Chip-Hersteller: Qimonda ist pleite

Chip-Hersteller: Qimonda ist pleite

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Der seit Monaten ums Überleben kämpfende Speicherchip-Hersteller Qimonda hat einen Insolvenzantrag gestellt. Selbst das Rettungspaket, das von Sachsen, Infineon und Portugal geschnürt worden war, konnte die Löcher in den Finanzen nicht decken. Seinen Betrieb will Qimonda dennoch aufrechterhalten.

Der schwer angeschlagene Speicherchip-Hersteller Qimonda ist pleite. Die Infineon -Tochter habe Insolvenzantrag beim Amtsgericht München gestellt, sagte eine Gerichtssprecherin heute. „Es ist ein Eigenantrag eingegangen.“ Dieser müsse jetzt eingetragen werden, über das weitere Vorgehen müsse dann der zuständige Richter entscheiden. Das Unternehmen bestätigte den Insolvenzantrag.

und will seinen Betrieb trotz Insolvenz aufrecht erhalten. Der Vorstand sehe „gute Chancen“, die zur Neuausrichtung notwendigen finanziellen Mittel in Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern und Investoren zu bekommen, teilte das Unternehmen heute in München mit. Der Vorstand sei bestrebt, wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren. „Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können“, sagte Vorstandschef Kin Wah Loh.

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Der Chiphersteller kämpft schon seit Wochen ums Überleben. Hintergrund des Insolvenzantrags sei letztlich der massive Preisversfall in der DRAM-Industrie in Kombination mit einem sich dramatisch verschlechterten Zugang zu Finanzierungen auf den Kapitalmärkten gewesen, hieß es. Das Rettungspaket des Landes Sachsen, der Mutter Infineon sowie des portugiesischen Staates habe „trotz intensiver jedoch äußerst komplexer Verhandlungen sowie zugesagten Finanzierungshilfen von Kunden in den vergangenen Tagen und Wochen nicht rechtzeitig abgeschlossen werden“ können.

Zusätzlicher Kapitalbedarf von 300 Millionen Euro

Vor kurzem war bekannt geworden, dass Qimonda zusätzlichen Geldbedarf von rund 300 Millionen Euro hat. Damit benötigt der Konzern insgesamt rund doppelt so viel die im Rettungspaket vorgesehene Kapitalspritze – nach bisherigen Plänen sollte das Unternehmen, das allein in Dresden rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt, mit einem 325-Millionen-Euro-Paket vor der Insolvenz gerettet werden.

Enthalten ist darin neben einem 150 Millionen-Euro-Kredit aus Sachsen auch ein Darlehen von Portugal über 100 Millionen Euro, wo Qimonda ebenfalls ein Werk betreibt. Von Infineon sollten 75 Millionen Euro kommen. Außerdem war eine Bund-Länder-Bürgschaft von 280 Millionen Euro vorgesehen. Berichten zufolge gelingt es dem Qimonda-Eigentümer Infineon nicht, das von der Politik verlangte Zukunftskonzept zu finanzieren.

Der sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk sagte, er vermisse ein überzeugendes Konzept des Speicherchip-Herstellers. „Ich bedaure zutiefst, dass es Qimonda nicht geschafft hat, eine geschlossene Finanzierung auf die Beine zu stellen“, sagte der SPD-Politiker heute in Dresden. Er hoffe, dass das Insolvenzverfahren genutzt werde, „um die innovative Speichertechnologie in Dresden zu halten“.

Infineon konnte keinen Käufer finden

An der Börse wurde die Nachricht negativ aufgenommen. Die Infineon-Aktie verlor im frühen Handel11,89 Prozent auf 0,630 Euro. Die Qimonda-Papiere brachen um 64,11 Prozent auf 0,075 Euro ein.

Infineon hält noch 77,5 Prozent an Qimonda. Die verzweifelte Suche nach einem Käufer für das Paket verlief erfolglos. Infineon-Chef Peter Bauer hatte als Belastungen zuletzt unter anderem Mietausfälle, Kartell- und wertpapierrechtliche Verfahren, die eventuelle Rückzahlung öffentlicher Fördermittel und Forderungen von Qimonda-Mitarbeitern genannt. Den Unternehmenswert von Qimonda in den eigenen Büchern hatte Infineon aber bereits auf Null gesenkt.

Allerdings hatte Infineon Verluste im Zusammenhang mit unrealisierten Währungseffekten in seinem Eigenkapital erfasst. Die Summe belief sich zum Ende des Geschäftsjahres 2007/2008 im September auf 187 Millionen Euro. Inwiefern der Betrag nun das Ergebnis belasten wird, ist unklar. Dass eine Qimonda-Insolvenz allerdings Infineon mitreißen würde, hatte Bauer stets ausgeschlossen.

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