China: China diktiert BMW-Modelle

China: China diktiert BMW-Modelle

von Matthias Kamp

Die Regierung zwingt Volkswagen, Daimler und Co., neue Automarken ausschließlich für das Reich der Mitte zu entwickeln. Der Ukas kollidiert mit dem freien Handel, sein Erfolg ist zweifelhaft.

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Mercedes-Benz-Händler in Peking

Der dritte Autobahnring in Peking führt mitten durch die prestigeträchtigsten Gegenden der chinesischen Hauptstadt. Am östlichen Ende der Hauptverkehrsader unterhält eine Reihe europäischer Staaten ihre Botschaften. In den Wolkenkratzern in der Nachbarschaft haben viele chinesische und ausländische Konzerne ihre Büros. Zur Rushhour gegen sechs Uhr abends ist der dritte Autobahnring die wohl am dichtesten befahrene Straße Pekings.

Stoßstange an Stoßstange stauen sich die Pkws auf oft mehr als zehn Kilometern, und das trotz fünf Fahrstreifen für jede Richtung. Der tägliche Stau auf der Pekinger Stadtautobahn ist auch ein Schaulaufen der großen Automarken der Welt: Volkswagen, Mercedes, BMW, die Japaner Nissan und Toyota, Hyundai und Kia aus Südkorea sowie Citroën und Peugeot schieben sich im Schritttempo durch die City. Nur eines fehlt in der Blechlawine, obwohl am Gründonnerstag nun schon zum 14. Mal die renommierte Automesse Shanghai ihre Pforten öffnet: chinesische Marken. "Die Qualität der chinesischen Autos ist einfach inakzeptabel", sagt der Pekinger Taxifahrer Zhao Yang und beteuert, er würde niemals ein chinesisches Auto fahren. Stattdessen zeigt er strahlend auf das VW-Logo seines Volkswagen Jetta: "Deutsche Qualität eben."

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BMW und Co sollen nun chinesische Autos bauen, statt Deutsche zu exportieren

Aus dieser Entwicklung zieht die chinesische Regierung jetzt die Konsequenzen. Die Machthaber in Peking wollen nicht mehr durchgehen lassen, dass das Reich mit den weltgrößten Exporten und höchsten Devisenreserven keine international salonfähige Automarke im Programm hat. Deshalb zwingt die Regierung die Konzerne aus dem Ausland nun, mit ihren chinesischen Partnern Marken für das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land zu entwickeln. Wer sich dem Diktat widersetzt, dem genehmigen die Behörden künftig keine Investitionen für Erweiterungen mehr. Schon der von ausländischen Autobauern seit Jahren beklagte Zwang zum Joint Venture mit chinesischen Herstellern entspricht nicht dem Reglement der Welthandelsorganisation (WTO). Mit der neuen Vorschrift zur Entwicklung einer chinesischen Marke setzt sich Peking noch weiter vom WTO-Rahmen ab. Die Hersteller aus dem Ausland sind verunsichert.

VW fügt sich bereits

Der Volkswagen-Konzern, der in China bis 2015 gut zehn Milliarden Euro investieren will und unter anderem eine neues Werk im südchinesischen Foshan plant, hat bereits die Entwicklung einer eigenen Marke für China angekündigt. Allerdings fahren die Wolfsburger das Projekt derzeit eher mit angezogener Handbremse. Die deutschen Hersteller wollen offenbar zunächst ausloten, ob Peking vielleicht doch noch von seiner neuen Politik abzubringen ist. Nach dem Willen der deutschen Konzerne soll Bundeskanzlerin Angela Merkel das Thema bei ihrem diesjährigen Peking-Besuch bei der chinesischen Regierung ansprechen.

Bei Daimler in Peking heißt es, das Unternehmen mit dem Stern entspreche den verschärften Regeln der Regierung bereits. Die Stuttgarter hatten kürzlich mit dem zweitgrößten rein chinesischen Autobauer BYD ein Joint Venture gegründet, das an der Entwicklung eines Elektrofahrzeuges arbeitet. Der Ökoflitzer soll in zwei Jahren in China auf den Markt kommen und als chinesische Marke vertrieben werden.

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