Chiphersteller: Der unaufhaltsame Abstieg von Infineon

Chiphersteller: Der unaufhaltsame Abstieg von Infineon

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Fahnen mit dem Logo des Unternehmens Infineon

Der Umsatz des Chipkonzerns Infineon könnte im laufenden Jahr um 20 Prozent sinken. Das Unternehmen braucht frisches Geld und liebäugelt mit Partnern und Staatshilfen. Der Abstieg aus dem Dax ist kaum noch aufzuhalten.

Der kriselnde Chipkonzern Infineon hält angesichts der schlechten Branchenlage und hoher Verluste Ausschau nach Staatshilfen und möglichen Partnern. „Was als Finanzkrise begann, entpuppt sich nun als massiver Markteinbruch, wie wir ihn selbst 2001 nicht hatten“, sagte Vorstandschef Peter Bauer am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in München. Zu erwarten sei 2009 auf jeden Fall ein Umsatzrückgang von mindestens 15 Prozent.  Zugleich ergänzte Bauer aber, Analysten hätten zuletzt sogar einen Rückgang von etwas mehr als 20 Prozent erwartet, „was unserer Einschätzung nach nicht auszuschließen ist“.

Mit einer Besserung sei frühestens 2010 zu rechnen. Angesichts des schwachen Aktienkurses von weniger als einem Euro rechne er außerdem mit einem Abstieg seines Unternehmens aus dem Leitindex DAX, sagte Bauer. An der Börse wurde die Rede Bauers mit weiteren Abschlägen quittiert. Die Aktie verlor zeitweise nochmals 2,6 Prozent und stand gegen Mittag bei 74 Cent. Der Unternehmenswert lag damit bei gerade einmal 554 Millionen Euro. Kurz nach dem Börsengang im Frühjahr 2000 hatte die Aktie noch mehr als 90 Euro gekostet.

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Der Aktienkurs schmerze ihn auch persönlich, sagte Bauer. Das Papier hat binnen Jahresfrist rund 90 Prozent an Wert verloren. Im Dezember wurde Infineon zum ersten sogenannten Penny Stock im Leitindex Dax, also die erste Aktie, die nur noch im Cent-Bereich notiert.

Der Sparkurs wird verschärft - Bauer verzichtet auf Gehalt

Das Unternehmen steckt in massiven Schwierigkeiten. Unter anderem wegen der desolaten Lage bei der insolventen Speicherchip-Tochter Qimonda war im vergangenen Geschäftsjahr ein Verlust von rund 3,1 Milliarden Euro angefallen - bei einem Umsatz von 4,3 Milliarden Euro. Auch das neue Geschäftsjahr begann wegen der Wirtschaftskrise schlecht: Von Oktober bis Dezember fiel ein Minus von mehr als 400 Millionen Euro an. Bemerkbar machten sich hier vor allem die Bestellrückgänge aus der Autoindustrie.

Um die Kosten zu senken, will Infineon nun weiter sparen. Neben dem bereits angekündigten Abbau von rund 3000 Arbeitsplätzen, Kurzarbeit in den Werken Regensburg, Dresden, München und Warstein sowie dem Ausstieg aus dem Arbeitgeberverband will Infineon auch das Bonussystems umstellen sowie bei den Reisekosten sparen. Infineon versuche so, den Abbau weiterer Arbeitsplätze zu vermeiden, betonte Bauer am Donnerstag nochmals. Ausschließen könne er einen solchen Schritt aber nicht.

Er selbst werde im laufenden Geschäftsjahr neben seinem variablen Gehalt auch auf 20 Prozent seines Grundgehalts verzichten. Bei seinen Vorstandskollegen seien es 10 Prozent. Sollte sich die gegenwärtige Wirtschaftskrise weiter verschärfen, werde Infineon ein Alternativkonzept umsetzen, sagte Bauer. „Sie können auch sicher sein, dass ich die Krise nutze, um strategische Optionen auszuloten.“

Konkreter war er zuvor in der „Süddeutschen Zeitung“  geworden. Infineon werde, falls es sich anbietet, den Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen prüfen, sagte er dem Blatt. „Wenn wir unsere Marktposition verbessern können, ist das allemal positiv.“ Selbst der Einstieg eines Finanzinvestors sei denkbar. Möglichen Partnern gehe es derzeit aber kaum besser als Infineon selbst, sagte Bauer. Auch sie litten unter der weltweit drastisch eingebrochenen Nachfrage.

Infineon könne sein laufendes Geschäft mit den Geldreserven von zuletzt rund 700 Millionen Euro noch eine ganze Weile bestreiten. Problem sei derzeit vor allem aber die Ablösung auslaufender Anleihen. Dadurch besteht in den kommenden Monaten ein Geldbedarf von mehreren hundert Millionen Euro. Angesichts der zögerlichen Kreditpolitik vieler Banken ist dieses Geld derzeit aber nur schwer aufzutreiben. Eine Staatsbürgschaft könnte hier helfen, sagte Bauer der „SZ“. „Es besteht kein akutes Insolvenzrisiko, aber wir brauchen frisches Geld.“

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