BP: Der teuerste Putzjob der Welt

BP: Der teuerste Putzjob der Welt

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Bob Dudley

von Andreas Wildhagen

Der neue BP-Chef Bob Dudley muss wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Vermögenswerte zu Geld machen – das kann auch den Verkauf der deutschen Marke Aral bedeuten.

Bob Dudley weiß, wie man eine Public-Relations-Maschinerie zum Laufen bringt. Der neue starke Mann bei begibt sich an die einst blütenweißen Strände von Alabama und sammelt klebrig-schwarze Ölklumpen mit einer Schaufel auf, sobald die Kameras des US-Senders ABC auf ihn gerichtet sind. Ein smartes Lächeln. Klappe. Nächster Termin.

Nach einem Hubschrauberflug in die Marschregionen Louisianas folgt wieder eine Einstellung für Dudley. Neben dem Chef der US-Küstenwache schaut der Manager so geduldig wie möglich zu, wie eine ölverschmierte Schildkröte von einer Helferin geputzt und wieder lebenstauglich gemacht wird. Am Ende des Tages steht dann ein Anruf im Weißen Haus auf der „To-do-Liste“ des Amerikaners Dudley: Er werde in wenigen Tagen als neuer Chef des britischen Öl- und Gaskonzerns BP eine neue Ära einleiten.

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Das ist auch nötig: Nach dem Untergang der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko und der Verschmutzung der Küsten von vier US-Bundesstaaten ist der Konzern mit Schadensersatzforderungen und Säuberungskosten in Höhe von 32 Milliarden Dollar konfrontiert. Mehr als 17 Milliarden Dollar Verlust lautete die Bilanz des zweiten Quartals 2010 infolge erster Zahlungen in einen amerikanischen Entschädigungsfonds. Anleger ziehen sich verschreckt zurück. Um 40 Prozent sackte der Aktienkurs von BP seit April ab. Konkurrenten wie ExxonMobil und die französische Total signalisieren unverhohlen Absichten, lukrative Teile von BP zu erwerben.

Blick auf die Filetstücke

BP

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Um eine feindliche Übernahme zu verhindern, muss der 54-jährige Dudley BP vor einem weiteren Absturz des Aktienkurses bewahren – also vor allem das Leck im Golf von Mexiko final stopfen. Zugleich braucht er Geld, viel Geld: Um die Kosten der Katastrophe zu decken, muss BP Vermögenswerte im Wert von 30 Milliarden Dollar verkaufen. Dudley kündigte an, sich von mindestens 13 Prozent der Ölförderkapazität zu trennen.

Der Blick auf die wichtigsten Vermögensteile und Bereiche von BP (siehe Grafik) zeigt, was Dudley verwerten kann, wo die Filetstücke liegen, die „in den nächsten 18 Monaten“, auch das eine Ansage von Dudley, verkauft werden müssen. Damit will der Konzern bis Ende 2011 ein Liquiditätspolster von 64 Milliarden Dollar aufbauen – was davon an die Öl-Opfer geht, ist noch offen. Ganz oben auf der Verkaufsliste: die deutsche Tankstellenkette Aral mit 2500 Stationen.

Dudleys Masterplan

Alle Geschäftseinheiten werden jetzt auf Zukunftstauglichkeit geprüft. Am lukrativsten sind die Förderrechte von Öl- und Gasfeldern, am wertvollsten werden die Vorkommen in den USA und Russland eingeschätzt. Spitzenreiter war bisher das US-Feld Thunder Horse, das von Goldman Sachs mit 22 Milliarden Dollar bewertet wird. Thunder Horse ist allerdings das Tief-Ölbohrgebiet im Golf von Mexiko, wo sich die Umweltkatastrophe ereignete. Daher ist fraglich, ob die amerikanischen Behörden zulassen werden, dass dort weiter nach Öl gebohrt wird. Es könnte also sein, dass das in den Büchern wertvollste Öl- und Gasfeld für BP nichts mehr bringt.

Die gesamten Vermögenswerte schätzte Dudley gleich zu Beginn seiner Ernennung – er übernimmt jetzt schon die Führung des Konzerns, obwohl er nominell erst im Oktober antritt – auf 250 Milliarden Dollar. Auf der Verkaufsliste steht vor allem das indonesische Feld Tangguh, das Goldman Sachs auf 6,7 Milliarden Dollar schätzt, und das Gasfeld ACG in Aserbaidschan mit einer Bewertung von knapp zehn Milliarden Dollar.

Im ACG-Feld ist Zukunftsmusik, es soll in den kommenden Jahren an die Gaspipeline Nabucco angeschlossen werden, die vom Nahen Osten nach Westeuropa führen soll – unter Beteiligung des Essener Energieversorgers RWE auch nach Deutschland.

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