Bosch-Chef Franz Fehrenbach: "Ich warne davor, eine Rezession herbeizureden"

InterviewBosch-Chef Franz Fehrenbach: "Ich warne davor, eine Rezession herbeizureden"

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Franz Fehrenbach

von Hans-Jürgen Klesse und Roland Tichy

Einen Abbruch der Weltkonjunktur sieht Bosch-Chef Franz Fehrenbach nicht, aber er warnt vor panischen Bremsreaktionen. Seine größte Sorge aber ist eine andere.

WirtschaftsWoche: Herr Fehrenbach, zu Beginn des Jahres waren die Konjunkturaussichten noch rosig, jetzt sehen sie eher trübe aus. Schuld sind die Überschuldung vieler EU-Länder, die Euro-Krise und die Finanzprobleme der USA. Stehen wir jetzt vor einem welt‧weiten Konjunktureinbruch?

Fehrenbach: Einen Abbruch der Weltkonjunktur sehe ich nicht, wohl aber eine Verlangsamung des Wachstums. Für uns wurde schon im Laufe des zweiten Quartals klar, dass die Zuwachsraten kleiner werden. In den ersten drei Monaten hatten wir ein sehr starkes Umsatzplus, inzwischen hat sich das Wachstum etwas abgeschwächt. Auch die politischen Anstrengungen zur Lösung der Schuldenkrise werden dämpfende Wirkungen haben...

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...sodass die Gefahr besteht, in eine Rezession abzugleiten?

Nein, von einer Rezession sind wir weit entfernt. Ich warne eindringlich davor, durch verbale Übertreibungen und panische Bremsreaktionen eine Rezession herbeizureden. Meine größte Sorge besteht darin, dass aus der Schuldenkrise eine politische Glaubwürdigkeitskrise wird: Wenn die Menschen in der EU ihren Regierungen nicht mehr zutrauen, die Krise lösen zu können, hätte das schlimme Folgen auch für den privaten Konsum.

Wie lässt sich die Schuldenkrise lösen?

Da muss ich etwas weiter ausholen. Egal, wie der Schuldenberg verringert wird, ob durch höhere Steuern, Einschränkung der Staatsausgaben oder durch einen Haircut...

...also einen Schuldenerlass...

...es wird auf jeden Fall dämpfend auf das Wachstum wirken. Wir müssen einen Mittelweg finden, um zu verhindern, dass wir in eine Rezession abgleiten. Das würde die Konsolidierungsbemühungen zusätzlich erschweren, weil dann die Steuereinnahmen zurückgehen. Allen Beteiligten muss klar sein, dass diese Krise nicht innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre zu lösen ist – das ist ein Fünf- oder eher Zehnjahresprogramm. Diese Tatsache sollte aber auch ehrlicherweise kommuniziert werden, an die Finanzwirtschaft ebenso wie an die Bevölkerung.

Sie sind also unzufrieden mit dem politischen Krisenmanagement?

Im Moment lassen sich die Regierungen von den Finanzmärkten vor sich her treiben, und das halte ich für falsch. Statt einen Rettungsschirm nach dem anderen aufzuspannen, muss die Politik das Primat des Handelns zurückgewinnen.

Wie soll das funktionieren, mit EuroBonds, also Anleihen mit gemeinschaftlicher Haftung?

Ich bin sicher, dass wir irgendwann sowieso Euro-Bonds bekommen werden, der Druck der Finanzmärkte wird den Regierungen keine andere Wahl lassen. Aber die gegenwärtige Diskussion über dieses Thema läuft doch völlig am eigentlichen Kern vorbei. Es reicht nicht, wenn die europäischen Regierungen Euro-Bonds ablehnen. Sie müssten jetzt darüber befinden, unter welchen Bedingungen sie bereit wären, sie zu akzeptieren. Wer für die Schulden anderer einstehen soll, muss auch Mitspracherechte und Gestaltungsrechte haben. Um das zu erreichen, müssten aber Gesetze geändert werden, sowohl in den Geber- wie in den Nehmerländern. Gemeinsam europäisch handeln kann nur, wer einen Teil seiner staatlichen Souveränität aufgibt. Daran führt kein Weg vorbei, wenn wir Europa wirklich wollen.

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