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China: Google-Rückzug könnte Nachahmer finden

von Matthias Kamp

Der Internetdienstleister Google ist der erste westliche Konzern, der die offene Konfrontation mit den Diktatoren in Peking riskiert – es dürfte nicht der letzte sein.

Googles Homepage in China: Zieht sich der Internetkonzern aus dem Reich der Mitte zurück?
Googles Homepage in China: Zieht sich der Internetkonzern aus dem Reich der Mitte zurück?

Ob Mittelständler oder Global Player: Bei vielen ausländischen Firmen in China galt bis vor kurzem ein ungeschriebenes Gesetz: Probleme wie die Verletzung von Urheberrechten, Unzufriedenheit mit Pekings Wechselkurspolitik oder Fragen zu Menschenrechten und Pressefreiheit spricht man bei Chinas KP-Führern am besten in kleiner Runde hinter verschlossenen Türen an. Auf diese Weise, so die Begründung, erreiche man am schnellsten eine Verbesserung der Zustände.

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In Wirklichkeit schwiegen die westlichen Wirtschaftsvertreter oft, denn sie fürchteten den Zorn der Regierenden in Peking und damit Nachteile beim Chinageschäft. Lieber beugten sie sich immer neuen und strengeren Vorschriften etwa zum Technologietransfer. Bei offener Kritik reagiert das Regime in Peking nämlich unbarmherzig. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst 2007 in Berlin den Dalai Lama empfing, bekam Daimler in China auf einmal keine Lizenzen mehr für den Import seiner Mercedes-Fahrzeuge.

Besonders vorsichitig und zurückhaltend traten in Peking bislang die Wirtschaftsvertreter aus Deutschland auf. So vorsichtig, dass sie etwa von amerikanischen Kollegen bisweilen als „Pandaschmuser“ verspottet werden.

Google verlegt seine Suchmaschine nach Hongkong

Doch jetzt kippt die Stimmung. Mit der Verlegung seiner Suchmaschine nach Hongkong widersetzt sich der Internetdienstleister Google als erster westlicher Konzern dem Diktat aus Peking.

Google leitet seit Montag die Nutzer des chinesischsprachigen Dienstes auf die Suchmaschine in Hongkong um. Dort werden die Ergebnisse nicht gefiltert, weil Hongkong zwar zu China gehört, aber politische und wirtschaftliche Sonderrechte genießt. Wenn diese Seite auf dem Festland aufgerufen wird, ist es aber möglich, dass die Ergebnisse von den chinesischen Behörden zensiert werden.

Auch andere Unternehmen aus dem Ausland wollen sich der Arroganz und Selbstherrlichkeit der kommunistischen Machthaber nicht länger beugen. Klagen über eine zunehmend antiwestliche Stimmung in China werden lauter, denn die Regierenden machen ausländischen Unternehmen das Leben immer schwerer. So fühlen sich 38 Prozent aller amerikanischen Unternehmen in China nicht mehr willkommen, zeigt eine aktuelle Umfrage der Amerikanischen Handelskammer in China. Vor drei Monaten lag der Anteil nur bei 26 Prozent.

Für Wut sorgt etwa eine neue Verordnung, nach der ausländische High-Tech-Anbieter in ihren Produkten und Lösungen geistiges Eigentum aus China verwenden müssen. Andernfalls schließen die chinesischen Behörden die Firmen von öffentlichen Ausschreibungen aus. Wer in China Verschlüsselungssoftware, etwa für das Internatbanking, verkaufen will, muss neuerdings gegenüber den Behörden sogar die Quellcodes seiner Anwendungen offenlegen.

„Sollte die Regelung kommen, gehen wir“

Viele Unternehmen sind entnervt, manche denken schon darüber nach, das Handtuch zu werfen. Einem mittelständischen Anbieter von medizinischen Geräten aus Deutschland teilten die Behörden vergangene Woche mit, dass es bei der nächsten Generation seiner Geräte sämtliche Entwicklungspläne inklusive die der Software, mit der die Apparate arbeiten, übergeben muss. „Sollte die Regelung wirklich kommen, gehen wir“, heißt es nun im Unternehmen.

