Celesio: Pikante Personalie bei Haniel

Celesio: Pikante Personalie bei Haniel

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Celesio-Chef Fritz Österle

Der Pharmagroßhändler Celesio ist neben dem Handelskonzern Metro das wichtigste Unternehmen der Ruhr-Dynastie Haniel. Doch für Celesio-Chef Fritz Oesterle wird es nun eng. Dessen Gegenspieler Stefan Meister verfügt über beste Kontakte zum Haniel-Clan.

Noch am vergangenen Mittwoch, bei der Verabschiedung Ralf Däinghaus, dem bisherigen Chef der Celesio-Tochter DocMorris, hat sich Stefan Meister nichts anmerken lassen.

Meister, Vorstandsmitglied bei Celesio und dort zuständig für das Apothekengeschäft von Europas größtem Pharmahändler, hielt die Laudatio auf Däinghaus, der in der vergangenen Woche seinen Abschied als Chef des Billig-Apothekers öffentlich kundgetan hatte.

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Seit 2007 gehört die Billig-Apotheke DocMorris zu Celesio. Und Däinghaus’ Vorgesetzter Meister geizte nicht mit Lob. Doch die etwa hundert Zuhörer waren noch auf etwas ganz anderes gespannt. Sie warteten auf ein Wort Meisters in eigener Sache.

Haniel droht ein Führungsvakuum

Denn Meister hatte sich bereits vor Wochen mit Celesio-Vorstandschef Fritz Oesterle überworfen.

Er soll eigenmächtig Kontakt zum Großaktionär, der Haniel-Familie, aufgenommen haben und dort den Zukauf des brasilianischen Unternehmens Panpharma madig gemacht haben. Seither gab es Gerüchte, dass Meister, das Unternehmen verlassen wird. Schließlich soll ihn die Haniel-Aktion das Vertrauen Oesterles und wohl auch der übrigen Celesio-Vorstandskollegen gekostet haben.

Inzwischen ist klar: Meister geht. Oesterle scheint sich also durchgesetzt zu haben. Einerseits. Andererseits dürfte sich der Abgang als Pyrrhussieg erweisen.

Denn Oesterles Gegner Meister zieht es zum Celesio-Mutterkonzern Haniel, wo er fortan als Personalvorstand amtieren wird. Die Personalkonstellation ist pikant: Dem Haniel-Vorstand gehört neben Vorstandschef Eckhard Cordes ausgerechnet auch Oesterle an.

Das Familienoberhaupt Franz Markus Haniel soll persönlich dafür gesorgt haben, dass Meister in den Vorstand aufrückt, heißt es intern. Meister gilt dort mittelfristig sogar als Kandidat für höhere Aufgaben – dereinst könnte er als Celesio-Chef oder gar als Haniel-Boss wirken.

Für Fritz Oesterle kann es keine gute Entwicklung sein, wenn der Gegner von heute künftig gleichberechtigt im Vorstand sein Großaktionärs sitzt. Oesterle dürfte vom Verhalten seines einstigen Zöglings enttäuscht sein. Spannend wird, ob beide es schaffen, sich noch einmal miteinander zu arrangieren, oder ob Oesterle bei Celesio und Haniel hinschmeißt.   

Klar ist: Bei Haniel rumort es derzeit kräftig – dem Duisburger Traditionskonglomerat droht ein Führungsvakuum. Denn nicht nur der Verbleib von Oesterle ist unklar. Auch über den möglichen Abgang des Finanzchefs Klaus Trützschler wurde bereits spekuliert. Zwar hat Haniel dementiert, dass Trützschler sofort geht, doch 2010 läuft sein Vertrag aus.

Zudem wird noch immer nach einem Nachfolger für Eckhard Cordes gesucht. Der will sich aus der Haniel-Spitze zurückziehen, um sich fortan ganz auf seinen Hauptjob – den Chefposten bei der Metro zu konzentrieren. Nach der Vorlage der Metro-Quartalszahlen am kommenden Montag will Cordes aber ersteinmal in den Urlaub fahren. Und auch der umstrittene Vorstand Meister versucht es mit Entspannung: Heute Abend will er dem Vernehmen nach zu den Bregenzer Festspielen reisen. Auf der Seebühne wird Giuseppe Verdis monumentale Oper Aida gegeben – eine Parabel über Kriegslust und Feindeshass.

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