Branchenausblick 2010: Maschinenbauer rechnen mit starkem Umsatzeinbruch

Branchenausblick 2010: Maschinenbauer rechnen mit starkem Umsatzeinbruch

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Maschinenbau: Minus beim Umsatz erwarten die deutschen Maschinenbauer im kommenden Jahr

von Lothar Schnitzler

Die IG Metall befürchtet für das kommende Jahr den Abbau mehrerer hunderttausend Jobs in der Metall- und Elektroindustrie. Die Angst ist begründet. Denn die deutschen Maschinenbauer erwarten 2010 Umsatzeinbußen von 20 Prozent.

„Keine Prognose für das kommende Jahr“, sagt Jürg Oleas, Chef des Anlagenbauers GEA. In der aktuellen Krise sei eine seriöse Voraussage über den Geschäftsverlauf des Herstellers für Wärmepumpen, Lebensmittel- und Pharmatechnik nicht möglich. Dabei hatte der Schweizer Manager schon viel früher als andere den Ernst der Lage erkannt und radikale Maßnahmen ergriffen.

Schon Ende 2008, als viele seiner Branchenkollegen noch glaubten, ohne Rückschläge durch das laufende Kalenderjahr zu kommen, hatte Oleas mit dem Abbau von Arbeitsplätzen begonnen. Insgesamt sollen umgerechnet 2300 – Auslauf von Leiharbeit und Kurzarbeit eingerechnet – von ursprünglich 21 000 Arbeitsplätzen eingespart werden – weitere Maßnahmen vorbehalten.

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Gleichzeitig verminderte Oleas die Zahl der Geschäftseinheiten von 300 auf 150, statt neun Sparten gibt es jetzt noch fünf, dass soll ab 2012 jährlich 65 Millionen Euro einsparen. Im laufenden Jahr soll allein der Arbeitsplatzabbau trotz Abfindungen 40 Millionen Euro Millionen bringen, im kommenden Jahr sogar 164 Millionen. Die Entlastung ist dringend notwendig: In diesem Jahr ging der GEA-Umsatz um rund 15 Prozent zurück, die Aufträge fielen um 20 Prozent.

Im Vergleich zur Gesamtbranche geht es dem Bochumer Anlagenbauer noch gut. Rund 20 Prozent Umsatzrückgang erwartet Manfred Wittenstein, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), für seine Industrie in diesem Jahr. „Auch für 2010 ist eine echte Belebung nicht in Sicht“, sagt Wittgenstein, „wir sehen lediglich die Chance, das schwache Produktionsniveau von 2009 zu halten.“

Nach der Krise werden deutsche Maschinenbauer ihren Vorsprung vergrößern

Die Maschinenbauer leiden darunter, dass ihre Kunden in der Krise keine neuen Maschinen kaufen, sondern ihre bestehenden Anlagen einfach ein oder zwei Jahre länger laufen lassen. Besonders die Ausrüster der Investitionsgüterindustrie wie Werkzeugmaschinenbauer oder Hersteller von Robotern oder Automationstechnik leiden jetzt – nachdem sie zuvor fünf superfette Jahre hatten. Besonders düster sieht es bei den Druckmaschinen- und Werkzeugmaschinenbauern aus. Den Druckereien macht das Internet zu schaffen. Für sie geht nach der Krise die Krise weiter. Und die Werkzeugmaschinenhersteller leiden darunter, dass bei ihren Hauptkunden, den Automobilproduzenten, jedes fünfte Werk überflüssig ist.

Um diesen Extremzyklen zu entkommen, hat Oleas seit seinem Antritt 2004 bei GEA 20 Firmen aus den zyklischen Sparten Automotive, Großanlagen, Kesselbau oder Zinkverhüttung verkauft oder stillgelegt. Gleichzeitig kaufte er 30 Unternehmen – vornehmlich aus der Nahrungsmittel und Energietechnik. Diese verbrauchernahen Bereiche, so seine Überlegung, leiden in Krisen weniger stark. Hinzu kommt, dass in Ländern wie Brasilien, Indien oder China dank des wachsenden Massenwohlstands die Nachfrage nach Energie und industriell verarbeiteten Lebensmitteln langfristig und stabil steigt. Deshalb dürfte für Oleas’ GEA die Krise milder verlaufen.

Bei den Wettbewerbern in Japan oder Italien sieht es indes noch schlimmer aus. „Die Deutschen sind stark in die Krise hinein gegangen“, sagt Jäde, „mit ihren hohen Eigenkapitalquoten, starken Innovationen und dichten Vertriebsnetzen werden Deutschlands Maschinenbauer nach der Krise ihren Vorsprung eher vergrößern.“

Bis die Gesamtbranche in Umsatz und Ertrag wieder auf dem Niveau des Extra-Jahres 2008 angelangt ist, dürften mindestens fünf Jahre vergehen. Lutz Jäde, Restrukturierungsexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman, sieht die Lage der Branche noch skeptischer als der VDMA. „Die Umsätze der Branche werden auch noch im Jahr 2012 etwa 20 bis 30 Prozent unterhalb des Niveaus von 2008 liegen.“ Mit Kurzarbeit allein sei diese Langzeitkrise nicht zu bewältigen.

Bisher hat die nach Anzahl der Mitarbeiter wichtigste Branche in Deutschland alles getan, um Fachleute zu halten. Bis Ende September bauten die Maschinenbauer nur 21.000 der insgesamt 954 000 Jobs ab. Im kommenden Jahr dürften jedoch einige Maschinenbauer dem Beispiel von GEA-Chef Oleas folgen: Der VDMA geht davon aus, dass in der Branche bis zu 60.000 Jobs verloren gehen.

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