Business Class: Rückkehr der Chaiselongue

Business Class: Rückkehr der Chaiselongue

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Business Class der British Airways: Sichtschutz für mehr Privatsphäre

Mehr Privatsphäre an Bord ist das Ziel vieler Fluglinien. Ein Flug in der neuen Business Class der British Airways lehrt: Ruhe ist vor allem auf dem Fensterplatz.

Vorhang auf. Beim Flug BA 175 von London Heathrow nach New York JFK lässt mein Gegenüber schon kurz nach dem Einsteigen keinen Zweifel an seinen Wünschen für den Flug: kein Gespräch, bitte. Noch während die Passagiere in der Boeing 747 die Taschen verstauen, hat sich der Mann die Kopfhörer aufgesetzt, eine Zeitung aufgeschlagen und liest. Dabei kann ich den Kopf kaum nach rechts bewegen, ohne direkt in seine Augen zu sehen. Eigentlich eine ideale Position, für Paare, die sich was zu erzählen habe. Mein Nachbar kommt jedoch, kurz nachdem die Maschine die Reiseflughöhe erreicht hat, vollends zu seiner Ruhe: Die Stewardess drückt auf der Oberkante meines Sitzes auf einen Knopf und zwischen den Schalen fährt eine milchig-transparente Abtrennung hoch. Von kurzen Unterbrechungen beim Servieren abgesehen, sehe ich mein Gegenüber erst kurz vor der Landung wieder.

Ein Paravent für die Gäste ist das Ziel vieler Fluglinien, die dieser Tage neue Sitze in First-, Business- und sogar Economy-Klasse vorstellen. Privatsphäre ist das Schlüsselwort aller Sitzkonzepte in der Flugzeugindustrie. „Bei neuen Sitzen zählen intelligente Lösungen“, sagt Eckhard Behnert vom Hersteller Recaro Aircraft Seating. „Die Innenausstattung der Flugzeug-Kabine ist der Teil, mit dem man sich als Fluglinie abheben und differenzieren will von den Wettbewerbern.“ Den Vorhang gelüftet hatte zuletzt im Januar die Fluglinie Swiss mit ihrer Auffassung von eleganter Einsamkeit in der First Class. Der Sitz ist, wenn er Ende des Jahres in die ersten Maschinen montiert wird, der fortschrittlichste aller europäischen Fluglinien.

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Es ist eine milde Form der Abschottung, die Fluglinien wie Singapore Airlines durch ihre Suiten mit verschließbaren Türen im A380 auf die Spitze treiben. Designer Marc Newson entwickelte für die Airbus A380 der australischen Fluglinie Qantas Business-Class-Sitze mit Halbschalen, in denen zumindest der Kopf fast vollständig umgeben ist, sobald der Passagier liegt. Aber auch die Passagiere der Economy sollen bei Delta Air Lines von 2010 an ihrem Nachbarn nicht unbedingt aufs Tablett schielen müssen. Der Sitzekonstrukteur Thompson plant eine versetzte Anordnung. Die neueste Business Class Europas der British Airways will mehr Privatsphäre, Platz und Komfort bieten. Bis Ende des Jahres soll sie in allen Maschinen des Typs 747 und 777 eingebaut sein. Nur rund 2200 Euro kostet dank des niedrigen Wechselkurses ein Ticket von Düsseldorf über Heathrow nach New York und zurück, die Lufthansa berechnet für die gleiche Strecke zum selben Datum derzeit gut 3500 Euro.

Vorhang zu auf Reiseflughöhe im Flug BA 175. Der Sitz 63 K am Fenster mag für manche Menschen den großen Nachteil haben, dass er mit dem Rücken zur Flugrichtung aufgestellt ist. Yin und Yang nennt British Airways diese Anordnung ihrer BusinessClass-Sitze, die die Hälfte der bis zu 70 Business-Passagiere rückwärts sitzend befördert, um Platz zu sparen. In den ersten Momenten nach dem Abheben fühlt sich das seltsam an. Dafür genieße ich am Fenster auf Reiseflughöhe eine beeindruckende Abgeschiedenheit. Im Tageslicht des Hinflugs empfiehlt die laminierte Bedienungsanleitung die „Position Z“, die jene Haltung imitiert, die der menschliche Körper in der Schwerelosigkeit einnehmen würde und als besonders entspannend gilt. Zwei Meter und einen Zentimeter ist die Sitzfläche dann lang. Ich bevorzuge die Einstellung, die die Rückkehr der Chaiselongue bedeutet: Sanfte Neigung der Rückenlehne und waagerecht ausgestreckte Sitzfläche.

In dieser Position lassen sich die Cannellini-Bohnen kleckerfrei verzehren, Texte auf dem Laptop schreiben und ohne Verrenkung die Menüpunkte auf dem zehn Zoll großen Touchscreen drücken, mit denen ich das Kinoprogramm mit gut 100 Filmen steuere. In den Verbindungen, die ab Herbst zwischen dem Flughafen London City und New York pendeln, könnte ich gar telefonieren oder ins Internet gehen, denn British Airways führt auf dieser Verbindung Internet an Bord ein.

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