Chefwechsel bei Nokia: Microsoft-Mann soll Nokias Absturz stoppen

Chefwechsel bei Nokia: Microsoft-Mann soll Nokias Absturz stoppen

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Der neue Nokia-Chef Stephen Elop

von Thomas Kuhn

Stephen Elop, der neue Chef des finnischen Mobilfunkriesen, kommt von Microsoft und hatte mit Handys bisher wenig zu tun. Das ist kein Manko. Eher im Gegenteil.

Die Gerüchte hielten sich seit Anfang Sommer: Nokia sucht einen Nachfolger für seinen anhaltend glücklosen Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo. Jetzt ist klar, es waren mehr als Vermutungen: In wenigen Tagen schon, am 21. September, vollzieht der noch immer weltgrößte Handyhersteller den Führungswechsel und beruft den Kanadier Stephen Elop als ersten Ausländer an die Spitze. Das teilte der finnische Kommunikationskonzern heute früh in einer Presseerklärung mit. Der intern stets "OPK" abgekürzte Kallasvuo war seit 1980 für Nokia tätig und hatte den Umbau des Konzerns vom Gummi-, Elektrik- und Hausgerätehersteller zum Telekommunikationskonzern über die Jahre in mehreren Führungsfunktionen mitverantwortet.

Der nun angekündigte Wechsel an der Spitze bedeutet weit mehr als eine Internationalisierung der Führungsmannschaft. Elops Berufung darf getrost auch als strategische Weichenstellung verstanden werden. Der 46-jährige Manager nämlich verantwortete bisher die umsatz- und gewinnträchtigste Unternehmenssparte des weltgrößten Softwareproduzenten Microsoft, der Business Division. Zuvor war Eleop unter anderem für Hightech-Unternehmen wie Juniper Networks, Adobe und Macromedia tätig. Bei Microsoft führte er zuletzt unter anderem das Geschäft mit dem erfolgreichen Bürosoftwarepaket Office, die  Mittelstandssparte und er war für den Aufbau der internet-basierten Cloud-Computing-Dienste zuständig. Nun ist es genau der Ausbau der Software- und Service-Angebote, mit denen auch Nokia hofft, gegenüber dem Konkurrenten Apple wieder Boden gut zu machen.

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Nokia hat kein Rezept gegen Apple und Google

Denn obwohl speziell das weltweite Geschäft mit leistungsstarken Smartphones – wie etwa Apples iPhone und die auf der Basis von Googles Android-Software arbeitenden Mobiltelefone – derzeit boomt, verliert Nokia in dem Segment anhaltend Marktanteile. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank der Anteil der Finnen in dem lukrativen Geschäft im zweiten Quartal 2010 auf nur noch 37 Prozent, 2009 waren es noch 45 Prozent gewesen. Apple dagegen ist mit seiner Kombination aus Hardwareverkauf und Software-, Musik- und Videovertrieb über die iPhones inzwischen profitabler als Nokia, das nur noch beim Geräteabsatz die Spitze behauptet.

Insofern kommt Elops Software-Expertise den Finnen gerade Recht. Dass er keine besondere Meriten als Mobilfunk-Manager vorweisen kann, dürfte nicht zu seinem Nachteil sein. Im Gegenteil: Microsoft hat sich in den vergangenen Jahren im Mobilfunkmarkt noch schlechter geschlagen als Nokia. Der eigene Handy-Marktanteil weltweit fiel im zweiten Quartal auf nur noch rund fünf Prozent – und halbierte sich damit beinahe gegenüber dem Vorjahreswert von 9,3 Prozent.

Hoffnung auf Trendwende

Da spricht es eher für Elop, nicht in die jüngste Mobilfunkpleite des Softwareriesen involviert gewesen zu sein, dem im Juli nach nur zwei Monaten wegen erwiesener Erfolglosigkeit wieder vom Markt genommene Social-Media-Smartphone Kin. Nach einer Runderneuerung im Mobilfunkmanagement hofft Microsofts Konzernchef Steve Ballmer, mit der in Kürze erwarteten Markteinführung der brandneuen Windows Phone 7 Serie endlich wieder Boden im Handygeschäft gut machen zu können.

Dennoch werden Microsoft und Nokia zunächst wohl eher gemeinsam Apple angreifen, als miteinander zu konkurrieren. Immerhin hatte die beiden Verfolger vor Jahresfrist eine weit reichende Partnerschaft verkündet, die Micosofts-Office-Anwendungen auf Nokias Smartphones verfügbar machen soll. Präsentiert hatte den Deal auf Microsoft-Seite damals – Stephen Elop

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