Buchhandel: Weltbild-Verlagschef erwartet Sterben von Buchläden

Buchhandel: Weltbild-Verlagschef erwartet Sterben von Buchläden

von Peter Steinkirchner

In den kommenden fünf Jahren werden bis zu 40 Prozent der Buchverkaufsflächen in Deutschland verschwinden, sagte Carel Halff, Chef der Verlagsgruppe Weltbild.

Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse, die am Mittwoch eröffnet wird, sagte Halff, die eine Hälfte gehe durch die "Umwidmung der vorhandenen Flächen auf andere Sortimentsgruppen“ wie etwa Spielwaren, Geschenkartikel, CDs, DVDs und Gesellschaftsspiele verloren. "Zusätzlich werden weitere 20 Prozent der heutigen Verkaufsflächen ersatzlos verschwinden, weil wir an vielen Orten bereits einen Überbestand haben.“

Zur Weltbild-Verlagsgruppe gehören neben den Weltbild- und Jokers-Buchläden ein Internet-Portal sowie zusammen mit dem Münchner Traditionsunternehmen Hugendubel die Buchhandelsholding DBH. Halff räumte ein, dass der Rückgang bei den Buchverkaufsflächen auch dem raschen Wachstum der Buch-Ketten geschuldet ist: „Einzelne Marktteilnehmer haben über die Möglichkeiten des Marktes hinaus investiert. Fakt ist aber, dass das Buch wie jedes andere Produkt an 1a-Standorten bestimmte Quadratmeterumsätze braucht. Die sind aber an vielen Standorten nicht erzielbar. Allein die Laufzeit vieler Mietverträge verhindert derzeit ein Einklappen dieser Läden, das wird aber mittelfristig kommen.“

Anzeige

Die Verlagsgruppe Weltbild selbst, die im Juli für das im Sommer beendete Geschäftsjahr einen Umsatz von 1,65  Milliarden Euro gemeldet hatte, sei dagegen sehr gut ins neue Geschäftsjahr gestartet. „Aktuell liegen wir über unseren Erwartungen – vor einigen Monaten habe ich ein „kleines Wachstum“ prognostiziert, im Moment würde ich das „klein“ weglassen“, sagte Halff.

Wachstum in den Karstadt-Filialen

Positiv entwickelten sich offenbar auch die 25 Buchshops, die Weltbild und Hugendubel in Karstadt-Filialen betreiben. Halff sagte, die Shops hätten bereits vor dem Einstieg des Investors Nicolas Berggruen ein „spürbares flächenbereinigtes Wachstum“ verzeichnet, „seither haben wir sogar Zuwachsraten zwischen 10 und 25 Prozent. Viele Kunden waren wohl durch die Insolvenz verunsichert – nun erleben wir einen positiven „Berggruen-Effekt“, sagte Halff.

Über das elektronische Buch, das E-Book, das wie in den vergangenen Jahren wieder im Mittelpunkt der Frankfurter Bücherschau steht, sagte Halff: „E-Books sind in Deutschland in Wahrheit ein bislang nicht existenter Markt. Die Gesamtumsätze – Geräte und Inhalte – liegen bei weit weniger als einem Prozent jener fast zehn Milliarden Euro, die der Buchhandel im Jahr umsetzt.“ Weltbild hatte zur Buchmesse den Verkaufsstart eines neuen Lesegerätes angekündigt, das unter 100 Euro kosten wird.

Halff kritisierte in diesem Zusammenhang die Verlage scharf: Deren  Angebot an E-Büchern sei „viel zu dünn“: Aktuell seien erst 40.000 Titel verfügbar, für den normalen Nutzer aber würden die E-Reader erst „ab 300.000 bis 400.000 Titeln interessant“.  „Dabei müsste inzwischen auch dem Letzten klargeworden sein, dass da ein Markt entsteht mit einer nennenswerten und rentablen Größe.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%