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Branchenausblick 2010: Medien wollen Konsumenten 2010 zur Kasse bitten

von Peter Steinkirchner

Bezahlinhalte sollen 2010 für Wachstum in der Medienbranche sorgen - doch bei den Konsumenten überwiegt die Skepsis. In diesem Jahr soll die Umsätze in der Medienbranche einer Studie zufolge um 0,6 Prozent zulegen.

Zeitungskiosk: Medien mit 0,6 Quelle: dpa/dpaweb
Zeitungskiosk: Medien mit 0,6 Prozent Wachstum beim Umsatz Quelle: dpa/dpaweb
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Es gibt Zeitungen, die schreiben in solchen Fällen Pressemitteilungen und stellen Nachrichten aus dem eigenen Verlag ins Intranet. Bei Axel Springer dagegen stehen Unternehmensneuigkeiten gern mal als Schlagzeilen auf Seite 1 von „Bild“ und „Welt“, den hauseigenen Mitteilungsblättern. Die Nachricht, die dort jüngst prominent platziert wurde, hat das Zeug, Mediengeschichte zu machen – wenn sie denn Erfolg hat: Springer-Chef Matthias Döpfner startet für „Bild“ und „Welt“ den ernsthaften Versuch, mit sogenannten Apps Geld zu verdienen.

Apps sind Applikationen, derzeit schwer angesagte Mini-Programme, die sich Besitzer von Apples Kult-Mobiltelefon iPhone gratis oder gegen Bezahlung aufs Gerät laden können, um von dort aus direkt auf bestimmte Internet-Seiten zu gelangen. „Wir haben die Verpflichtung auszuprobieren, ob die Nutzer zu zahlen bereit sind“, sagt Döpfner. Das Boulevardblatt „Bild“ ist seither auch Abo-Zeitung – „Bild“-Leser können sich ihre Zeitung bereits am Vorabend des Erscheinungstages aufs iPhone laden und zahlen dafür nach einer Einführungsphase 3,99 Euro im Monat. Springer will wissen, ob Bezahlinhalte im bislang strikt auf Gratis-Kultur eingestellten Netz Abnehmer finden – und ob Verlage hier neben der Werbung auch mit redaktionellen Angeboten Geld verdienen können.

Große Mehrheit will Web-Inhalte kostenlos

Noch überwiegt Skepsis. Lediglich neun Prozent der deutschen Internet-Surfer sind bereit, für Web-Inhalte zu bezahlen, ergab eine Studie von GfK und Rupert Murdochs „Wall Street Journal“. Die große Mehrheit will – wenig überraschend – Web-Inhalte weiter kostenlos. Medienexperten wie Frank Mackenroth vom Beratungsunternehmen PricewaterhoseCoopers sehen dennoch in Paid Content eines der Megathemen der Medienindustrie im kommenden Jahr: „Medienhäuser sind dringend darauf angewiesen, sich neue Erlösquellen zu erschließen, denn es wird noch Jahre dauern, ehe die Werbeeinnahmen wieder das Niveau erreichen, das sie vor der Wirtschafts- und Finanzkrise hatten.“

Die Krise hat die Medienbranche 2009 überproportional hart getroffen: Viele Unternehmen kürzten ihre Werbeausgaben. Erstmals seit Jahren sanken die Werbeeinahmen deutscher Medien unter die 20-Milliarden-Euro-Marke. Und das in einer Situation, in der wesentliche Teile des alten Geschäftsmodells durch das Internet beeinträchtigt wurden. Immer mehr traditionelle Nutzer traditioneller Bezahlmedien wandern ab ins kostenlose Internet. „Die Krise hat diesen Wandlungsprozess massiv beschleunigt “, sagt Mackenroth.

In einer ersten Phase reagierten viele Medienhäuser mit massiven Sparprogrammen – die Essener WAZ-Gruppe etwa strich Hunderte von Stellen. Im kommenden Jahr dürfte das nicht mehr reichen. Es gehe eher darum, die Kernkompetenzen der Medien zu erhalten und neue Erlösmodelle zu entwickeln, erwartet Mackenroth: „Medienunternehmen müssen sich darauf einstellen, viel mehr unterschiedliche Quellen anzuzapfen als früher.“ Dazu zählen Investitionen in benachbarte Geschäftsfelder wie bei RTL: Der Kölner Privatsender bietet längst mehrere Pay-TV-Kanäle an, die schwarze Zahlen schreiben.