Das Kalkül der kommunistischen Machthaber ist leicht nachvollziehbar – China agiert aus einer Position vermeintlicher Stärke. Die weltweite Krise habe die europäische und amerikanische Wirtschaft in die Knie gezwungen, resümieren die KP-Führer hinter den dicken Türen der Regierungszentrale von Zhongnanhai. Chinas Wirtschaft dagegen wächst weiterhin mit rund neun Prozent. Mehr denn je seien die westlichen Unternehmen auf den chinesischen Markt angewiesen.

Fazit: Die Bedingungen für das Geschäft diktiert Peking. „Die Leute schauen jetzt auf den Westen herab“, sagt Kang Xiaoguang, Professor  der Renmin Universität in Peking, „der Führungszirkel, Akademiker, aber auch Normalbürger.“ China sieht seine Stunde gekommen.

Dass diese Rechnung aufgeht ist allerdings keinesfalls sicher: „China läuft gerade Gefahr, seinen einzigen echten Verbündeten zu verlieren“, sagt ein europäischer Diplomat in Peking, „nämlich die ausländische Wirtschaft.“

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.03.2010, 00:30 UhrAnonymer Benutzer: Nolan

    Die Wirtschaftslage wird schlechter, der Druck auf die Unternehmen un die bevölkerung wird größer. Plötzlich schiesst man sich auf China ein, das ist scheinheilig und kurzsichtig gedacht.
    Firmen machen Geschäfte und keine Politik. Wer mit der Kultur des Gastlandes nicht klarkommt, der sollte besser zu Hause bleiben und dort seine Geschäfte tätigen.
    China ist auf einem guten Weg. Unbestritten, dass es viele Missstände gibt, aber was erwarten Sie denn? Das Land hat sich vor knapp 30 Jahren geöffnet und hat einen wahnsinnigen Run an den Tag gelegt. Die Chinesen sind fleissig und schlau und vor allem stehen die allermeisten zu ihrem Land. Mittlerweile studieren hunderttausende im Ausland und kommen auch gerne wieder zurück. Sie bringen neue ideen mit ins Land, meistens unbeeindruckt von politischen idealen. Dort heisst es: Familie (Kind und Eltern an erster Stelle), dann Geld, danach lange nichts mehr... Für die meisten mag das befremdlich klingen, aber diese Reihenfolge empfinde ich persönlich besser, als die Zerfaserung, die bei allen Werten hier im Westen stattfindet.
    China-Kenner wissen, dass China nicht von heute auf morgen auf eine Demokratie im westlichen Sinne umschalten kann. Das Land ist riesig und würde auseinanderbrechen.
    ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt, es gab keinerlei Repressionen, ich habe mich an alle Orten in China frei bewegen können. Es wurde normal über Politik gesprochen, wobei alle Chinesen mit der Richtung zufrieden waren, aber auch genau wussten, es kann nicht so gehen wie im Westen und die meisten wollen auch nicht den gleichen Weg gehen. Auf dem Land wurde mir von bauern gesagt, dass es endlich möglich ist, einen bescheidenen Wohlstand aufzubauen (nicht zu vergleichen mit unserem), aber es ist der Weg der zählt.

  • 24.03.2010, 15:47 UhrAnonymer Benutzer: Apartheid

    in Südafrika haben westlichen Unternehmen zuerst die Apartheid innerhalb des Unternehmens aufgehoben bevor die Schranke im Land selbst fiel.
    @ boss: wer zu spät kommt den bestraft das Leben.
    Außerdem fehlt ihnen jedliches historische Denken.

  • 24.03.2010, 05:47 UhrAnonymer Benutzer: Boss

    entschuldigung aber wenn ich in einem Land geschäfte mache, muss mich den lokalen gegebenheiten und gesetzen beugen oder das geschäft sein lassen. dies ist einfache vwl. wenn google nicht in china aktiv sein will ok. wenn china sich nicht wie einst deutschland amerikanisieren will: umso besser. warum sollen wir immer den usa in allem folgen. früher hatten wir auch mit usa oder sowjetunion 2 politische lager und weltanschauungen. dies ist doch nichts neues. auch in den 1980ern gabe es handel zwischen usa und russland aber niemand hätte sich getraut damals dem anderen etwas politisch vorzuschreiben. china ist kommunistisch. google sollte dies nicht vergessen und denken nur weil die wirtschaft kapitalistische züge hat wäre es eine freie marktwirtschaft

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