Chemie: Keine Heilsbringer für Cognis

Chemie: Keine Heilsbringer für Cognis

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Chemieanlage bei Cognis

Das Chemieunternehmen Cognis leidet darunter, dass ihm Permira und Goldman Sachs Milliardenschulden aufgedrückt haben.

Ein Joghurt, der schön macht. Ein kosmetisches Öl, das positive Emotionen hervorruft. Eine Creme, die das Hautgefühl verbessert. Gern redet Antonio Trius von der schönen neuen Wellness-Welt. Und natürlich erwähnt Vorstandschef Trius bei der Gelegenheit auch, dass es die Stoffe seines Unternehmens Cognis sind, die den Alltagsprodukten den letzten Pfiff geben. Ein schlechtes Gewissen muss dabei kein Wellness-Anwender haben: Der Chemiehersteller aus Monheim bei Düsseldorf verarbeitet nachwachsende Rohstoffe wie Palm- oder Sojaöl.

Die Präsentation der Geschäftszahlen überlässt Trius allerdings lieber seinem Finanzvorstand Klaus Edelmann. Der Wohlfühl-Faktor ist dabei geringer: Umsatz und operativer Gewinn stiegen 2007 nur mäßig, um vier Prozent. Die im Branchenvergleich bescheidene Umsatzrendite von 11,7 Prozent stagniert. Die Schulden steigen, die Liquidität sinkt. Und all das liegt nicht nur daran, dass im vergangenen Jahr die Rohstoffpreise exorbitant gestiegen sind.

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Denn Cognis ist gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie Finanzinvestoren ein Unternehmen ausnehmen – zum eigenen Vorteil und auf Kosten der finanziellen Solidität. 2001 hatten Permira und Goldman Sachs die frühere Henkel-Chemie erworben – und bürdeten dem Unternehmen erst mal Milliardenschulden auf, um den Kauf zu finanzieren. Sie gönnten ihren Kapitalgebern Sonderdividenden und strichen selbst Beratungshonorare ein. Das Unternehmen mit einem Umsatz von etwa drei Milliarden Euro musste bald Kredite in Höhe von 1,8 Milliarden Euro bedienen. Verluste fielen an, die Eigenkapitalquote sank.

Besonders attraktiv wirkte das Unternehmen damit nicht. Der Plan der Investoren, nach drei bis vier Jahren Kasse zu machen, ist jedenfalls nicht aufgegangen: Ein Verkauf ist ebenso gescheitert wie ein Börsengang. Jetzt sollen erst mal einzelne Unternehmensteile veräußert werden, doch auch das zieht sich hin.

Die Mitarbeiterzahl hat in den vergangenen Jahren abgenommen – von etwa 9000 im Jahr 2001 auf derzeit 7600. Zwar müssen auch noch weiter Kosten gespart werden, doch bei der Beschäftigtenzahl sei nun eine „gesunde Grenze“, erreicht, sagt Trius.

„Ich hoffe, dass der Personalabbau nicht weitergeht“, sagt Betriebsratschef Thomas Hergarten. Er berichtet denn auch, dass nach den etlichen Re- und Umstrukturierungen die Mitarbeiter verunsichert sind und der Arbeitsdruck gestiegen ist. Teilweise ist auch die Fluktuation gestiegen. Die Ergebnisse der letzten Belegschaftsbefragung haben diese Stimmung widergespiegelt.

„Permira und Goldman haben uns hohe finanzielle Verpflichtungen auferlegt“, kritisiert Hergarten, „doch das kann nur in einer wirtschaftlichen Schönwetterperiode gutgehen. Jetzt, da die Marktbedingungen härter werden und die Rohstoffpreise steigen, fehlt uns das Geld. Jetzt wäre eine gute Eigenkapitalquote nötig, um die Marktrisiken abzufedern.“

„Cognis hatte in den vergangenen Jahren alle Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln – das ist doch entscheidend, wenn man die Finanzierung beurteilt“, hält Thomas Jetter dagegen, der als Partner bei Permira für das Cognis-Investment verantwortlich ist: „Bei Cognis ist in den vergangenen Jahren mehr investiert worden als zuletzt zu Henkel-Zeiten. Und die enge partnerschaftliche Zusammenarbeit mit großen Markenherstellern wie Wella oder Beiersdorf ist sehr gut.“

Im bayrischen Illertisssen investierte Cognis etwa in eine Anlage, auf der naturbasierte Stoffe zur Senkung des Blutcholesterinspiegels produziert werden. Jetter ist auch optimistisch, dass die zu veräußernden Unternehmensteile – die Grundchemie sowie die Textil- und Lederchemie – noch in diesem Jahr einen Käufer finden werden.

Danach könnten die Finanzinvestoren versucht sein, wieder über einen Ausstieg nachzudenken. Wenn es soweit ist, hofft Betriebsratschef Hergarten auf einen Börsengang. Ein Käufer aus der Branche würde gewiss weitere Arbeitsplätze streichen. Und ein neuer Finanzinvestor? Damit kennt sich Hergarten ja nun schon aus. Nach sieben Jahren Erfahrung fällt sein Urteil durchwachsen aus: „Ich verteufele sie nicht, aber für mich sind sie auch keine Heilsbringer.“

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