Auch eine Investition in Nischenprodukte könnte eine wirkungsvolle Strategie sein, glaubt der Berater – er erwartet in den kommenden Jahren eine zunehmende Zweiteilung des Medienmarktes: Auf der einen Seite frei verfügbare Basisinformationen. Auf der anderen aufwändig recherchierte Hintergrundberichte und Kommentare, die dem Nutzer Orientierung verschafften – und für die er auch zu zahlen bereit sei.

Nicht nur bei Springer dreht sich die Stimmung weg von Untergangsszenarien hin zum Ärmel hochkrempeln: „Vor einem Jahr war Moll angesagt, jetzt besinnen sich viele auf ihre Kernkompetenzen und kommen raus aus der Starre“, sagt Mackenroth.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.05.2010, 23:14 UhrAnonymer Benutzer: Libero

    Genau so ist es "Medienvielfraß" ! Genauso habe ich es mit der MOPO auch gemacht & nichts fehlt mir. Die Medien schneiden sich in der irrigen Annahme, alle Jetzt-Leser sind auch bereit zu zahlen, ins eigene Fleisch. Sollen sie es ruhig probieren. Das Ergebnis wird niicht überraschen, aber die verlorenen Leser werden den Erpressungsversuch nicht vergessen. Mich freut es, wenn mir die gierigen Medienkonzerne die Abwahl abnehmen. So werde ich von dem vielen Medienmüll befreit, lese konzentriert das wirklich Wichtige und blende manche Nicht-information somit aus. Danke für den Zugewinn an Lebensqualität liebe Medienkonzerne !!!

  • 20.04.2010, 21:40 UhrAnonymer Benutzer: ELIASS

    Desto mehr kommerzielle Anbieter sich aus dem Netz zurück ziehen - wobei auch die Einführung von Kostenpflicht einem Rückzug gleichkommen würde, desto mehr Qualität wird sich breit machen. ich könnte auf 90% der kommerziellen Angebote verzichten. Wobei ich annehme, daß ich selbst von den verbleibenden 10 %, bis jetzt nur 0,01 % kennen gelernt habe, obwohl ich täglich im Netz unterwegs bin. Kommerzialisierung ist größten Teils informelle Umweltverschmutzung im Netz. Wenn überwiegend Non-Profit Organisationen und kreative idealisten den Content im internet gestalten, dann wird es zwar länger dauern, bis man die eine oder andere gute Sache hervorgebracht hat, aber es wird nicht mehr so schnell dreckig und zur Entmündigung, Ausplünderung und Ausforschung der Anwender kommen. Linux, Wikipedia, Opensource und vieles andere zeigen uns, was möglich wäre, wenn sich mit dem Netz nicht genügend Geld verdienen lassen würde. besser man zahlt eine informationsabgabe, eine pro Kopf Pauschale von allen bürgern ab 18 Jahre, die sowohl Fernsehen als auch internet einschließt. Die GEZ sollte man bei dieser Gelegenheit ersatzlos abschaffen.

  • 07.01.2010, 17:13 UhrAnonymer Benutzer: Medienvielfraß

    Werden die vielfach belanglosen inhalte der Online-Medien (inkl. der Tageszeitungen) nun nur noch gg. Gebühr verfügbar sein, wird sich sehr schnell herausstellen, wofür der Leser bereit ist zu zahlen. ich vermute, die Medienkonzerne werden sich noch schwer wundern, wenn sie davon ausgehen, daß alle, die heute kostenfrei inhalte im WWW konsumieren, bereit sind, dafür zu zahlen.

    bestes beispiel : Die berliner Morgenpost ! Von heute auf morgen auf online-bezahlabo umgestellt und schon aus meinem Lesezeichenverzeichnis entfernt ! Vermissen tu ich nichts, denn die derselben Meldungen gibt es zuhaus anderswo kostenfrei.
    Was komt : Vom Privatfernsehen HDTV gg. bezahlung. Gleiches Muster... und ich werde künftig immer weniger in Versuchung geführt, bei irgendwelchem Privatfernsehbullshit hängen zu bleiben.
    Schön, wenn mir die Wahl abgenommen wird !

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