Chiphersteller: Infineon leidet unter Krise und Qimonda-Pleite

Chiphersteller: Infineon leidet unter Krise und Qimonda-Pleite

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Infineon-Zentrale: Intelligent gestaltete Büros könnten den Stress reduzieren.

Der Umsatz von Infineon ist um fast ein Drittel eingebrochen. Die Verluste waren jedoch weniger schlimm, als befürchtet. Für die insolvente Tochter Qimonda legt der Konzern weitere 195 Millionen Euro zurück - mehr könnte folgen.

Der Halbleiter-Konzern Infineon hat im ersten Geschäftsquartal schwer unter der Wirtschaftsflaute und der Insolvenz der Speicherchip-Tochter Qimonda gelitten. „Im zweiten Quartal werden sich die Marktbedingungen leider noch weiter verschlechtern“, sagte Konzernchef Peter Bauer in München. „Wir werden daher unsere Kosten und Investitionsausgaben weiter reduzieren.“

Lagerbestände sollen abgebaut und die Produktion gedrosselt werden. Von zusätzlichen Stellenstreichungen ist über dagegen vorerst keine Rede.

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Der Umsatz brach von Oktober bis Dezember binnen drei Monaten um 28 Prozent auf 830 Millionen Euro ein. Das Ergebnis der fünf Segmente rutschte in der Folge mit 102 Millionen Euro ins Minus. Im Wesentlichen durch eine Rückstellung für mögliche Schäden aus der Qimonda-Insolvenz lag der Verlust unterm Strich bei 404 Millionen Euro. Analysten hatten aber mit einem noch schwächeren Abschneiden gerechnet. Ein Händler monierte allerdings den schwachen Ausblick. Die Infineon-Aktie gewann im frühen Handel 10,34 Prozent auf 0,800 Euro hinzu.

Jahresprognose bleibt bestehen

Im zweiten Quartal rechnet Infineon damit, dass der Umsatz um weitere etwa zehn Prozent zurückgeht. Während es in den jetzt gebeutelten Sparten Auto und Mobilfunk tendenziell besser laufen soll, erwartet der Konzern Verschlechterungen im Geschäft mit Industrieanwendungen, Sicherheitschips und der drahtgebundenen Kommunikation. Letztlich soll abermals ein Verlust anfallen.

Infineon steht trotz der befürchteten Verschlechterung der Lage zu seiner Jahresprognose, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Konzernchef Bauer geht von einem Erlösrückgang von mindestens 15 Prozent sowie roten Zahlen aus. Die Ausweitung des Sparprogramms soll aber ergebnisseitig für etwas Erleichterung sorgen: Statt 250 Millionen Euro will das Unternehmen jetzt 600 Millionen Euro bis Jahresende mehr in der Kasse übrig behalten.

Infineon hatte unter anderem Kurzarbeit an den Standorten Regensburg und Dresden verordnet, sein Bonussystem umgestellt und gibt weniger Geld für Reisen aus. Darüber hinaus fährt das Unternehmen seine Investitionen zurück. Der Abbau von 3.000 Stellen sei zu 85 Prozent in trockenen Tüchern, hieß es.

Für das drohende Aus seiner Speicherchip-Tochter Qimonda hat das Unternehmen vorgesorgt. Die Rückstellungen und Wertberichtigungen seien um 195 Millionen Euro erhöht worden, hieß es. Infineon warnte aber, dass es keine Sicherheit gebe, dass die angesetzte Summe ausreicht, um allen Verpflichtungen nachzukommen.

Der Konzern fürchtet die Rückzahlung öffentlicher Fördermittel, Forderungen von Mitarbeitern sowie Kartellverfahren. Infineon rechnet damit, dass Qimonda im zweiten Geschäftsquartal (bis März) dekonsolidiert wird. Dann würden auch Verluste aus Währungseffekten realisiert, die bereits im Eigenkapital erfasst sind. Der Wert lag Ende Dezember bei rund 100 Millionen Euro. Qimonda ist in den USA börsennotiert, hat seinen Sitz aber wie die Mutter in München und bilanziert in Euro.

Infineon hält noch 77,5 Prozent an Qimonda. Die Tochter brockte der Mutter im ersten Geschäftsquartal insgesamt Verluste von unterm Strich 288 Millionen Euro ein. Die Tochter leidet seit mehr als einem Jahr unter den am Boden liegenden Speicherchip-Preisen. Mitte Januar hatte sie nach dem Scheitern eines staatlichen Hilfspakets vorläufige Insolvenz anmelden müssen. Der Betrieb läuft aber erst einmal weiter. Insolvenzverwalter Michael Jaffe muss bis Ende März einen Investor gefunden haben, sonst droht das endgültige Aus.

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