_

BrandIndex: Tankstellenketten: Sündenböcke mit gutem Image

von Boris Hedde

Eine starke Positionierung in der Tankstellenbranche ist keine leichte Aufgabe: Zu oft stehen die Mineralölkonzerne in der Kritik. Einigen Anbietern gelingt es dennoch erstaunlich gut, ein starkes Image aufzubauen, schreibt Boris Hedde von YouGovPsychonomics.

BrandIndex: Sündenböcke mit gutem Image
Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht

Neidisch schauten viele Deutsche in diesem Sommer nach Österreich: In unmittelbarer Nähe zu Discountern der Aldi-Tochter Hofer wurden besonders günstige Tankstellen eröffnet, die mit Benzinpreisen von zeitweise unter 60 Cent pro Liter für Aufsehen sorgten. Ohne Zweifel spielt der Kraftstoffpreis bei der Wahl der Tankstelle eine bedeutende Rolle, doch für die deutschen Autofahrer zählen ganz offensichtlich auch andere Kriterien. Anders wäre auch kaum zu erklären, wie alleine die beiden Premiumanbieter Aral und Shell einen Marktanteil von zusammen über 40 Prozent erreichen können.

Anzeige

In einer Imageanalyse auf Basis des Markenmonitors YouGov BrandIndex wurde nun die Stärke bekannter Tankstellenmarken genauer untersucht. Überraschendes Ergebnis: Trotz immer wieder aufkommender Kritik an den großen Mineralölkonzernen, sind insbesondere die Anbieter Jet und Aral bei den Verbrauchern sehr beliebt.

Jet ist beliebteste Tankstellenmarke der Deutschen

So erreichte Jet in den vergangenen drei Monaten durchschnittlich rund 42 BrandIndex-Punkte und war damit im Rahmen der Untersuchung die beliebteste Tankstellenmarke der Deutschen. Auf Platz zwei folgt im BrandIndex die seit einiger Zeit zum BP-Konzern gehörende Marke Aral mit 32 Punkten. Während die Autofahrer der Analyse zufolge Jet ein äußerst gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigen, kann sich Aral sehr effektiv als Qualitätsanbieter positionieren. Allerdings mit einer wichtigen Ausnahme: In der Gruppe der über-50-jährigen Befragten steht Aral in Sachen Qualitätswahrnehmung nicht mehr eindeutig an der Spitze. Gerade weil Aral im Vergleich zu Jet ungleich mehr in Werbung investiert, ist das Abschneiden hier eher enttäuschend.

Etwas abgeschlagen und mit lediglich 15 BrandIndex-Punkten nur zwei Punkte über dem Branchenschnitt landet die zweitgrößte deutsche Tankstellenkette Shell. Zum Teil aber wesentlich schwächer schneiden die anderen untersuchten Marken ab: Esso erreicht derzeit lediglich 2 BrandIndex-Punkte, die Marken Total, Agip, Avia und OMV bewegen sich sogar auf negativem Niveau. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass kleinere Ketten wie OMV schwerpunktmäßig in bestimmten Regionen vertreten sind und entsprechend regional wesentlich bessere Imagewerte erzielen. Mit einer sehr positiven Entwicklung macht derzeit die Marke Star auf sich aufmerksam: Sie erreicht in diesen Tagen ein Jahreshoch von 4 BrandIndex-Punkten und kann damit sogar Esso überholen.

Verbraucher bewerten Preis-Leistungsverhältnis positiv

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Imagewerte nahezu aller Tankstellenmarken massiv verbessert. Diese Entwicklung dürfte allerdings nicht vollständig auf die gesunkenen Kraftstoffpreise zurückzuführen sein. So wurden im August branchenweit durchschnittlich wesentlich bessere BrandIndex-Werte gemessen als im Dezember 2008, obwohl die Preise für Benzin und Diesel Ende vergangenen Jahres deutlich günstiger waren. Auch das von den befragten Verbrauchern bewertete Preis-Leistungs-Verhältnis war im August deutlich besser als im Dezember.

Wie der BrandIndex-Verlauf zeigt, reagieren die Deutschen dennoch sehr sensibel auf Preiserhöhungen. Dabei nehmen die Verbraucher den Tankstellenketten offenbar vor allem hohe Preise zu Beginn der Ferien übel: So sanken die Imagewerte einiger Anbieter vor und zu Beginn der diesjährigen Sommerferien deutlich.

