Branchenausblick 2010: Chemiebranche setzt auf Bio- und Nanotechnik

Branchenausblick 2010: Chemiebranche setzt auf Bio- und Nanotechnik

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Bayer-Werk: 6 Prozent Umsatzwachstum erwartet die Branche für 2010

von Jürgen Salz

Sechs Prozent Umsatzwachstum erwartet die Chemiebranche für 2010, die Produktion soll um fünf Prozent zulegen. Wachstumstreiber sollen dabei die Bereich Bio-, Nano- und Umwelttechnologie werden.

Mit den Anilinfarbstoffen hat alles begonnen. Heute produziert Bayer hochwertige Kunststoffe, Lacke, Kleb-, Dämm- und Dichtstoffe. Bayer und Chemie, das gehört zusammen – seit fast 150 Jahren schon.

Damit könnte es unter Marijn Dekkers, dem neuen Mann an der Spitze des Konzerns, bald ein Ende haben. Der Holländer, bis vor kurzem noch in Diensten des US-Laborspezialisten Thermo Fisher Scientific, zieht zum 1. Januar zunächst als einfaches Mitglied in den Bayer-Vorstand ein. Am 1. Oktober nächsten Jahres löst er dann den bisherigen Konzernchef Werner Wenning ab. Der Neuling dürfte weniger Hemmungen haben als sein Vorgänger, sich vom traditionsreichen, aber krisenanfälligen Chemiegeschäft zu trennen, glauben viele in der Branche. Zumal die mittelfristigen Aussichten für die anderen beiden Konzernsparten Gesundheit und Pflanzenschutz deutlich günstiger ausfallen.

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Noch hält Dekkers sich bedeckt, doch klar ist: Die Rahmenbedingungen für die chemische Industrie bleiben auch in den nächsten Jahren schwierig. Zwar werden nach einer Prognose des Branchenverbandes VCI im Jahr 2010 Produktion (plus fünf Prozent gegenüber 2009) und Umsatz (plus sechs Prozent) wieder zulegen. Doch der Anstieg erklärt sich vor allem dadurch, dass es im Jahr 2009 deutlich abwärts ging.

Wachstumsfelder müssen erschlossen werden

Die Unternehmensberatung A.T. Kearney beziffert das Umsatzminus im laufenden Jahr auf 20 Prozent, 5000 der über 400 000 Chemie-Arbeitsplätze sind parallel dazu weggefallen, größere Stellenstreichungen konnten nur durch die Einführung von Kurzarbeit verhindert werden. 2010 stehen – laut A.T. Kearney – im äußersten Fall 35 000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Erst ab 2012 erwartet die Branche wieder einen nachhaltigen Aufschwung, dann könnte das Vor-Krisen-Niveau wieder erreicht werden.

„Inzwischen mehren sich zwar die Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung, allerdings halten wir es für wenig wahrscheinlich, dass dies bereits der Beginn eines neuen langfristigen Aufschwungs ist“, sagt A.T. Kearney-Berater Tobias Fehre. Viele Probleme werden die Unternehmen aber auch danach noch beschäftigen. So drängen immer stärker Wettbewerber aus Nahost und Asien auf den Markt: Unternehmen wie die saudi-arabische Sabic, die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten oder SinoChem aus China. Gegenüber den westlichen Chemie-Unternehmen können sie mit günstigen Rohstoff- und Produktionskosten punkten. Nicht auszuschließen, dass der künftige Bayer-Chef Dekkers die Chemie eines Tages nach Nah- oder Fernost verkauft.

Wer sich im Markt behaupten will, muss konsolidieren: „Wir rechnen mit einem deutlichen Anstieg bei Zusammenschlüssen und Übernahmen, sobald sich die wirtschaftliche Lage und die Kreditklemme wieder entspannt haben“, sagt A.T.-Kearney-Berater Thomas Rings. „Mit Hilfe staatlicher Unterstützung werden vor allem Unternehmen aus China und dem Nahen Osten auf den Plan treten und hiesigen strategischen Investoren Konkurrenz machen.“

Wenn die deutschen Chemieunternehmen mithalten wollen, müssen sie neue Wachstumsfelder erschließen. Rings zählt dazu die sogenannte weiße Biotechnologie, die Produktion von Chemikalien durch Mikrorganismen, sowie die Nano- und Umwelttechnologie. „Diese neuen Wachstumskerne bergen immenses Potenzial, dem krisenbedingten Umsatz- und Arbeitsplatzschwund entgegenzuwirken“, sagt Rings.

Gegen die Krise in der Chemie helfen freilich auch Pillen. 2009 konnten Bayer und Merck wieder davon profitieren, dass sie nicht nur auf Chemikalien, sondern auch auf Medikamente setzen. Im Gegensatz zur Chemie hat sich die Pillenbranche 2009 als krisenresistent erwiesen und ist sogar noch leicht gewachsen. Drei Viertel der deutschen Arzneimittel-Hersteller rechnen auch für 2010 mit stabilen oder steigenden Umsätzen. Wie der künftige Bayer-Chef Dekkers die Entwicklung einschätzt und ob er künftig noch auf Chemie setzt, dürfte allerdings erst im Herbst 2010 offenbar werden – dann muss er erstmals die Bayer-Quartalszahlen präsentieren.

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