Brauereistreik: In der Brauer-Nation Belgien wird das Bier knapp

Brauereistreik: In der Brauer-Nation Belgien wird das Bier knapp

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Eine Kiste Bier der Inbev-Marke Stella Artois

von Silke Wettach

Ausgerechnet in Belgien mit seiner siebenhundertjährigen Brauereitradition droht in diesen Tagen das Bier auszugehen. Seit Anfang Januar bestreiken wütende Mitarbeiter die Brauereien des Biermultis Inbev. In den Supermärkten wird der Nachschub knapp.

Nichts geht mehr. Seit zwölf Tagen blockieren in den Werken Löwen, Jupille und Hoegarden aufgebrachte Streikposten die Zufahrt. Kein Tropfen Bier verlässt mehr die Brauereien. Im Handel gehen die Inbev-Marken Jupiler und Stella Artois zur Neige. Ab morgen Mittwoch, so die Schätzung der großen Supermarktketten im Lande, dürften überall die Regale leer gefegt sein.

Grund für den Streik war die Ankündigung des Inbev-Managements, in Belgien 263 Jobs zu streichen. Der belgisch-brasilianische Konzern will in ganz Westeuropa den Personalstand um zehn Prozent schrumpfen und reagiert damit nach eigenen Aussagen auf die rückläufige Nachfrage.

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Streikende mit Rückhalt aus Bevölkerung und Politik

In anderen Ländern setzt Inbev den Rotstift sogar noch stärker an als in Belgien. In Deutschland sollen 386 Arbeitsplätze entfallen, was 30 Prozent der Gesamtbeschäftigten entspricht. Auch für Frankreich, die Niederlande, Luxemburg und Großbritannien, hat Inbev Restrukturierungsmaßnahmen angekündigt. Doch dort bleibt es bisher ruhig.

Gestreikt wird nur in Belgien, wo die  Inbev-Mitarbeiter allerdings die einhellige Unterstützung von Bevölkerung und Politik genießen. Die belgische Arbeitsministerin Joëlle Milquet, bekannt für ihre populistischen Töne, stellt sich hinter die Streikenden: „Es ist unverantwortlich, einfach so viele Arbeitnehmer zu entlassen, während das Unternehmen Gewinn macht“,  sagte die Christdemokratin. Jean-Claude Marcourt, der Wirtschaftsminister des südlichen Landesteils Wallonie, spricht von einem Skandal, denn Inbev profitiere in Belgien von umfassenden Steuervorteilen. „Die Steuervorteile aus der Zinsabschreibung überschreiten die Kosten der wegfallenden Arbeitsplätze womöglich um ein Mehrfaches“, betont der Sozialist.

Besonders empört die Politik, dass der Konzern in den vergangenen Jahren gute Geschäfte gemacht hat. In den ersten neuen Monaten 2009 verzeichnete Inbev einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 3,55 Milliarden Dollar. „Die Milliardengewinne von 2008 und 2009 sowie die üppigen Dividenden, die in den vergangenen Jahren an die Aktionäre ausgezahlt wurden, machen die angekündigten Entlassungen noch unerträglicher“, kritisieren die frankophonen Sozialisten.

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