Branchenausblick 2010: Im Handel wirkt die Krise als Brandbeschleuniger

Branchenausblick 2010: Im Handel wirkt die Krise als Brandbeschleuniger

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Mit dem Ende der Kurzarbeit in vielen Branchen steigt die Arbeitslosigkeit und die Verbraucher haben weniger Geld zur Verfügung

von Mario Brück und Henryk Hielscher

Der Preiskampf im Handel dürfte weitergehen. Ein weiteres Problem für die Unternehmen: Mit dem Ende der Kurzarbeit in vielen Branchen steigt die Arbeitslosigkeit und die Verbraucher haben weniger Geld zur Verfügung. Das vergangene Jahr endete mit einem deutlichen Minus.

So hatte sich Joël Saveuse, Chef der SB-Warenhauskette Real, seine Sanierungsmission nicht vorgestellt. Kaum strömen wieder mehr Kunden in die Märkte der Metro-Tochter, verhageln ihm die Discounter das Geschäft. Denn wann immer Aldi, Lidl oder Netto ihre Preise senken, ziehen alle anderen Händler nach – und der Gewinn schmilzt dahin.

Besserung ist nicht in Sicht: Experten wie Phillipp Prechtl und Christian Walgenbach von der Münchner Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner gehen davon aus, dass der Preiswettbewerb anhält. Zusammen mit einer tendenziell höheren Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren bedeutet das reichlich Ungemach für Deutschlands Einzelhändler – und für ihre Lieferanten.

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Die Krise, sagt Handelsexperte Prechtl, wirke „wie ein Brandbeschleuniger“. Jetzt würden die Schwächen einer Branche freigelegt, die seit Jahren Überkapazitäten aufgebaut hat. Denn obwohl Deutschland im europäischen Vergleich schon eine überdurchschnittlich hohe Verkaufsfläche je Einwohner aufzuweisen hat, kamen in den vergangenen Jahren ständig neue Läden dazu. Das rächt sich nun. Nach Quelle, Woolworth und Vitalia drohen weitere Pleiten und Unternehmensverkäufe, fürchtet Prechtl.

Auch für Real läuft die Frist ab

Auch für Real läuft die Frist ab. Schreibt das Unternehmen nicht bald ordentliche Gewinne, werde der Laden verkauft, heißt es bei der Konzernmutter Metro. Bleibt nur die Frage an wen. Denn die Kartellbehörden haben deutlich gemacht, dass sie weitere Zukäufe großer Ketten wie Edeka oder Rewe kaum tolerieren werden. Finanzinvestoren und ausländische Handelskonzerne dürften deshalb in den kommenden Jahren im deutschen Markt vermehrt als Investoren auftreten.

Für viele Lieferanten wäre das noch die beste Alternative. Denn der Komplettausfall einzelner Händler würde die Marktmacht der verbleibenden Handelskonzerne weiter stärken – und damit auch ihr Einschüchterungspotenzial. Schwer zu kämpfen haben die Hersteller schon jetzt: Viele Händler weiten ihr Eigenmarkenangebot derzeit massiv aus. Real-Chef Saveuse will den Umsatzanteil der margenstarken No-Names von derzeit 17 auf rund 25 Prozent im kommenden Jahr steigern.

Wenn die Händler immer mehr zu Herstellern werden, können aber auch die Hersteller versuchen, den klassischen Einzelhandel auszuschalten. Der i-phone-Hersteller Apple zeigt, wie gut das funktioniert. Und in Sachen E-Commerce und bei der Integration mehrerer Vertriebskanäle tut sich der Handel noch schwer. So hat es selbst MediaSaturn, Europas größter Elektronikhändler, bis heute nicht geschafft, einen passablen Online-Shop zu starten. „Deutschland hinkt hier noch hinterher“, sagt Experte Prechtl. Sollte sich daran nicht bald etwas ändern, werden immer mehr branchenfremde Anbieter den Markt entern.

Trend zu Eigenmarken

Einige Hersteller haben die Gefahren erkannt und reagieren auf die neue Hackordnung im Regal. So stellt etwa der Hannoveraner Kekshersteller Bahlsen seine Private-Label-Produktion völlig neu auf. Ab dem kommenden Jahr werden mit der Neugründung der Bisquiva GmbH in Schneverdingen in der Lüneburger Heide sämtliche Produktionsprozesse, Verwaltungs- und Entwicklungsstrukturen sowie Zukunftskonzepte des Handelsmarkengeschäftes von Bahlsen zentralisiert.

Der Trend zu Eigenmarken dürfte sich in den kommenden Jahren noch verstärken: Selbst Warengruppen wie Elektronikartikel oder Spielzeug sind betroffen, vielen Herstellern droht dann eine riskante Sandwichposition. Der knauserige Handel ist nur eine der Bedrohungen: Mittelfristig drücken auch steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie eine wachsende Konzentration auf den Beschaffungsmärkten die Hersteller-Rendite.

Hinzu kommen sich ständig wandelnde Verbrauchergewohnheiten. Beispiel Brauereien: Der von Überkapazitäten und hohem Preisdruck geprägte heimische Biermarkt dürfte in den nächsten Jahren enorme Umwälzungen erleben. Der Durst auf Pils, Kölsch oder Alt wird weiter sinken, der Pro-Kopf-Verbrauch bis 2015 Jahr für Jahr um ein bis zwei Liter zurückgehen und das Brauereisterben damit beschleunigen.

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