Chef-Wechsel: Evonik kehrt zum Tagesgeschäft zurück

Chef-Wechsel: Evonik kehrt zum Tagesgeschäft zurück

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Bei Evonik steht ein Führungswechsel an

Evonik-Chef Müller gibt auf. Zurück bleibt ein erleichtertes Management. Bald, so die Hoffnung, wird nicht mehr Politik gemacht, sondern Tagesgeschäft.

"Evonik ist politikfrei" – das war Mitte vergangener Woche nicht etwa der freudige Ausruf eines Managers im Essener Mischkonzern, als bekannt wurde, dass der oberste Konzernlenker und Evonik-Chef Werner Müller zum Ende des Jahres gehen wird. Nein, den Satz hatte Meister Müller selbst gesprochen, im Juni war das, als der Einstieg des britischen Finanzinvestors CVC bei der ehemaligen Ruhrkohle AG bekannt gegeben wurde. Damals noch als reines Lippenbekenntnis gewertet, könnte der Satz nun, da der Abgang des einstigen Bundeswirtschaftsministers von der Spitze des Energie- und Chemiekonzerns unter Dach und Fach ist, verspätet mit Leben gefüllt werden.

Denn wenn Müller dem Unternehmen mit dem seltsamen Kunstnamen Ende Dezember den Rücken kehrt, geht der Mann, der dem alten RAG-Konzern als Vorstandschef seinen Stempel aufdrückte wie kaum ein anderer in Deutschland.

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Dennoch fiel vielen operativen Chefs der Kunststoff- und Grundstoffindustrie der Degussa, aber auch des Stromproduzenten Steag ein mächtiger Stein vom Herzen, als Müller den eigenen Abgang ausrief. Denn dass die Evonik (14,4 Milliarden Euro Umsatz, 1,3 Milliarden Euro Gewinn, 43.000 Beschäftigte), die aus den Geschäftsfeldern Chemie, Energie und Immobilien besteht und die der Mehrheitseigentürmer, die RAG-Stiftung, eines günstigen Tages an die Börse bringen will, frei von Politik sein könnte – erst jetzt glaubt man es wirklich.

Nachfolger ist unpolitischer Detailarbeiter

Denn anders als der ewige Politiker Müller gilt sein Nachfolger Klaus Engel, 52, bisher Chef der Evonik-Chemiesparte, als unpolitischer Detailarbeiter, den kaum jemand persönlich kennt in den Dax-Top-Etagen der Wirtschaft – weil Engel bisher in zweiter Reihe Kärrnerarbeit wahrnahm, die stets mit Sanierung und wenig mit Profilierung, die viel mit Umkrempeln und Anpacken – und vor allem auch mit einem höchst erfolgreichen Börsengang zu tun hatte. Das Stinnes-Going-Public – weit vor Zugehörigkeit von Stinnes zur Deutschen Bahn – ist auch maßgebliches Verdienst des studierten Chemikers Engel.

Auf seiner sachlichen, fast maulfaulen Art ruht die Hoffnung des Evonik-Managements. „Niemand zweifelt daran, dass Evonik mit Engel eine glänzende Zukunft bevorsteht“, freut sich ein Evonik-Aufsichtsrat. Engel wird konzernintern mit dem früheren Chemie-Chef  Utz Hellmuth Felcht verglichen, dem viele Manager nachtrauern und der sich Insidern zufolge von Müller geradezu gemobbt fühlte und ging. Felcht hatte eine ruhige Art – so wie Engel, war durch und durch Zahlenmensch. Auch dies eine Eigenschaft des Neuen an der Spitze.

Engel wird zugetraut, den richtigen Ton zu treffen – im harten Alltagsgeschäft ebenso wie im aufreibenden Ringen mit dem stets sehr scharf auftretenden, britischen Finanzinvestor CVC, der im Juni für 2,4 Milliarden Euro 25,01 Prozent der Evonik-Anteile kaufte und mit drei Vertretern im 20-köpfigen Aufsichtsrat vertreten ist.

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