BVB-Chef Watzke: "Wir werden Spieler abgeben"

BVB-Chef Watzke: "Wir werden Spieler abgeben"

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Hams-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund

von Stefan Hajek und Peter Steinkirchner

Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund über den Börsenkurs des Bundesliga-Tabellenführers, den möglichen Meistertitel und steigende Ausgaben für seine Profi-Kicker.

Herr Watzke, Borussia Dortmund greift zum ersten Mal seit fast zehn Jahren wieder nach der Meisterschale, aber unten in Ihrem Fanshop gibt es kein einziges Spielertrikot zu kaufen – wie kann das sein?

Watzke: Bei unserem Ausrüster Kappa gab es im Dezember einen Lagerbrand, bei dem eine große Menge Trikots vernichtet wurden. Neue Ware kommt erst Ende dieses Monats. Die Trikots werden in China hergestellt, der Transport dauert bis zu acht Wochen. Und seit in China die Binnenkonjunktur brummt, ist es sehr schwer, dort noch freie Produktionskapazitäten zu bekommen.

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Sie machen also beim Trikotgeschäft weniger Umsatz als möglich?

Ja, das werden wir sicher spüren, aber wir können es nicht ändern. Zum Glück steuern wir aber auch ohne die verbrannten Trikots auf einen Rekord zu: Wir haben heute schon mit 130.000 Shirts so viele verkauft wie im bisherigen Top-Jahr 2009 und werden am Ende der Saison sicher bei mehr als 150.000 Trikots landen.

Vor fünf Jahren kämpfte der BVB nach horrenden Ausgaben für Stars und Stadionausbau ums Überleben; seither haben Sie mehr als 100 Millionen Euro Schulden abgebaut bei zuletzt 110 Millionen Euro Jahresumsatz. Wann ist der BVB schuldenfrei?

Wir könnten morgen schuldenfrei sein, wenn wir stille Reserven im Kader heben würden. Die liegen bei über 120 Millionen Euro. Das ist aber nicht unser Ziel, sondern der maximale sportliche Erfolg, ohne je wieder einen Euro neue Schulden zu machen. Ein Spieler wie Mario Götze, der aus unserer Jugend kommt, hat in unserer Bilanz einen Buchwert von einem Euro. Jetzt ist er Nationalspieler, sein Marktwert liegt weit über zehn Millionen. Aber Mario ist unverkäuflich. Wir planen langfristig mit diesem Kader. Nachdem der Schuldenabbau ein brutaler Kraftakt war, sind wir auf einem guten Weg.

Haben Sie den Abstieg riskiert, als Sie Leistungsträger verkaufen mussten? 

Ja, das war eine Gratwanderung. Allein 2005/06 haben wir den Gehaltsetat von 57 auf 25 Millionen Euro mehr als halbiert. Aber trotzdem standen wir nie schlechter als im Mittelfeld der Liga. Im Nachhinein war es eine große Leistung, 2007 nicht abzusteigen.

Die alten Sünden sorgen aber bis heute dafür, dass Sie für noch 72 Millionen Euro Konzern-Schulden jedes Jahr Millionen an Zinsen zahlen müssen. Schuldenfreie Vereine wie der HSV können höhere Gehälter bieten, sind attraktiver für Spieler.

Wir haben unsere Restschulden jetzt solide refinanziert mit einem gewichteten Durchschnittszins von 6,6 Prozent und werden sie in kleineren Schritten weiter tilgen. Operativ kosten uns die Schulden jetzt noch fünf Millionen Euro im Geschäftsjahr, das ist im Wesentlichen die Stadionfinanzierung. Und ob der HSV schuldenfrei ist, müssen Sie die Verantwortlichen dort selber fragen.

Sie haben keine Angst, dass Ihnen finanzkräftigere Vereine Ihre Talente abwerben?

Nein, nur der FC Bayern hat einen Vorsprung vor uns. Wir halten mit einem Paket aus Gehalt, leistungsabhängigen Prämien und sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten dagegen. Mit Erfolg: Talente wie Mats Hummels, um den die Bayern geworben haben, oder Mario Götze haben gerade bis 2014 verlängert. Außerdem: Wer zehn Jahre lang bei der Borussia spielt, hat danach auch ein ordentliches finanzielles Polster.

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