Chemie: Bayer holt sich Führung von außen

Chemie: Bayer holt sich Führung von außen

Bild vergrößern

Bayer-Vorstandschef Werner Wenning (l.) und sein Nachfolger Marijn Dekkers

Kulturrevolution bei Bayer: Erstmals übernimmt ein Manager, der nicht aus dem Unternehmen kommt, die Leitung des Dax-Konzerns. Am 1. Oktober 2010 tritt der gebürtige Niederländer Marijn Dekkers den Spitzenposten an.

Der neue Bayer-Chef hat bereits für General Electric und in der Elektroniksparte des US-Konzerns Honeywell International gearbeitet. Derzeit führt der 51-Jährige Dekkers, der neben der niederländischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, den Laborgeräte-Hersteller Thermo Fisher Scientific.

Einen solchen Bayer-Chef hat es in 146 Jahren Unternehmensgeschichte noch nicht gegeben: Wer immer den Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern führte, hatte in der Regel sein ganzes Berufsleben „beim Bayer" verbracht und sich auf den verschiedensten Positionen bewährt.

Anzeige

Der amtierende Bayer-Chef Werner Wenning etwa begann 1966, vor über vierzig Jahren, im Unternehmen – mit einer Ausbildung zum Industriekaufmann. Wenning, der Bayer seit 2002 führt, ist inzwischen 62 Jahre alt – die Suche nach einem Nachfolger hatte schon vor Monaten begonnen, kam aber nicht recht voran.

Geordneter Übergang mit Nebengeräuschen

Schon lange hielt sich auf den Leverkusener Fluren das Gerücht, dass sich aus dem aktuellen Führungskreis niemand für das Spitzenamt aufdrängt. Und dass Wenning seinen im Januar nächsten Jahres auslaufenden Vertrag wohl noch einmal, zumindest für einige Monate, verlängern werde.

Tatsächlich sorgt Wenning nun für einen geordneten Übergang: Er bleibt jetzt noch acht Monate länger an der Spitze und übergibt dann am 1. Oktober 2010 an Dekkers. Der Niederländer tritt zum 1. Januar in den Bayer-Vorstand ein und hat so noch neun Monate Zeit, um sich auf seine neue Aufgabe einzustimmen.

Völlig geräuschlos geht die Leverkusener Kulturrevolution allerdings nicht vonstatten: Im April nächsten Jahres geht der amtierende Finanzvorstand Klaus Kühn mit 58 Jahren in den Ruhestand. Gleichzeitig verlässt Arthur Higgins, 52 Jahre alt und Chef der Gesundheitssparte, des größten Konzernbereichs von Bayer, das Unternehmen. Zumindest Higgins soll sich Hoffnungen auf höhere Weihen gemacht haben, heißt es in der Branche.

Kühns Nachfolger wird der 46-jährige Werner Baumann, der sich derzeit noch um die Finanzen der Gesundheitssparte kümmert. Die Aufgaben von Higgins wird übergangsweise Dekkers mit übernehmen.

An der Börse verlor Bayer nach Bekanntgabe der Top-Personalie mehr als ein Prozent. Ein schönes Kompliment für Bayer-Chef Wenning, der den Konzern nach dem Lipobay-Desaster vor sieben Jahren – Bayer nahm damals den umsatzträchtigen Cholesterinsenker wegen schädlicher Nebenwirkungen vom Markt – wieder in die Spur gebracht hat.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%