Chiphersteller: Aktionärsaufstand bei Infineon wird kaum Schule machen

KommentarChiphersteller: Aktionärsaufstand bei Infineon wird kaum Schule machen

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WirtschaftsWoche-Redakteur Wilfried Eckl-Dorna

Angekündigte Revolutionen finden nur selten statt – dieses Sprichwort trifft auch auf den Infineon-Aufsichtsrat zu. Gestern scheiterte Willi Berchthold, der Kandidat der Rebellen klar in der Abstimmung um den neuen Aufsichtratschef bei Infineon. Berchtholds Niederlage tut der deutschen Aktionärskultur gut – doch sein Beispiel taugt kaum als Vorbild.

Die Rebellen kamen in Nadelstreifen – und sie verhielten sich sehr gesittet: Gestern kurz nach 13 Uh hatte ihr Anführer Hans-Christoph Hirt seinen großen Auftritt bei der Hauptversammlung des Chipherstellers Infineon. Doch Hirts Rede war reichlich unspektakulär: Artig lobte der 36-jährige Manager des britischen Pensionsfonds Hermes den Infineon-Vorstand für seine jüngsten Zahlen.

Dabei hat Hirt in den letzten Wochen deutsche Aktionärsgeschichte geschrieben. Er hat eine Kampfabstimmung angezettelt, die vor wenigen Jahren noch undenkbar war. 18 Monate lang hat sich Hirt an einer Erneuerung des Infineon-Aufsichtsrats abgearbeitet. Eineinhalb Jahre lang ist ihm das nicht gelungen. Deshalb hat Hirt gestern einen Gegenkandidaten für die Wahl zum Infineon-Aufsichtratschef aufgestellt: Den 59-jährigen Willi Berchthold, jahrelang Chef des IT-Branchenverbands Bitkom.

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Aufstand hat viel bewegt

Anfangs sah alles danach aus, als würde sich Berchthold gegen den Klaus Wucherer durchsetzen, den handverlesenen Nachfolger des scheidenden Infineon-Oberaufsehers Max Dietrich Kley. Die erste Abstimmungshürde, in der es um die Zulassung des Gegenkandidaten ging, nahm Berchthold spielend. Doch in der Hauptabstimmung fiel der IT-Spezialist klar durch: Nur 27,4 Prozent der Aktionärsstimmen entfielen auf ihn.

Die Enttäuschung war Berchthold und Hirt äußerlich nicht anzumerken. Dennoch haben sie viel bewegt. Bislang hatten Aufsichtratschefs bei der Suche nach ihren Nachfolgern viel mitzureden. Das dürfte in Deutschland nach dem Infineon-Kapitel nun deutlich schwieriger werden.

Mit Kley ist nun einer der letzten Vertreter des Old-Boys-Netzwerks deutscher Prägung abgetreten. Jahrzehntelang hat ein kleiner Kreis so die Geschicke von Deutschlands größten Unternehmen gelenkt. Das führe zu laxen Kontrollen des Vorstands - wie das Beispiel Infineon exemplarisch zeigt.

Infineon: Chips- und Schlagzeilenlieferant

Die ehemalige Siemens-Tochter Infineon ist schon seit Jahren Lieferant spektakulärer Schlagzeilen. Mal kamen sie vom ehemaligen Vorstandschef Ulrich Schumacher, der zum Börsengang mit Rennanzug im Porsche vorfuhr. Dann geriet Infineon in den Fokus der Reporter, weil die Aktie nach einem steilen Anstieg ins Bodenlose stürzte. Infineon fiel im harten Wettbewerb der Halbleiter-Hersteller immer weiter zurück, der Börsengang der Speicherchip-Sparte Qimonda mündete nach kurzer Zeit in der Insolvenz. Infineon stand 2009 selbst kurz vor dem Aus, schaffte aber trotz mehrfacher Chefwechsel den Turnaround.

Mit anderen Worten: Infineon bot den Medien großes Kino, was die Aktionäre nicht gerade erfreute. Die jahrelangen Querelen bei dem Halbleiterhersteller sind aber mit anderen, stabileren Dax-Unternehmen kaum vergleichbar. Zum Aufstand der Infineon-Aktionäre gehörte auch eine gehörige Portion Wut über ein Management, das vom Aufsichtsrat kaum an die Kandare genommen wurde. Diese Konstellation ist in den anderen Dax-Konzernen eher selten anzutreffen.

Gute Unternehmensführung schützt gegen Aktionärs-Rebellionen

Aktionäre der Deutschen Bank oder Siemens sind mit dem Kurs ihrer Unternehmen vermutlich zufriedener als Infineon-Anteilseigner, deren Geduld in den letzten Jahren auf viele harte Proben gestellt wurde. Eine ähnlich offene Rebellion wie bei Infineon wird deshalb so rasch nicht ausbrechen. Trotzdem zeigen einige Beispiele, dass sich Deutschlands Aktionäre längst nicht mehr alles gefallen lassen: Bei Tui etwa begehrt ein unzufriedener Großaktionär beharrlich auf und hat damit langsam Erfolg. Von Aktionären geforderte Machtwechsel finden durchaus auch mal statt, wie die Vorkommnisse beim Roboter-Spezialisten Kuka vor kurzem bewiesen.

Ob die Revolte bei Infineon nun wirklich Schule macht, ist aber unklar. Denn in besser gemanagten Unternehmen staut sich wohl kaum so viel Aktionärswut auf. Die Aufsichtrats-Querelen haben Infineon eher gelähmt als vorangebracht. Ein straff geführtes Unternehmen mit professionellen Aufsichtsräten lässt solche Umsturz-Gedanken erst gar nicht aufkommen. Insofern war die Infineon-Episode auch ein Plädoyer für gute Corporate Governance: Gekonnte Unternehmensführung bietet einen natürlichen Schutzwall gegen solche Putschversuche.

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