Speach Media

von Thomas Stölzel

Mit 150 Online-Shops und dem Mobilfunker O2 im Rücken startet das Startup Speach Media eine Alternative zu dem Bonusriesen Payback.

"Haben Sie eine Payback-Karte?“ Manch einer ist von der gebetsmühlenartigen Frage vieler Verkäuferinnen genervt. Andere sammeln beim Einkauf im Supermarkt, an der Tankstelle oder im Online-Shop fleißig Bonuspunkte, um sie später gegen Prämien einzutauschen – von der Kaffeemaschine bis zum Rucksack. Dabei nehmen sie in Kauf, dass Payback Daten über ihre Kaufgewohnheiten speichert und Unternehmen diese einsetzen können, um maßgeschneiderte Werbung zuzustellen. Das Punkte-Geschäft brummt: Bei der Payback-Mutter Loyalty Partner, hinter der auch der Handelsriese Metro und die Beratung Roland Berger stecken, wuchs der Umsatz in den vergangenen vier Jahren um 50 Prozent auf 209 Millionen Euro.

Das ruft Konkurrenten auf den Plan. Wenige Schritte von Hamburgs Amüsiermeile Reeperbahn entfernt, im vierten Stock eines Jugendstilhauses, organisieren Anton, 28, und Moritz Pagendarm, 31, ihren Angriff. Ihr Ziel ist Payback – das größte Bonusprogramm Europas, dessen Mitgliedskarte allein hierzulande in gut 20 Millionen Portemonnaies steckt. Das schreckt die zwei Söhne einer alten Unternehmerfamilie, der Hamburg den Maschinenbauer Pagendarm verdankt, nicht ab. Die Brüder haben mit ihrem Startup Speach Media soeben ein eigenes Bonussystem aufgelegt. Damit wollen sie dem zehn Jahre alten Platzhirsch Payback Kunden abjagen.

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Schlüssiges Konzept

Das Anfang Oktober gestartete Bonusprogramm der Pagendarms unter der Marke Freiminuten.de funktioniert anders als Payback: Mitglieder sammeln mit Einkäufen keine Punkte, sondern Gesprächsguthaben fürs Handy. Mit dieser auf junge Nutzer zugeschnittenen Geschäftsidee gelang es dem Startup, binnen weniger Monate 150 deutsche Internet-Händler an Bord zu holen, darunter Puma, Nike, Otto, Neckermann und Schlecker. Mitglieder müssen sich auf Freiminuten.de einloggen und dort den entsprechenden Web-Shop ansteuern. „Kaufen sie etwas, regelt die Plattform den Rest“, erklärt Moritz Pagendarm.

Vor wenigen Tagen trat der erste große Mobilfunkanbieter dem Programm bei. Bei O2 können seither alle Vertragskunden ihre Freiminuten einlösen, selbst solche mit Flatrate-Verträgen. Die bekommen dann Teile ihrer Monatsrechnung erstattet. In den ersten Wochen von Freiminuten.de war das Angebot auf Vorkasse-Anbieter wie die E-Plus-Tochter Blau und den Telekom-Ableger Klarmobil beschränkt. „Das ist ein schlüssiges Konzept, mit dem der Kunde seine Mobilfunkrechnung refinanzieren kann“, sagt O2s Strategie-Chef Jens Prautzsch. Für den Netzbetreiber sei es ein gutes Mittel zur Kundenbindung.

17 Millionen mögliche Nutzer

Aus den 17 Millionen Mobilfunkkunden von O2 hoffen die Pagendarms nun, eine Flut Nutzer zu gewinnen. Denn sechs Wochen nach Start bringt es das Acht-Mitarbeiter-Unternehmen erst auf ein paar Tausend Mitglieder. In den nächsten Monaten dürften weitere Mobilfunker folgen – besteht ihr einziger Aufwand doch darin, die Werbetrommel für das Programm zu rühren. Die als Boni ausgereichten Freiminuten finanzieren die Einzelhändler.

Besonders Unternehmen, die erst spät ins Web-Geschäft eingestiegen sind, lotsen gern via Freiminuten.de Kunden in ihre Online-Shops. Und sie lassen sich das etwas kosten. So bietet Neckermann 50 Freiminuten je Einkauf, egal, in welcher Höhe: „Wir zahlen und generieren auf dem Weg Umsatz“, sagt eine Sprecherin des Händlers. Ein O2-Flatrate-Kunde etwa bekommt nach dem Einkauf bei Neckermann fünf Euro auf der nächsten Handyrechnung gutgeschrieben. Speach Media kassiert für die Vermittlung noch einmal denselben Betrag vom Händler als Provision.

Neben mehreren Business Angels hat das Konzept auch den Wagniskapitalgeber Paua Ventures angezogen. „Wir haben im März eine sechsstellige Summe investiert“, sagt Paua-Chef Christian Buchenau. Das Unternehmen sei interessant, weil Gutschein-Firmen derzeit gefragt seien. Das zeige die Übernahme des deutschen Startups CityDeal durch den milliardenschweren US-Rabattanbieter Groupon.

Doch sieht Buchenau Verbesserungsbedarf. Freiminuten.de müsse nutzerfreundlicher werden, Händler sollten sich gegen einen Aufpreis prominenter präsentieren können. Auch gibt es weitere Konkurrenz neben Payback. Das Bonusportal Qipu überweist Nutzern Bargeld nach dem Einkauf. So denken die Pagendarms bereits an Expansion: „Wir arbeiten daran, stationäre Händler dazuzunehmen“, sagt Moritz Pagendarm. Auch wollen die Brüder ihr Geschäftsmodell mittelfristig ausweiten: Auch Stromkunden sollen dann mit den Boni ihre Rechnung reduzieren können.

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