Buchtipps: Konjunktur der Krisenbücher

Buchtipps: Konjunktur der Krisenbücher

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Der Wirtschaftsexperte Ulrich Schäfer mit seinem Buch "Der Crash des Kapitalismus"

Bücher zur Finanzkrise verkaufen sich bestens. Aber die Autoren verfolgen ganz unterschiedliche Ansätze, wie die Ersparnisse ihrer Leser zu schützen sind. Die WirtschaftsWoche präsentiert eine Auswahl.

Bücher zur Finanzkrise – das wirkt wie ein Widerspruch in sich: Während die Schreckensmeldungen aus der Wirtschaftswelt nahezu täglich alle Pläne zunichte machen, lassen sich Bücher nicht mehr ändern, sobald sie die Druckerei verlassen haben. Doch trotz ihrer kurzen Halbwertzeit haben Krisenbücher Konjunktur.

„Die Menschen wollen wissen, was die Zukunft bereithält“, schreibt der Investmentbanker George Soros in seinem aktuellen, eher finanz-philosophischen und dennoch spannenden Buch zur Krise:  „Das Ende der Finanzmärkte – und deren Zukunft“ . Trotz seiner exzellenten Prognose-Fähigkeiten räumt er allerdings ein:„Ich kann es Ihnen nicht sagen, weil ich es nicht weiß.“

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Für alle, die (noch) Geld haben, ist dafür eine andere Frage umso wichtiger: Wie bringt man seine Ersparnisse sicher durch den Crash? Die Antworten darauf könnten unterschiedlicher nicht sein. Ein besonders pessimistischer und Verschwörungstheorien nicht abgeneigter Autor etwa rät schon mal dazu, einen Teil des Geldes in einen Vorrat Tauschmittel umzuwandeln: Salz, Zucker, Kaffee, Zigaretten und Schnaps.

Verglichen damit erscheint die Krise bei der Lektüre des Buches „Achtung: Geld in Gefahr!“ der Autoren Martin Hüfner und Heiner Sieger eher harmlos. Im Gefahren-Ranking der Autoren bekommt die Finanzkrise nur vier Pulverfässchen, ebenso wie der demografische Wandel, während die Inflationsgefahr mit fünf Pulverfässchen als gefährlichste aller Gefahren eingestuft wird. Das ist überraschend in Zeiten einer drohenden Deflation, in der die Regierungen gigantische, schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme auflegen.

Literaturtipps: Harmlos bis hilfreich

Am ehesten lohnt sich noch das Buch des Börsianers Dirk Müller –  allein schon, weil er klarmacht, wie unklar alles ist: „Glauben Sie niemandem außer sich selbst“, schreibt der Autor, „auch mir nicht!“ Der Parketthändler, den die WirtschaftsWoche einst „Mister Dax“ taufte, hat seinem Buch den Titel „Crashkurs“ gegeben. Darin beschreibt er mit beißender Ironie, was alles falsch gelaufen ist, wobei ihm auch schon mal die „Galle hochkommt“ oder der „Kiefer aufklappt“.

Das ist unterhaltsam und von gelegentlichen Ausreißern abgesehen („Breiten Sie die Flügel aus und nutzen Sie die steife Brise, die gerade durch unser Finanzzeitalter weht und machen Sie Ihr finanzielles Glück“) sind Müllers Anlagetipps für verschiedene Szenarien von der nötigen Vorsicht geprägt – etwa der Rat, sein Geld auf sicheren Tagesgeldkonten oder bei der Finanzagentur des Bundes anzulegen und um riskante Fonds einen Bogen zu machen. Dafür mag man darüber hinwegsehen, dass auch Mister Dax gelegentlich ins Verschwörerische abgleitet. So vermutet er, dass die „Finanz- und Machthydra“ seit Langem einen „kontrollierten Reset des Systems“ plane. Immerhin: Zum Salz- und Schnapskaufen rät er nicht.

Ratgeber:

George Soros: „Das Ende der Finanzmärkte – und deren Zukunft“, Finanzbuch Verlag, 174 Seiten, 24,90 Euro

Martin Hüfner, Heiner Sieger: „Achtung: Geld in Gefahr!“ , Murmann Verlag, 262 Seiten, 16,90 Euro

Dirk Müller: „Crashkurs – Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance? Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen“ Droemer Knaur, 256 Seiten, 18 Euro

Krisenkrimi

Tsunami, Flächenbrand, Epidemie: Für die immer weiter um sich greifende Krise bemühen die Buchautoren viele Bilder. Am anschaulichsten beschreibt der Journalist Ulrich Schäfer, mit welchen Vorbeben alles begonnen und wie das Angstvirus dann nach und nach die Welt erfasst hat – und wie die Regierungen frühe Warnsignale ignoriert haben.

Mit seinem Buch „Der Crash des Kapitalismus“ bietet Schäfer aber nicht nur eine spannende Chronologie der Ereignisse, die dem Leser das Gefühl gibt, in den Chefetagen der Banken und bei den Krisentreffen der Politiker hautnah dabei zu sein. Es gelingt ihm, die überaus komplexen Zusammenhänge sichtbar zu machen und zu erklären, welchen Wirtschaftstheorien die Regierungen gefolgt sind. Und wie ein aufgeblähtes Schattenbanksystem entstehen konnte, in dem „junge Trader Kredit- derivate mit Lichtgeschwindigkeit handeln“ und Ramschkredite plötzlich wertvoll werden ließen. „Zur Marktwirtschaft gibt es keine Alternative“, resümiert Schäfer, „aber sie braucht andere Regeln.“ Während die Politiker noch grübeln, wie die aussehen könnten, liefert Schäfer 22 überwiegend sinnvolle Vorschläge gleich mit.

Ulrich Schäfer: „Der Crash des Kapitalismus“, Campus, 320 Seiten, 19,90 Euro

Krise zum Hören

Als andere Ökonomen noch in Hochstimmung waren, hat Max Otte die Katastrophe schon kommen sehen. Der Wirtschaftsprofessor hat 2006 ein Buch veröffentlicht, in dem er vor dem heraufziehenden Crash gewarnt hat. Zunächst wurde seine Anklageschrift mit dem Titel „Der Crash kommt“ wenig beachtet – heute ist sie ein Bestseller, weil Otte darin als einer der Ersten vor dem Platzen der großen Blase gewarnt hat.

Im Paket mit dem aktuellen Buch „Wall Street Panik“ des Wirtschaftsjournalisten Wolfgang Köhler gibt es Ottes Standardwerk zur Krise jetzt als Hörbuch. Titel: „Sicher durch den Crash“. Über fünf Stunden lang bieten die Autoren eine gute Mischung aus Hintergrundinformationen gepaart mit konkreten Tipps und Regeln zur Geldanlage. Die richtige Dosis für alle, die sich nicht durch mehrere Bücher quälen wollen, sondern sich die Krise lieber von angenehmen Sprecherstimmen erzählen lassen möchten.

Wolfgang Köhler/ Max Otte: „Sicher durch den Crash“, Mankau Verlag 4 CDs, 307 Minuten, 20 Euro

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