Chipkonzern: Qimonda hofft auf Rettungsanker

Chipkonzern: Qimonda hofft auf Rettungsanker

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Zufahrt zum Qimonda-Werk in Dresden: Infineon-Chiptochter nicht konkurrenzfähig

Der insolvente Chipkonzern Qimonda hofft auf eine neue Technologie als letzten Rettungsanker. Das Aus für Dresden ist damit aber kaum zu verhindern.

Die Angst geht um in Dresden: Heute demonstrieren die Beschäftigten des in die Pleite gerutschten Speicherchipherstellers Qimonda in der sächsischen Landeshauptstadt für den Erhalt ihrer Jobs, „mindestens 1000 Teilnehmer“ erwartet der zuständige IG-Metall-Beauftragte Wiegand Cramer. Allein im Dresdner Chipwerk von Qimonda arbeiten rund 3200 Mitarbeiter, weltweit beschäftigt die insolvente Tochter des Dax-Konzerns Infineon rund 13.000 Menschen.

Nachdem das im Dezember eilig geschnürte Rettungspaket in Höhe von 325 Millionen Euro für den kriselnden Chipkonzern Ende vorvergangener Woche platzte und Qimonda in die Zahlungsunfähigkeit schlitterte, lautet nun die alles entscheidende Frage: Welche Teile des Unternehmens sind überlebensfähig und wie viele Jobs können gerettet werden?

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Wohl nur wenige, sollte Nam Hyung Kim mit seiner skeptischen Sicht recht behalten: „Die Qimonda-Werke in Dresden und Richmond/USA sind für Investoren kaum interessant.“ Kim ist Chefanalyst für das weltweite Speicherchipgeschäft beim US-Marktforschungshaus Isupply.

Das sehen Qimonda und der vom Amtsgericht München bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé naturgemäß anders. Der Münchner Anwalt will bis März ein Restrukturierungskonzept vorlegen. Immerhin hätten sich „erste Interessenten“ gemeldet, Verhandlungen gebe es aber noch nicht. Jaffé reiste zu Wochenbeginn zu Gesprächen nach Portugal.

Auf Hilfe der Europäischen Union kann das Unternehmen dabei nicht hoffen. „Niemand kann ein Unternehmen retten, das sein Eigentümer nicht retten will“, sagte der SPD-Politiker der „SächsischenZeitung“. Wenn ein Unternehmen nicht mehr an einen Standort glaube, seien in einer Marktwirtschaft die Würfel gefallen. Verheugen fügte hinzu, generell gelte, dass gemeinschaftliche Fördermittel nicht für eine Firmenrettung eingesetzt werden dürften. Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) hatte am Vortag angesichts der Qimonda-Insolvenz Hilfen aus Brüssel für die europäische Chipindustrie gefordert.

Qimonda-Werk Dresden ist nicht wettbewerbsfähig

Doch das Management übt sich in Pflichtoptimismus: Das deutsche Insolvenzrecht biete die Chance, den „bereits begonnenen Restrukturierungsprozess zu beschleunigen und das Unternehmen wieder auf eine solide Basis zu stellen“, hofft Qimonda-Chef Kin Wah Loh.

Lohs Hoffnungen gründen dabei vor allem auf eine neue, selbstentwickelte Fertigungstechnologie namens Buried Word-line. Mit ihr kann man kleinere Chips zu günstigeren Preisen herstellen. Das verspricht laut Qimonda gegenüber Konkurrenztechnologien einen Kostenvorteil von 40 Prozent. Ein riesiger Wettbewerbsvorsprung im Speicherchipgeschäft, der seit Monaten unter dramatischem Preisverfall leidet. Bisher verwendet Qimonda die Technologie noch nicht, weil die Einführung Investitionen erfordert hätte, die das Unternehmen bis dato nicht stemmen konnte.

Immerhin: „Qimondas neue Technologie ist geeignet, langfristig die Produktionskosten zu senken“, konstatiert auch Isupply-Analyst Kim – und schüttet umgehend Wasser in den Wein: Das Fertigungsverfahren sei eine komplette Neuentwicklung, die nicht auf Vorläufertechnologien aufbaue und sich daher noch nicht in der Praxis bewähren konnte.

„Daher lautet die größte Hürde: Welcher Interessent ist bereit, das Risiko zu schultern, in eine neue Technologie ohne Erfolgshistorie zu investieren?“ Denn im heißumkämpften und extrem preissensiblen Speicherchipgeschäft kommt es bei der Herstellung der kleinen Bauteile auch darauf an, wenig Ausschuss zu produzieren. „Das eine ist, eine neue Technologie zu haben – das andere, damit gute Ergebnisse zu erzielen“, sagt Kim.

Selbst wenn sich ein Käufer für die neue Technik fände: Eine Rettung für die Halbleiterwerke in Richmond und Dresden bedeutet das aller Voraussicht nach nicht. Zum einen sind Qimondas Werke wegen der hohen Arbeitskosten im Vergleich zu asiatischen Chipfabriken wenig attraktiv für Investoren. Das betrifft Dresden aufgrund der Euro-Stärke noch mehr als Richmond.

Weil Qimonda seit Langem die Investitionen in die Fabriken runtergefahren hat, ist Dresden überdies kaum noch wettbewerbsfähig, was den Ausstoß der pizzagroßen Siliziumscheiben betrifft. Auf jedem dieser sogenannten Wafer befinden sich mehrere Tausend Speicherchips. Um diese zu konkurrenzfähigen Preisen fertigen zu können, ist neben der Technologie eine gewisse Mindestanzahl notwendig.

„Moderne Chipfabriken schaffen zwischen 100.000 und 200.000 Wafer im Monat – Dresden dagegen gerade mal 30.000“, so Kim. Mehr noch: „Wegen der Finanzkrise tut sich jeder Käufer schwer mit größeren Investitionen – und falls nicht, dürfte er zunächst in seine eigenen Werke investieren“, sagt Kim.

Damit dürfte ein großer Teil der rund 4600 Qimonda-Beschäftigten in Deutschland frostigen Zeiten entgegengehen. „Es werden nicht viele Jobs übrigbleiben“, prophezeit ein hochrangiger Branchenkenner. Auch IG-Metall-Mann und Infineon-Aufsichtsrat Wiegand Cramer sieht die Lage düster: „Jede externe Lösung – wie auch immer sie aussieht – erhöht das Risiko für den Standort Dresden.“ Ohne Investor könnte das Schicksal der Mitarbeiter freilich schon im April besiegelt sein, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wird.

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