Chefaufklärer: Crommes schwieriger Rückzug

Chefaufklärer: Crommes schwieriger Rückzug

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Gerhard Cromme

In den vergangenen Monaten hat Gerhard Cromme einige Aufsichsratsmandate abgegeben. Das ist in Zeiten, wo Topmanager gern Ämter um sich sammeln, eher ungewöhnlich. Aber er hatte einen guten Grund dafür, als Aufsichsratschef von gleich zwei Dax-Unternehmen – Siemens und ThyssenKrupp – wächst ihm die Arbeit langsam über den Kopf.

Den aber muss er frei haben, um bei Siemens quasi als Chefaufklärer des Schmiergeldsumpfes mit harter Hand durchzugreifen. Er brauchte also keine großen Begründungen für den Verzicht auf einige zeitraubende Mandate. Keiner verstand dies als Rückzug eines müden Mannes, sondern als Aufräumaktion in eigener Sache, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und da steht Siemens ganz oben auf seiner Liste.

Dass er jetzt das ehrenvolle Amt als Chef einer Regierungskommission an den Nagel hängt, ist jedoch etwas ganz anderes. Das hochrangige Gremium entwickelte Benimmregeln für Aufsichtsräte, schrieb sich Leitlinien der guten Unternehmensführung auf die Fahnen. Das kleine inoffizielle Gesetzeswerk wurde nach seinem Schöpfer benannt – vom „Cromme-Kodex“ sprach jeder, der frischen Wind in Aufsichtsräte bringen und das Bild verschlafener Pensionäre in den Gremien – auch auf Arbeitnehmerseite – gerade rücken wollte. Interessenkollisionen sollten vermieden und mehr Transparenz geschaffen werden – mit Vorbildfunktion für alle Dax-Konzerne, nicht nur für Siemens.

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Den Anker, den Cromme an den Gestaden der Corporate Governance gesetzt hat, lichtet er nun und zieht ab – in welche Richtung? Mit dem Cromme-Kodex unterm Arm hätte es sich bei Siemens sicherlich leichter aufräumen lassen, wenn dieses Werk nur nicht den Namen seines Verfassers getragen hätte. Ständig wurde Cromme mit dem Kodex identifiziert so wie Birthler mit ihrer Behörde, die einst nach Gauck benannt war. Von Hartz IV wollen wir nicht sprechen, der Mann hat sich selber desavouiert. Bei Cromme war es umgekehrt: Sein Kodex-Spiegelbild machte aus ihm einen Oberlehrer, dem in der Öffentlichkeit stets das Scheitern an den eigenen Ansprüchen vorgeworfen wurde – sogar den Ansprüchen, die der Cromme-Kodex gar nicht aufgestellt hatte.  

Der Cromme-Kodex wurde auch langsam zu einem Gefäß überspannter öffentlicher Erwartungen. Denn die Befolgung der darin niedergelegten Grundsätze macht aus einem Aufsichsrat niemanden, der keine Fehler mehr macht. Cromme gestand auch ein, dass Kontrolleure sehr begrenzte Macht haben, weil sie sich ständig auf den Vorstand oder auf sogenannte unabhängige Wirtschaftsprüfer verlassen müssen, die natürlich fehlbar und abhängig sind – von ihren jeweiligen Auftraggebern. Fragt sich nur, warum gibt es denn dann überhaupt Aufsichtsräte, wenn sie so zahnlos sind? Und warum werden sie dann so gut bezahlt, wenn sie im Krisenfall sowieso nichts ausrichten können? Lösungen zu finden für die Vermeidung eines neuen Fall Siemens, das hätte die neue Aufgabe der Regierungskommission sein können. Cromme hätte lieber das Mandat beim Axel-Springer-Verlag aufgeben sollen. Der so gewonnene Freiraum hätte ihm sicher die Zeit verschafft, die dann bei Siemens und in der Kommission für ihn fruchtbar geworden wäre.

Gerhard Cromme hat also – wenn es um die Sache geht – den falschen Job aufgegeben. Den richtigen nur, um als lebendes Gutmenschen-Denkmal wieder herunter zu kommen auf jemanden, der auch mal daneben liegen kann. Hoffentlich nur nicht bei Siemens, wo zur Zeit ausschließlich lupenreine Ermittler, Aufräumer und fehlerfreie Krisenmanager gebraucht werden.

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