BP-Einstieg von Rosneft: Auftakt zu einer russischen Privatisierungswelle?

BP-Einstieg von Rosneft: Auftakt zu einer russischen Privatisierungswelle?

von Florian Willershausen

Der Einstieg von Rosneft bei BP könte als Blaupause für weitere Privatisierungsschritte dienen. Russlands Regierung trennt sich von Anteilen an Staatsbetrieben wie Rosneft – aber nur häppchenweise.

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Logo des russischen Ölkonzerns Rosneft

Russlands neue Privatisierungsaktion beginnt mit einer faustdicken Überraschung: Rosneft übernimmt fünf Prozent an British Petroleum (BP), umgekehrt kaufen die Briten 8,5 Prozent am staatlichen russischen Ölkonzern. Beide Aktienpakete haben einen Wert von knapp acht Milliarden Dollar, der Anteilstausch macht den Weg frei für die gemeinsame Erschließung riesiger Ölfelder in der russischen Arktis.

Mit diesem Mega-Deal ist Igor Setschin ein Husarenstück gelungen. Der Vize von Premierminister Wladimir Putin und Aufsichtsratschef von Rosneft sichert sich damit dringend benötigtes Know-how zur Ölförderung, ohne die Kontrolle über strategische Ressourcen an die Ausländer abzugeben: An der Erschließung der arktischen Vorkommen, die den weltweiten Ölbedarf vier Jahre decken könnten, wird Rosneft zu zwei Dritteln, BP nur zu einem Drittel beteiligt sein.

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Der Deal ist eine Blaupause für weitere Privatisierungsschritte und lässt die Logik der Regierung erkennen: Russland zieht sich aus der Wirtschaft zurück – aber nur ein bisschen. Verkauft werden gerade so viele Anteile an Staatskonzernen, dass die Regierung die Kontrolle behält. Trotzdem sind diese Häppchen für Investoren interessant; und der Staat kann damit die wachsenden Haushaltslöcher stopfen. Mindestens 23 Milliarden Euro will Finanzminister Alexej Kudrin bis 2013 mit den Verkäufen einnehmen.

Kapitalmarkt umgangen

Als Nächstes steht im Sommer die Privatisierung eines 24,5-Prozent-Pakets an der VTB-Gruppe an, Russlands zweitgrößter Bank. Ein zehnprozentiger Anteil an der Sberbank, dem Marktführer der russischen Finanzbranche, könnte wenig später folgen. Die Banken gelten als relativ transparent, ein Plus bei der Platzierung am Kapitalmarkt, was nicht für alle Unternehmen auf der Privatisierungsliste gilt. Pipeline-Betreiber Transneft etwa hat sich bislang ungern in die Bücher schauen lassen, was den Verkauf des geplanten Pakets über 27 Prozent der Aktien schwierig macht.

Die Ursache liegt darin, dass Rosneft einst auf dubiose Weise Filetstücke des zerschlagenen Wettbewerber Yukos ersteigerte, über die der kürzlich neu verurteilte Oligarch Michail Chodorkowski herrschte. Anleger halten sich daher zurück. Nach Plan sollen 24 Prozent der Rosneft-Aktien emittiert werden, doch der Anteil dürfte nach dem BP-Einstieg reduziert werden. Mithilfe der Briten ist es Setschin gelungen, den skeptischen Kapitalmarkt geschickt zu umgehen.

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