Branchenausblick 2010: Gesundheitsbranche: Kassen und Kliniken in Existenznot

Branchenausblick 2010: Gesundheitsbranche: Kassen und Kliniken in Existenznot

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4,5 Prozent mehr wird die Gesundheitsbranche umsetzen. Doch das Geschäft wird härter

von Anke Henrich

4,5 Prozent mehr wird die Gesundheitsbranche 2010 umsetzen. Doch das Geschäft wird härter. Zu Überkapazitäten und Überalterung kommen geringere Einnahmen durch die Wirtschaftskrise.

Ein Nischenspieler zeigt den etablierten Klinikketten, wie die Zukunft der Branche aussehen könnte. Die Schön-Kliniken aus Prien am Chiemsee mit deutschlandweit 530 Millionen Euro Umsatz, 4200 Mitarbeitern und 6200 Betten in 15 Kliniken haben sich auf Orthopädie, Neurologie und Psychosomatik spezialisiert. Jens Deerberg-Wittram, Arzt und Geschäftsführer, hält die Konzentration auf bestimmte medizinische Fachgebiete für alternativlos: „Mit einem medizinischen Bauchladen bekommen wir weder die besten Ärzte des Fachs, noch können wir die Qualitätsstandards erreichen, nach denen wir streben.“ Und vor allem laufen den Krankenhäusern ohne Spezialisierung die Kosten aus dem Ruder – was wegen der bestehenden Überkapazitäten im Klinikbereich schnell zur Existenzbedrohung werden kann.

Klingt wie oft gehört, bedeutet aber in den Schön-Kliniken tatsächlich rigorose Qualitätskontrolle an Hand von 750 Parametern, die mit der Universität Havard entwickelt wurden. In allen Abteilungen und auf Unternehmensebene gibt es ein internes Benchmarking zum Beispiel über Komplikationen. Sämtliche Daten sind für sämtliche Ärzte zugänglich und werden mit ähnlichen Registern in Skandinavien abgeglichen. „So finden wir immer wieder Verbesserungsmöglichkeiten. Zudem zieht dieses System gute Ärzte an, die sich bewusst diesem Vergleich stellen wollen“, sagt Deerberg-Wittram.

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Auf Strukturreformen im Gesundheitswesen einstellen

Was die Schön-Kliniken begonnen haben, steht den drei großen Spielern im Medizinbetrieb noch bevor: Krankenhäuser und Ärzte, Krankenversicherer und Anbieter von Medizintechnik müssen sich auf die seit Jahren verschleppten Strukturreformen im Gesundheitswesen einstellen und zusätzlich mit den Folgen der Finanzkrise fertig werden. Millionenschwere Investitionen etwa in Großgeräte werden herausgezögert. Christian Baas, Arzt und Partner der Unternehmensberatung Boston Consulting, sieht einschneidende Veränderungen auf die gesamte Branche zukommen: „Kliniken und niedergelassene Ärzte werden vernetzter arbeiten müssen, um bei niedrigeren Kosten gleich bleibende Qualität für die Versicherten bieten zu können.“ Lobbyarbeit allein dürfte wegen der Geldnot nicht mehr reichen.

Fast 200 Milliarden Euro werden die Kassen – 174 Milliarden die gesetzlichen (GKV), 22 Milliarden die privaten Krankenversicherungen (PKV) – im nächsten Jahr ins deutsche Gesundheitssystem pumpen. Knapp 20 Prozent davon fließen an niedergelassene Ärzte, 33 Prozent an die Krankenhäuser, 18 Prozent an die Pharmabranche. Die deutschen Anbieter für Medizintechnik erwarten 2010 fast 18 Milliarden Euro Umsatz, das sind trotz Finanzkrise und bereits hinausgezögerter Bestellungen zwei Prozent mehr als 2009.

Weit mehr als die vermuteten 30 der rund 180 GKVen werden Zusatzbeiträge von ihren Kunden einfordern. Selbst größere Anbieter dürften in den nächsten Jahren in Existenznot geraten, rigorose Kostensteuerung wird überlebensnotwendig. Dank der steigenden Lebenserwartung wird das trotzdem nicht reichen. „Private und gesetzliche Kassen werden auf Dauer zusammenwachsen, die deutsche, strikte Trennung wird keinen Bestand haben“, glaubt Berater Baas. Konzepte zur aktiven Kostensteuerung, beispielsweise über Hausarztmodelle oder Rabattverträge bei Medikamenten, werden immer wichtiger.

Auch den Klinik-Betreibern, unabhängig ob öffentlich oder privat, steht in den nächsten fünf Jahren eine Rosskur bevor. Weil viele trotz aller Bemühungen zu teuer pflegen und heilen, es zudem regional unterschiedlich immer noch Überkapazitäten gibt, werden die Übernahmen staatlicher Häuser durch private Klinikketten zunehmen – obwohl derzeit die Preise dafür steigen. Darüber hinaus wird es zu Schließungen und Zusammenschlüssen kommen von Hospitälern kommen. Die überlebenden Kliniken werden weiter ihre Kosten drosseln müssen.

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