Chemieindustrie: Lanxess-Chef: "Auf die Finanzkrise waren wir vorbereitet"

Chemieindustrie: Lanxess-Chef: "Auf die Finanzkrise waren wir vorbereitet"

von Reinhold Böhmer, Franz W. Rother und Jürgen Salz

Axel Heitmann, Chef des Chemiekonzerns Lanxess, über neue Arbeitsplätze in Deutschland, innovative Kunststoffe für Autos und eine Million Euro für Chemieunterricht an Schulen.

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Axel Claus Heitmann (AP Photo/Roberto Pfeil)

WirtschaftsWoche: Herr Heitmann, vor einem Jahr haben Sie die Krise mit einem Tsunami verglichen. Sind Sie noch in Katastrophenstimmung?

Heitmann: Ich bin für 2010 optimistisch. Die Nachfrage nach Chemieprodukten und die Auslastung der Anlagen werden sich gegenüber dem Vorjahr verbessern. 2010 wird auch für Lanxess ein gutes Jahr. Wir werden 2010 unsere Investitionen in Sachanlagen und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erhöhen. In diesem Jahr stärken wir zudem unsere deutschen Standorte weiter und schaffen hierzulande per saldo neue Arbeitsplätze. Kurz gesagt – wir fahren sicher durch die Krise, die aber noch nicht vorüber ist.

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Was macht Sie so optimistisch?

Lanxess ist ja 2004 selbst in einer Krise entstanden, aus Teilen der früheren Bayer-Chemiesparte. Die meisten Geschäfte, die wir übernahmen, steckten damals in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wir haben früh gelernt, uns auf sinkende Nachfrage einzustellen – und die Produktion angepasst sowie Arbeitszeiten und Gehälter der Mitarbeiter reduziert. Wir konnten so beweisen, dass wir mit niedrigen Auslastungen von 60 oder 70 Prozent zurechtkommen. Auf die Finanzkrise waren wir daher vorbereitet. So haben wir bereits im zweiten Quartal 2009 wieder schwarze Zahlen geschrieben. An unserer Prognose halte ich fest: Wir erreichen 2009 ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in Höhe von 400 bis 420 Millionen Euro.

Das ist nur wenig mehr als die Hälfte der gut 700 Millionen Euro im Jahr 2008...

...ich finde, wir haben uns gut gehalten. Für die gesamte Branche gilt: Es wird noch mehrere Jahre dauern, bis wir das Vor-Krisen-Niveau erreicht haben.

Wo kommen die von Ihnen versprochenen neuen Arbeitsplätze in Deutschland her?

Wir werden in Kürze an einem unserer deutschen Standorte in eine neue Technologie einsteigen, die wir selbst entwickelt haben. Dadurch entstehen in der letzten Ausbaustufe einige Hundert Arbeitsplätze in Forschung und Fertigung.

Geht es konkreter?

Lassen Sie sich überraschen. Wir wollen aber nicht nur in Deutschland zusätzliches Wachstum schaffen, sondern auch in den Wachstumsregionen der Welt. Die Nachfrage etwa nach synthetischem Kautschuk in Asien entwickelt sich so stabil, dass wir dort kräftig investieren werden, um zusätzliche Kapazitäten für unsere asiatischen Kunden anbieten zu können. Eine derartige Investition werden wir zeitnah ankündigen.

Mit welchen Technologien punkten Sie?

Es sind verschiedene interessante Projekte am Start. Bei Lanxess arbeiten wir intensiv daran, im Auto immer mehr Metalle durch Kunststoffe zu ersetzen, um die Fahrzeuge leichter und spritsparender zu machen. Ein deutscher Premium-hersteller hat sogar gerade die Produktion eines Volumenmodells umgestellt, um Lanxess-Kunststoffe zu verwenden.

Vor Jahren hätten Sie gern den Spezialchemiehersteller Degussa übernommen, der nun zum Mischkonzern Evonik gehört. Was ist aus Ihren Plänen geworden?

Ich hatte gesagt, dass das Chemieportfolio der Degussa gut zu uns passen würde. Die Frage stellt sich heute nicht mehr.

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