Chemieindustrie : EU-Verordnung kostet Chemieunternehmen Millionen

Chemieindustrie : EU-Verordnung kostet Chemieunternehmen Millionen

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Reinigungsmittel

von Silke Wettach

Eine EU-Verordnung mit absurden Vorgaben bedeutet für Unternehmen erheblichen Mehraufwand – besonders für den Mittelstand.

Das Kürzel ist griffig. Als die EU-Kommission 2003 ihre neue Chemikalienpolitik vorstellte, verpasste sie dem Projekt den Namen Reach, ausgesprochen wie das englische Verb „erreichen“. Das Akronym, abgeleitet von Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien, hat sich seitdem in der Branche durchgesetzt. Bei Insidern kursiert nun eine neue Lesart: Reach stehe für „Risiko erhöhter Anfallhäufigkeit bei Cholerikern und Hysterikern“, so die spöttische Neuinterpretation.

Die Umsetzung der EU-Verordnung bringt aber selbst ausgeglichene Gemüter in Wallung. „Die Bürokratie ist schlimmer als befürchtet“, ärgert sich Erhardt Fiebiger, Geschäftsführer des Spezialchemieherstellers Zschimmer & Schwarz in Lahnstein bei Koblenz.

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Kaum ein Gesetzesvorhaben der EU hat so viel Widerstand in der Industrie ausgelöst wie die Chemikalienpolitik, die Hersteller und Händler zwingt, mehr als 30.000 Stoffe zentral registrieren zu lassen.

Verlagerungen möglich

Wenige Wochen vor dem 30. November, der ersten von insgesamt drei Fristen, bis zu der Chemiehersteller umfangreiche Dossiers über die von ihnen produzierten Stoffe einreichen müssen, wird klar: Vor allem kleine und mittlere Unternehmen werden von den Vorgaben stark belastet. Viele sind gezwungen, ihre Produktpalette umzustellen, weil die Bürokratiekosten die Herstellung mancher Stoffe unrentabel machen. Auch Produktionsverlagerungen sind nicht auszuschließen.

Am absurdesten ist dabei, dass die Chemikalienpolitik ihr Ziel voraussichtlich gar nicht erreicht. Die EU-Kommission hatte Reach angestoßen, um gefährliche Stoffe allmählich aus der Produktion zu verbannen. Weil für diese der Registrierungsaufwand höher ist, so die Logik der EU-Beamten, würden die Unternehmen auf ungefährliche Alternativen umschwenken.

Inzwischen ist klar, dass auch bei ungefährlichen Stoffen die Kosten oft in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag stehen. Bei Zschimmer & Schwarz geht Geschäftsführer Fiebiger davon aus, dass er seine Produktpalette umstellen wird, weil sich bestimmte Stoffe nicht mehr rechnen.

„Wir werden einige Dutzend Stoffe registrieren“, sagt Rudolf Tiemann, Geschäftsführer des Hamburger Chemiehandels Schütz & Co., einem Betrieb mit 20 Mitarbeitern. „Aber bei der Mehrzahl lohnt sich der Aufwand nicht.“ Händler können ihre Dossiers zwar von Herstellern beziehen – jedoch nicht für Stoffe aus Nicht-EU-Ländern ohne Dossierpflicht.

Die Zahl der Anbieter für bestimmte Chemikalien werde abnehmen, heißt es in der Branche. Für viele Kunden dürfte die Beschaffung künftig schwieriger werden.

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