Brillenhersteller Rodenstock: "Extrem hohe Kundenloyalität"

Brillenhersteller Rodenstock: "Extrem hohe Kundenloyalität"

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Olaf Göttgens, seit 100 Tagen Geschäftsführer beim Brillenhersteller Rodenstock.

Olaf Göttgens, Chef des Münchner Brillenherstellers Rodenstock, über seine Strategie, das Geschäft in der Krise und das Verhältnis zum Haupteigentümer, dem Private Equity-Unternehmen Bridgepoint.

WirtschaftsWoche: Herr Göttgens, Sie stehen seit knapp 100 Tagen an der Spitze von Rodenstock und sollen die Marke jünger, weniger technisch und männlich machen. Sind Sie, der von Mercedes kommt, einer technikbetonten, konservativen und maskulinen Marke, überhaupt der richtige Mann?

Göttgens: Natürlich, sonst hätte ich die Aufgabe nicht angenommen. Die beiden Marken haben viel gemeinsam. Beide sind auf ihrem Gebiet Marktführer, beide sind Premiummarken, und beide haben eine extrem hohe Loyalität bei ihren Kunden und Mitarbeitern. Und beide Unternehmen gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert.

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Aber zwischen Rodenstock und Mercedes liegen doch Welten. Rodenstock war noch bis vor Kurzem eine Familienfirma, Mercedes gehört zu Daimler, einem Weltkonzern.

Sie übersehen die Gemeinsamkeiten. Aber abgesehen davon: Ich bin flexibel. Ich habe in meiner beruflichen Vergangenheit mit BBDO die größte Werbeagentur Deutschlands geleitet, war auch selbstständiger Unternehmer und habe einige Jahre bei einer großen Unternehmensberatung gearbeitet. Hier bei Rodenstock reizt mich die unternehmerische Aufgabe.

Seit 2003 hatte Rodenstock drei verschiedene Eigentümer, vier Chefs und eine unklare Strategie. Von den Ankündigungen, eine zweite Brillenmarke aufzulegen, an die Börse zu gehen oder den Umsatz zu verdoppeln, ist nicht viel übrig geblieben.

Zu den Plänen meiner Vorgänger kann ich nichts sagen. Wir haben heute eine klare Strategie mit vier Stoßrichtungen. Wir wollen das internationale Geschäft ausbauen, unsere Produktpalette und das Design optimieren, den Service für die Optiker verbessern und den Vertrieb ausbauen.

Das klingt, mit Verlaub, wie Sprüche von Unternehmensberatern. Was erwartet uns konkret?

Nehmen Sie das Produktportfolio. Wir wollen für mehr Lizenzgeber produzieren. Wir arbeiten seit fünf Jahren mit Porsche Design zusammen, und dieses Geschäft wächst jährlich zweistellig. Soeben haben wir den Vertrag verlängert. Künftig werden wir mit Rock Star Baby, dem sehr erfolgreichen Label für Kinderkleidung des Bon-Jovi-Schlagzeugers Tico Torres, Brillen für moderne Mütter, Väter und Kinder herausbringen. Die Branche hat bislang Kinderbrillen vernachlässigt. Es gibt kaum ansprechende Modelle für Kinder, viele leiden darunter. Wir werden das ändern. Oder nehmen Sie unsere Kooperation mit der Modemarke Baldessarini. Darüber hinaus wollen wir uns bei der Kundenorientierung noch deutlich verbessern. Wenn die Optiker gute Geschäfte machen, geht es Rodenstock auch gut.

Warum ist Rodenstock im internationalen Vergleich geradezu winzig und setzt nur einen Bruchteil großer Marken wie Essilor und Safilo aus Frankreich oder Luxottica aus Italien um?

Wir sind weltweit immerhin die Nummer vier. Außerdem haben die Wettbewerber ein anderes Geschäftsmodell. Einige wachsen sehr stark über Modemarken und Akquisitionen und führen bis zu 60 und mehr Marken. Andere haben Brillenhersteller aufgekauft und sind gleichzeitig ins Einzelhandelsgeschäft oder den Spezialmaschinenbau für optische Technik eingestiegen. Das wollen wir nicht machen. Wir glauben, dass die Marke Rodenstock genügend Potenzial hat, um das Geschäft organisch voranzubringen.

Bis jetzt war das Geschäft ja eher flau.

Wir wachsen wie der Markt. Die genauen Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor, aber der Umsatz...

...der im Jahr 2007 rund 396 Millionen Euro betrug...

...hat sich unseren Erwartungen entsprechend entwickelt. Ich bin überzeugt davon, dass wir schon mittelfristig deutlich stärker wachsen können als der Markt.

Auch in der Krise?

Keiner weiß, was uns in den kommenden Monaten erwartet. Da wage ich keine Voraussagen. Aber im Dezember war das Geschäft für uns überraschend gut. Insgesamt ist die Branche weniger krisenanfällig als beispielsweise die Chemie- oder die Automobilindustrie. Unser Geschäft wird ja vielfach von Anlässen angestoßen. Wer eine Brille braucht, kann die Anschaffung zwar ein bisschen hinauszögern, aber nicht beliebig lange verschieben.

Aber vollständig abgekoppelt vom Konjunkturverlauf ist das Geschäft mit Brillen nicht.

Nein, wenn der Konsum um 20 Prozent einbrechen sollte, merken wir das auch. Aber bis jetzt ist ein dramatischer Einbruch für die Brillenhersteller ausgeblieben.

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