Branchenausblick 2010: Baubranche setzt 2010 auf Sanierung statt Neubau

Branchenausblick 2010: Baubranche setzt 2010 auf Sanierung statt Neubau

Bild vergrößern

Der Rückzug der Großen verändert die deutsche Baubranche

von Harald Schumacher

Zwei Prozent Umsatzrückgang nominal erwartet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) für 2010, nach vier Prozent Minus im laufenden Jahr.

Der Rückzug der Großen verändert die deutsche Baubranche. Hochtief und Bilfinger Berger sehen das risikoreiche und margenarme Baugeschäft nicht mehr als Selbstzweck, sondern als Teil einer Wertschöpfungskette – sie wollen vom ganzen Lebenszyklus von Immobilien profitieren. Der österreichische Strabag-Konzern mit der Strabag AG in Köln und der Ed. Züblin AG in Stuttgart ist dadurch im eigentlichen Baugeschäft zum Marktführer hierzulande geworden. Aber auch Strabag investiert in das Dienstleistungsangebot rund um Gebäude und Industrieanlagen.

Die Bauriesen haben den Haupttrend der kommenden Jahre im Blick: Heute fließen 70 Prozent der Bauinvestitionen in Neubauprojekte und 30 Prozent in bestehende Gebäude. „Dieses Verhältnis wird sich bis 2015 umkehren“, prognostiziert Franz Klinger, Partner Real Estate bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in München und verantwortlich für die Deloitte-Branchenstudien zur europäischen Bauwirtschaft. Das Geschäftsfeld Sanierung wird aus verschiedenen Gründen boomen: Der Energieverbrauch der meisten Gebäude ist zu hoch, bei vielen Stahlbetonbauten aus den Fünfziger- bis Neunzigerjahren rechnet sich die Sanierung, es gibt weniger Neubaugebiete und kaum noch staatliche Förderung für den Neubau.

Anzeige

Strukturwandel auch bei Mittelständlern deutlich

Der Strukturwandel der Branche wird auch bei Mittelständlern deutlich: 150 der 2400 Mitarbeiter bei Goldbeck in Bielefeld zum Beispiel arbeiten schon im Bereich Gebäudemanagement. Sie sichern dem Familienunternehmen langfristige Einnahmen und das Know-How für sogenannte PPP-Projekte, die Unternehmen und öffentliche Hand gemeinsam betreiben. „Und wir lernen dadurch, was mit den Gebäuden, die wir bauen, passiert“, sagt Geschäftsführungs-Sprecher Uwe Goldbeck. Zum Goldbeck-Konzept für energieeffiziente Bürogebäude, das die Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2012 erfüllt, gehört ein eigenes Tochterunternehmen, welches Solaranlagen auf die Dächer der Goldbeck-Projekte montiert. Seit 2008 entsteht im Konzern auch ein Tochterunternehmen für Gebäudesanierungen.

Goldbecks Clou ist aber ein flexibles System von Baumodulen aus Stahl und Beton, mit dem die Westfalen schnell und preisgünstig Bürobauten, Lagerhallen, Parkhäuser, Sporthallen und Verwaltungs- und Schulgebäude zusammen setzen. Das „bleibt unser wichtigstes Standbein“, sagt Uwe Goldbeck. Deloitte-Experte Klinger sieht auch darin einen Branchentrend: „Neben den Großen gibt es 40 bis 50 deutsche Mittelständler, die ihre Spezialgebiete perfektionieren und damit international wettbewerbsfähig sind.“

Für Goldbeck hat sich das ausgezahlt: „Wir kommen ohne quälende Sparprogramme durch die Krise“, sagt der Firmenchef. Der Umsatz fiel nach dem Rekord von 2008 – 1,3 Milliarden Euro – in diesem Jahr zwar auf das Niveau von 2007 zurück. Aber das liegt vor allem an den Preissprüngen beim Stahl, erklärt der 41-Jährige: „Weil der Stahl, den wir kaufen und in Rechnung stellen, 2009 wieder billiger ist, haben wir nominal weniger Umsatz, obwohl wir kaum weniger bauen.“

Zuversicht ohne Euphorie verbreitet auch HDB-Sprecher Heiko Stiepelmann: 2009 und 2010 würden nur je ein bis zwei Prozent der Arbeitsplätze abgebaut – trotz Konjunkturprogramm. Die Branche hat schon Schlimmeres weg gesteckt: Nach dem Wiedervereinigungsboom gingen stolze Konzerne wie Philipp Holzmann und Walter Bau in die Knie, von 1,4 Millionen 1995 halbierte sich die Zahl der Beschäftigten bis 2007. Deloitte-Experte Klinger: „Wer das überlebt hat, den erschüttert die aktuelle Misere nicht.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%