Chemie und Pharma: Was der neue Bayer-Chef mit dem Konzern vorhat

Chemie und Pharma: Was der neue Bayer-Chef mit dem Konzern vorhat

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Designierter Bayer-Boss Marijn Dekkers: Mehr Pharma, weniger Chemie - wird die Devise lauten

Er ist der erste Bayer-Chef, der nicht aus dem Konzern kommt und Ausländer ist. Abstoßen, akquirieren, angreifen – was Bayer unter dem designierten neuen Konzernchef Marijn Dekkers erwartet.

Finanziell verschlechtert sich Marijn Dekkers, der künftige Vorstandsvorsitzende von Bayer. Der 51-jährige Niederländer wird am 1. Oktober 2010 den Spitzenjob in Leverkusen übernehmen, tritt aber bereits zum 1. Januar in den Vorstand ein. Bei seinem Noch-Arbeitgeber, dem amerikanischen Laborgerätehersteller Thermo Fisher Scientific, hatte sich Dekkers seine Dienste im Jahr 2008 mit insgesamt 9,6 Millionen Dollar (umgerechnet etwa sechs Millionen Euro) vergüten lassen, inklusive Aktienoptionen. Bei Bayer wird er als Chef jedoch kaum mehr als die 3,6 Millionen Euro bekommen, die der amtierende Vorstandschef Werner Wenning im vergangenen Jahr einstrich.

Doch Dekkers wollte den Top-Job beim Pharma- und Chemiekonzern Bayer, einer deutschen Industrie-Ikone, unbedingt, heißt es im Unternehmen. Mit einem Jahresumsatz von 33 Milliarden Euro ist Bayer etwa viermal größer als Thermo Fisher Scientific – und deutlich renommierter.

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Bei dem US-Laborausrüster handelte Dekkers nach dem Motto: abstoßen, akquirieren, angreifen – und war mit dieser Strategie extrem erfolgreich. Seitdem er im Jahr 2002 bei Thermo antrat, hat er Umsatz und Gewinn des Unternehmens verfünffacht.

Bayer soll Dekkers Meisterstück werden

In der Branche heißt es bereits, dass Thermo Fisher Scientific das Lehrstück des Niederländers war und Bayer nun sein Meisterstück werden wird. Tatsächlich dürfte sich bei dem 146 Jahre alten deutschen Traditionskonzern unter Dekkers vieles grundlegend verändern. Mehr Pharma, weniger Chemie, wird die Devise lauten. Womöglich endet mit dem Holländer sogar die Chemie-Tradition von Bayer.

Der erste Bayer-Chef, der nicht aus dem Konzern und der zudem aus dem Ausland kommt, wird keine Probleme haben, seine Pläne in Leverkusen auch dem Letzten verständlich zu machen. Dekkers spricht Deutsch – nicht fließend, aber passabel. Er arbeitet sogar schon daran, seine Kenntnisse zu verbessern. Sein Rivale im Kampf um den Chefposten, der Schotte Arthur Higgins, Leiter der Bayer-Gesundheitssparte, sprach auch nach fünf Jahren im Konzern kein Deutsch und wollte es auch nicht lernen. Unter anderem deswegen zog er gegen Dekkers den Kürzeren.

Dekkers übt sich in Diplomatie - noch

Noch gibt sich Dekkers diplomatisch und zurückhaltend, wenn er in vertraulicher Runde auf seine Pläne für Bayer angesprochen wird. Das Unternehmen sei gut aufgestellt, wird er zitiert, und müsse "nicht unbedingt durcheinandergewirbelt" werden. Das wirkt erst einmal beruhigend. Doch was meint Dekkers mit "unbedingt"? Eine längerfristige Bestandsgarantie hört sich anders an.

Die Problemzone ist intern längst erkannt – das Chemie- und Kunststoffgeschäft Bayer Material Science (BMS). Anders als die konjunkturresistenten Sparten Gesundheit und Pflanzenschutz leidet BMS unter der Krise. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sank der Umsatz um fast ein Drittel, der Gewinn (vor Zinsen und Steuern) verkehrte sich ins Minus. Wichtige Umsatzträger wie die Kunststoffklassiker Polyurethan und Polycarbonat haben ihren Zenit überschritten. Dem Seiteneinsteiger Dekkers dürfte es leichter fallen als altgedienten Bayer-Managern, das traditionsreiche Chemie- und Kunststoffgeschäft aufzugeben.

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