Bridgepoint-Deutschlandchef Uwe Kolb: "Niemand weiß, wie das ausgeht"

Bridgepoint-Deutschlandchef Uwe Kolb: "Niemand weiß, wie das ausgeht"

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Uwe Kolb,51, ist seit 2006 bei Bridgepoint verantwortlich für den deutschsprachigen Raum. Zuvor war der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer unter anderem Partner beim US-Investor Permira und Managing Partner bei der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC.

Uwe Kolb, Deutschlandchef des Finanzinvestors Bridgepoint, über uneinsichtige Unternehmensverkäufer, gierige Investmentbanken und die Probleme im eigenen Portfolio.

WirtschaftsWoche: Herr Kolb, Sie haben gerade einen neuen Fonds mit 4,8 Milliarden Euro geschlossen. Dabei ist die Zahl der Deals in der gesamten Branche stark zurückgegangen. Was machen Sie mit dem vielen Geld?

Uwe Kolb: Private Equity verfolgt ein langfristiges Geschäftsmodell. Ein solcher Fonds hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Unser Haus vertritt zudem die Philosophie, mittelständische Unternehmen bei der Internationalisierung zu unterstützen. Es wäre deshalb nicht schlimm, im gegenwärtigen Umfeld keinen Deal zu machen, das wäre allemal besser als einen schlechten zu machen. Im Gegenteil: Dass wir bei unseren Investoren trotz Finanzkrise so viel Geld einsammeln konnten, werte ich als Zeichen dafür, dass wir in der Vergangenheit einen guten Job gemacht haben.

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Da können Sie aber nicht den Brillenhersteller Rodenstock meinen, den Sie Anfang 2007 von Permira übernommen haben. Statt zu wachsen ist der Umsatz sogar geschrumpft.

Was die Geschäftsentwicklung bei Rodenstock anbelangt, so sind hier zwei Dinge zusammen gekommen: die Implementierung der Globalisierungsstrategie hat einfach länger gedauert als vorgesehen. Zudem reagieren die Kunden mit Kaufzurückhaltung auf die Finanzkrise. Insgesamt haben wir dadurch bei der Neupositionierung des Unternehmens sicherlich ein Jahr verloren. Trotzdem bin ich nach wie vor optimistisch für Rodenstock. Wir haben einen neuen, exzellenten Mann an der Spitze...

...den Ex-Daimler-Manager Olaf Göttgens...

...und ich bin überzeugt, dass der demografische Wandel und der Trend zu Lifestyle-Brillen dem Unternehmen mit seiner starken Marke zuspielen werden. Die Gesellschaft wird immer älter, viele von uns verbringen etliche Jahre ihres Berufslebens vor Computerbildschirmen und immer mehr von uns brauchen früher oder später eine Brille. Hinzu kommt eine zunehmende Nachfrage nach Sonnen- und Sportbrillen in der eigenen Stärke. Davon wird Rodenstock profitieren, da bin ich mir sicher.

"Einige Wettbewerber stehen mit dem Rücken zur Wand"

Ihr Unternehmen soll angeblich vor kurzem Verkaufsgespräche mit der Deutsche Bahn über Ihr Beteiligungsunternehmen, die polnische Güterbahn, geführt haben. Was machen Sie jetzt mit dem Unternehmen?

Die Medien haben das so ohne unser Wissen berichtet. Wir haben bereits alle derartigen Gerüchte von uns gewiesen. Das Unternehmen stand nicht zum Verkauf. Wir können uns vorstellen, dass die Deutsche Bahn gerne bei der Erst-Veräußerung zum Zug gekommen wäre. Aber das Unternehmen steht derzeit nicht zum Verkauf, weil wir es weiter entwickeln wollen. Uns ist aber auch klar, dass das Unternehmen unter anderem auch für die Deutsche Bahn einen strategischen Wert hat.

Gibt es sonst noch Baustellen in Ihrem Portfolio?

Unsere Strategie, ein weniger zyklisches Portfolio aufzubauen, zahlt sich jetzt aus – auch wenn die Portfolio-Unternehmen in einem deutlich schwierigeren Umfeld agieren müssen. Insgesamt möchte ich behaupten, dass unsere Fonds auch jetzt in Krisenzeiten vergleichsweise gut dastehen.

Das lässt sich über Private Equity insgesamt derzeit nicht sagen. Einige Wettbewerber stehen mit dem Rücken zur Wand und werden die Krise möglicherweise nicht überstehen.

Sehen Sie Parallelen zu früheren Krisen?

Nein, diese Krise ist definitiv nicht mit früheren vergleichbar. Niemand weiß, wie das ausgeht.

Wie finden Sie dann den richtigen Zeitpunkt, um zu investieren?

Es gibt auch heute noch viele interessante Unternehmen. Aber die Preiserwartungen der Verkäufer waren selbst im zweiten Halbjahr immer noch sehr hoch.

Ist das nicht normal, dass der potenzielle Käufer stets anderer Meinung ist als der Verkäufer?

Natürlich, aber im Augenblick liegen die Vorstellungen zum Teil zu weit auseinander. Die Leute sitzen vor Ihnen mit ihren Auftragsbüchern – und die sind immer noch gut gefüllt. Und dann verweisen sie gern auch noch darauf, dass die Arbeitslosenzahlen per September 2008 gesunken sind. So laufen die Gespräche manchmal nach dem Motto: 'Ich weiß gar nicht, was Sie wollen. Es ist doch alles gut!' Aber langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Kunden Aufträge auch stornieren können. Die Planungen der meisten Unternehmen für 2009 berücksichtigen das faktisch rezessive Umfeld noch nicht ausreichend. 2009 wird konjunkturell ein ganz schweres Jahr, da sind wir uns sicher. Das hat natürlich einen Einfluss auf die Kaufpreise.

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