Die Analyse basiert auf dem BrandIndex. Dieses Tool zur Markenführung ermöglicht auf der Grundlage einer täglichen Befragung von 1000 Personen eine tagesaktuelle Imageanalyse von über 500 Marken aus 20 Branchen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.07.2010, 10:57 UhrAnonymer Benutzer: roland_kronberg

    Letztendlich kommt der Saft für alle regional aus ca. 6 Raffinerien der Großen 3: bP, Shell und Total!

  • 16.09.2009, 15:53 UhrAnonymer Benutzer: khp

    Jet setzt erfolgreich auf den Robin-Hood-Effekt, und letztlich ist nur der Erfolg das was zählt.

    Daß hier ein Kriterium den Ausschlag gibt, welches lediglich etwa 1% des Warenwerts repräsentiert, zeigt wie emotional das Thema beim Kunden besetzt ist. Oder anders ausgedrückt: wie wenig rational.

    Denn im Gegensatz zu Robin Hood hat ein Ölkonzern wie Conoco genausowenig zu verschenken, wie seine Kollegen in blau, Gelb oder Rot. Zieht man Steuern und Abgaben vom Tankstellenpreis ab, bleibt als Warenwert nur etwa ein Viertel übrig. Der Cent hat für das Unternehmen also einen viermal höheren Wert als für den Verbraucher. Und wer annimmt, Conoco würde das aus Gewinnverzicht finanzieren, der ist mehr als naiv.

    Conoco stellt deutlich höhere Anforderungen an die Mindestrentabilität eines Standortes. Das fängt bei der Verkehrsfrequenz an, und hört bei der Pächterprovision auf.

    Kleinere Stationen an den Rändern von Wohngebieten oder in ländlichen Regionen findet man bei Conoco vergebens. Hier müssen Verbraucher erst ein vielfaches des gesparten Cents in Kraftstoffverbrauch investieren, um zu einer Jet Station gelangen zu können. Eine Zukunft, in der die übrigen Farben ihr Netz ebenso ausdünnen, sollte er sich nicht wünschen. Zmindest der nicht, der nicht auch zufällig einen Tankstelle in der Nachbarschaft hat.

    Das aktuelle brandindex Ergebnis zeigt also, wie groß der Nachholbedarf in der industrie ist hinsichtlich wirklich zielgerichteter, sprich verbraucherorientierter Markenkommunikation. Das beispiel ARAL macht das besonders deutlich. Der typische Tankkunde ist nicht der dauerlächelnde, gutverdienende Mittvierziger, für den man sich Richtung Qualität positioniert. Es sind ganz normale, durchschnitliche Verbraucher, die hier mit 60-70 Euro einen wirklich bedeutenden Anteil ihres wöchentlichen Haushaltsbudget an der Kasse abgeben. Und genau diesen Menschen muß man besser Rede und Antwort stehen können, warum sie das tun sollten.

  • 14.09.2009, 15:16 UhrAnonymer Benutzer: Alexander0815

    Das Ergebniss ist nicht wirklich überraschend. im Endeffekt zählt doch der Preis für das benzin und dann noch, dass die Marke keine "no-name"-Marke ist. Und da punktet JET ganz klar.

    Hier in FFM ist diese i.d.R. immer am günstigsten (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, aber dann liegt sie auch nicht darüber). bei Preissenkungen der Spitzenreiter, bei Erhöhungen der letzte der nachzieht. Da braucht man dann keine große Werbung.

    Der Gegensatz dazu ist ARAL. Die ersten welche die Preise erhöhen und die letzten, die sie senken.

    Shell ist nur deshalb interessanter, da man dort durch die ADAC-Kooperation noch 1Cent pro Liter nachgelassen bekommt. Und damit sind die Shell-Stationen auch wieder halbwegs preiswerter.

    Esso z.b. hat es ja auch nicht mehr nötig seine Preise im internet abfragen zu lassen. Von daher fällt diese Marke schon aus Prinzip raus. Da ich meine Routen halbwegs planen kann und mehrere Möglichkeiten habe - ohne Umweg - nach Hause zu kommen, ist diese Preisinformation im Zweifelsfall das ausschlaggebende Argument.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.