Chefsache: Schicksal der Völker

Chefsache: Schicksal der Völker

In diesen Tagen entwickelt man sich zum Panzer-Spezialisten: Der bedrohliche Koloss da auf dem Bild, steht der nun in Gori oder Prag, in Budapest oder Ostberlin, zwischen den rauchenden Ruinen in Tschetschenien oder Afghanistan? War das 1968 oder ist es 2008?

Der Krieg in Georgien und die austauschbaren Bilder suggerieren einen ungebrochenen Lauf der Geschichte: Der Kalte Krieg kehrt zurück. Russland macht da weiter, wo die Sowjetunion 1991 aufhören musste.

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Imperiums schien ein friedliches Zeitalter globaler Annäherung, geprägt von wirtschaftlicher und politischer Integration, angebrochen. So lautete zumindest die Hoffnung im entspannungsverliebten Westeuropa, das mit wirtschaftlicher und dann politischer Integration die Gräuel des Krieges in ganz Europa zu vermeiden hoffte. Dabei hatten unsere neuen Partnerländer in der EU, die Polen, Balten und Rumänen, schon immer ein anderes Geschichtsbild: Für sie endete der Zweite Weltkrieg nicht am 8. Mai 1945 – sondern erst nach dem Abzug der sowjetischen Truppen. Die Angst vor der sowjetischen und für sie gleichbedeutenden russischen Diktatur ist lebendig und bestimmt bis heute ihr Handeln.

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Deshalb schlüpft Polen in diesen Tagen flugs unter den amerikanischen Raketenschirm. Und deshalb sind die osteuropäischen Länder prinzipiell amerikafreundlich. Das gilt für den gesamten Staatenbogen von Estland bis Bulgarien und Albanien. Die Menschen dort wissen, dass Amerika manchmal unbedacht und selbstbezogen handelt – aber auch, dass es sich unter dem Schutz von Stars and Stripes allemal besser leben lässt als unter dem Rot oder Weiß-Blau-Rot der Moskauer Zaren. Die Erweiterung der EU hat zwei geschichtliche Weltbilder unter einem Dach vereint und gleichzeitig die westlich geprägte Union in eine geopolitische Konkurrenzsituation mit Russland manövriert: Es gibt russische Minderheiten nicht nur in der Ukraine und Georgien, sondern mit noch größerem Bevölkerungsanteil auch in den baltischen Mitgliedstaaten. Die Trümmer des aufgelösten Imperiums wurden Teile der Europäischen Union – mit allen Konsequenzen.

Die Europäische Union und allen voran der deutsche Außenminister wirken so unbeholfen, weil sie am politischen Instrumentarium und den Illusionen der friedvollen Zeit nach Ende der Sowjetunion festhalten: Verträge und wirtschaftliche Verflechtungen sollen den Dämon kalter und grausamer Machtpolitik zähmen, während die EU militärisch nur noch bedingt abwehrbereit ist. Alle sollten lieb zueinander sein, weil das Geschäfte fördert. Unsere Titelgeschichte zeigt, wie verletzlich das feine Gespinst zwischen dem Industrieblock des Westens und seinem Energielieferanten im Osten ist.

Was aber, wenn diese Regeln missachtet und die Karte der nationalen Machtpolitik ausgespielt wird? Wenn einer lieber die Panzer rollen lässt, statt den Außenhandel zu bilanzieren? Der einflussreiche US-Publizist Robert Kagan hat darauf hingewiesen, dass die wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und Russland heute geringer ist als die zwischen Frankreich und Deutschland vor 1914 – und doch hat die wirtschaftliche Gemeinsamkeit das Abschlachten einer ganzen Generation deutscher und französischer Männer vor Verdun nicht verhindert. Es ist nicht die Wirtschaft, die das Schicksal der Völker bestimmt, sondern nationale Machtpolitik mit ihren mörderischen Emotionen. Die friedensstiftende Kraft der Globalisierung zerschellt am Eigenleben der Großmächte.

Daraus lässt sich nicht ableiten, dass eine Politik des Kalten Krieges zwingend sei. Aber wir sollten beides tun: auf die friedensschaffende Kraft der Wirtschaftsbeziehungen setzen – und die eigene Fähigkeit zur Verteidigung wieder stärken.

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