Branchenausblick 2010: Umsatz der Fluglinien wächst 2010 trotz Tourismusflaute

Branchenausblick 2010: Umsatz der Fluglinien wächst 2010 trotz Tourismusflaute

von Christian Schlesiger und Rüdiger Kiani-Kreß

Die Lage in der Reisebranche bleibt angespannt. Controller drängen Geschäftsreisende in die Holzklasse und auf Billigflieger, Urlauber bleiben wegen Jobangst zu Hause. Der Umsatz der Reiseveranstalter bleibt gleich, bei den Fluglininen wächst der Umsatz leicht.

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Tourismus: Prognose für Reiseveranstalter 0 Prozent und Fluglinien 3 bis 4 Prozent

Norbert Fiebig, Touristik-Chef der Rewe Group, hat die Reisebranche aufgemischt. Während Veranstalter wie die TUI im zu Ende gehenden Jahr ihre Hotelkapazitäten kürzten, kaufte Rewe dazu. Wettbewerber reduzierten Flugkapazitäten, Rewe stockte auf. Die Konkurrenz konzentrierte sich auf Marge, Rewe auf Wachstum. Fiebigs Konzept ging auf: Der Rewe-Reise-Umsatz stieg um mehr als zwei Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, die Branche verlor fünf Prozent.

Die Leistung der Kölner beeindruckt. Rewe hat Thomas Cook von Platz zwei der Reiseveranstalter in Deutschland verdrängt. Und auch für 2010 bleiben die Kölner auf Angriffskurs: „Wir wollen weiter stärker wachsen als der Markt und dabei eine befriedigende Umsatzrendite erwirtschaften“, sagt Fiebig. Sein Ziel: Rewe soll der wichtigste Reiseveranstalter werden, die Einzelmarken wie Meiers Weltreisen, Tjaereborg oder ITS sollen eine Dachmarke bekommen, um im Internet mehr Vertriebsmacht zu erreichen.

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„Die Deutschen werden reiseerfahrener und anspruchsvoller“, sagt Ralf Baron, Partner bei der Beratung Arthur D. Little. Sie wollten sicher und verlässlich reisen, gleichzeitig aber Extras nach eigenen Wünschen hinzubuchen — oft von zu Hause aus. Genau das bietet die Rewe-Tochter Dertour an — und ist damit zum Marktführer im Bereich der sogenannten Bausteintouristik geworden. Der Reisende bucht etwa Flüge nach Las Vegas, ein Hotel mit Kasino, Eintrittskarten für eine Show und fährt anschließend mit einem Wohnmobil durch Arizona. Für das Jahr 2015 prognostizieren Experten, dass etwa jede dritte Reise so gebucht wird — doppelt so viel wie heute.

Geschäftsreisen: weniger und billiger

Keinen Einfluss erwarten die Experten dagegen durch die wachsenden Umweltauflagen, etwa die Mehrkosten durch den Emissionshandel, bei dem Fluglinien in der EU ab 2012 für ihren Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid zahlen müssen. „Das können die Airlines zum größten Teil durch Einsparungen beim Personal, Lieferanten oder an anderer Stelle wett machen“, sagen die Experten.

Anders als in Großbritannien mit nur zwei großen Veranstaltern – TUI und Thomas Cook – bleibt Deutschland ein stark fragmentierter Reisemarkt mit vielen mittelständischen Unternehmen wie FTI und Alltours: So lange das so bleibt, dürften Urlaubsreisen preiswert bleiben. Das kommt den Kunden entgegen, die einen immer stärkeren Trend zum hybriden Buchen zeigen: „Sie zeichnen sich durch geiziges und gleichzeitig verschwenderisches Kaufverhalten aus“, sagt Baron. Sie buchen Billigflüge und wohnen in Top-Hotels.

Bei Geschäftsreisen gibt es dagegen seit Beginn der Krise nur noch zwei Trends: weniger und billiger. Das setzt vor allem etablierte Fluggesellschaften wie Lufthansa unter Druck. Innerhalb Europas sind Business-Class-Flüge die Ausnahme, immer mehr Dienstreisende müssen auf Economy oder Billigflieger umsteigen. Gewinner dürften Fluggesellschaften wie Air Berlin sein: Sie bieten mehr Service als Ryanair und sind billiger als Lufthansa.

Langfristig wird der Flugverkehr dennoch wachsen — bis 2015 erwarten Experten ein jährliches Plus von vier Prozent. Für die Passagiere könnte die Zukunft mehr Nonstop-Flüge bringen: Mit neuen, sparsamen Flugzeugtypen wie Boeing 787 oder Airbus A350, die 2011 und 2013 die ersten Kunden befördern sollen, lohnt es sich, auch Großstädte abseits der heutigen Drehkreuze wie Frankfurt oder München anzufliegen. Neben den Fluglinien vom Golf wie Emirates, Etihad und Qatar werden auch Linien aus den USA und Ostasien in Deutschland vermehrt in der fliegerischen Provinz landen.

Doch die goldenen Zeiten sinkender Preise sind vermutlich bald vorbei: Steigende Treibstoffkosten und höhere Gebühren für Flughäfen und Flugsicherheit können die Fluglinien nur verkraften, wenn sie ihre Tarife erhöhen, Zuschläge erheben oder bisher gratis angebotene Leistungen kostenpflichtig machen – zum Beispiel für die Aufgabe des Gepäcks.

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