BP scheitert mit "Top Kill" : Der Unmut über den Ölkonzern BP wächst

BP scheitert mit "Top Kill" : Der Unmut über den Ölkonzern BP wächst

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Das Video von BP zeigt: Das Öl läuft weiter aus im Golf von Mexiko. Die Operation Top Kill ist gescheitert.

von Yvonne Esterházy

Der britische Ölriese BP gerät im Golf von Mexiko in immer schwerere See. Und in der Londoner City wächst der Unmut gegen BP-Chef Tony Hayward. Aus London berichtet Yvonne Esterházy.

Wieder ein Fehlschlag - und diesmal ein Rückschlag der noch ernstere Folgen haben könnte als bisher. Die Nachricht, dass BP erneut mit dem Versuch gescheitert ist, das Ölleck im Golf von Mexiko zu verschließen ist verheerend – für die Umwelt, für die Menschen, Tiere und Pflanzen, die in den betroffenen Küstenregionen leben, für den britischen Mineralölmulti und seinen Chef Tony Hayward.

Zwar erklärte der mit der Leitung der Rettungsaktion betraute BP-Manager Doug Suttles vor Ort scheinbar gelassen, nach dem Scheitern der sogenannten Top-Kill-Methode, bei der mit Hochdruck Schlamm, Gummireste und halbe Golfbälle in das Bohrloch gepumpt worden seien, werde man sofort versuchen, das auslaufende Öl mit einem neuen anderen Verfahren einzudämmen. Aber die Erfolgschancen sind gering: diesmal soll versucht werden, ein Steigrohr nahe der Quelle unten abzusägen und dann eine Stahlkuppel über das austretende Öl zu stülpen, das anschließend durch zu einem Öltanker geleitet und  abgepumpt werden soll.

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Klingt bekannt? In der Tat: der erste Versuch, das Öl nach der Explosion der Plattform Deepwater Horizon am 20. April aufzufangen, sollte mit Hilfe eines gigantischen Zylinders erfolgen. Technisch sind die Rettungsaktionen von BP komplex, kompliziert und für einen Laien nicht zu durchschauen. Aber zwei Dinge sind klar: Die verzweifelten Versuche des Unternehmens sind gigantische Experimente, von denen selbst Experten nicht abschätzen können ob sie gelingen werden. Zweitens befindet sich der Konzern im Wettlauf gegen die Zeit: Bald beginnt die Hurrikan-Saison. Die dann drohenden massiven Stürme werden das Abdichten des Lecks noch weiter erschweren.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Gelingt es nicht, dass Leck zu verschließen, könnten weiter täglich zwischen 12.000 und 19.000 Fass Rohöl ins Meer strömen. Schon jetzt ist das Unglück schlimmer als die Havarie der Exxon Valdez. Die US-Regierung schätzt, dass bis zu 450.000 Fass Öl ins Meer geflossen sein dürften, als Folge des Exxon-Valdez-Unglücks waren es 260.000 Barrel. BP muss sich den Vorwurf gefallen lassen, das Ausmaß der potentiellen Katastrophe anfangs heruntergespielt zu haben.

Inzwischen wachsen außerdem die Zweifel, ob der Konzern wirklich alles tat, um das Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten. Schlimmer noch: nun gibt es sogar Anzeichen, dass BP grob fahrlässig gehandelt haben könnte.

Denn die „New York Times“ berichtete am Samstagabend unter Berufung auf interne Dokumente des Unternehmens, Ingenieure hätten bereits im Juni 2009 gewarnt, dass eine Metallverschalung, die der Konzern am Bohrloch zum Einsatz bringen wollte, unter großem Druck kollabieren könnte. BP habe aber an der Verwendung der Verschalung festgehalten und sich dafür eine spezielle Erlaubnis des BP-Managements eingeholt – erforderlich war dies,  weil die Sicherheitsbestimmungen, die sich das Unternehmen selbst auferlegt hatte, verletzt wurden.

Ob sich BP-Chef Tony Hayward auf die Dauer halten kann? Vor drei Jahren hatte er die Leitung des Konzerns übernommen und versprochen, Sicherheit werde seine Toppriorität sein. Schließlich hatte sein Vorgänger nicht zuletzt deshalb gehen müssen, weil ihm auf diesem Gebiet schweres Versagen zur Last gelegt wurde. Nun sieht sich Hayward selbst mit dem Vorwurf konfrontiert, für die schwerste Umweltkatastrophe seit Jahrzehnten verantwortlich zu sein. Außerdem musste BP einräumen, dass die vorläufigen Kosten die dem Konzern bisher entstanden sind, sich mittlerweile auf knapp eine Milliarde Dollar summieren.

Das erscheint gering, wenn man bedenkt, dass der britische Multi allein im ersten Quartal einen Gewinn von sechs Milliarden Dollar ausweisen konnte. Aber niemand kann abschätzen,  welche Kosten letztlich auf das Unternehmen zukommen werden. Sammelklagen und Schadensersatzforderungen werden BP in den nächsten Jahren – vielleicht sogar Jahrzehnten - belasten.  BP hat an der Börse seit der Explosion bereits mehr als 40 Milliarden  Dollar und damit etwa ein Viertel seines Werts verloren.

In der Londoner City, die zunächst gelassen reagiert hatte, wächst nun die Sorge, dass das Unternehmen seine Dividende kürzen muss. Das Vertrauen der Anleger schwindet. 

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