Christian Gisy im Interview: "Opern und Sport im Kino"

Christian Gisy im Interview: "Opern und Sport im Kino"

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Cinemaxx-Chef Christian Gisy

Mit zusätzlichen Investitionen und Angeboten will der neue Chef der Kinokette Cinemaxx, Christian Gisy, die Krise überwinden.

WirtschaftsWoche: Herr Gisy, wie wollen Sie schaffen, was anderen bisher misslang: Cinemaxx aus den roten Zahlen zu bringen und die Kinobranche aus der Krise zu führen?

Gisy: Wir haben uns im vergangenen Jahr schon positiv entwickelt...

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Wie bitte? Der Cinemaxx-Umsatz sank um 3,8 Prozent auf 160 Millionen Euro, die Zahl der Besucher fiel um mehr als sechs Prozent auf 16,7 Millionen, und der Fehlbetrag lag bei 5,1 Millionen Euro.

Das, was wir kurzfristig selber machen konnten, haben wir gemacht. Cinemaxx hat sich 2007 besser entwickelt als der Markt. Aber es gibt auch Dinge, die wir nicht beeinflussen können: Wenn uns keine Filme angeboten werden, die das Interesse des Publikums finden, haben wir ein Problem. Da ist es auch mit einer weiteren Kostenreduktion nicht mehr getan.

Vor einem Jahr hatten Sie für 2008 wieder schwarze Zahlen angekündigt. Schafft Cinemaxx das?

Die Entwicklung ist relativ gut, auch wenn die Zahlen für das erste Halbjahr negativ sind. In der zweiten Jahreshälfte kommen Filme, die uns hoffnungsfroh stimmen. Außerdem geben wir noch einmal einige defizitäre Häuser ab. Am 30. September haben wir in Deutschland noch 32 Multiplexe, also große Kinocenter, zwei weniger als zu Jahresbeginn. Mittelfristig wollen wir auf 27 bis 29 Häuser kommen. Und aus dem traditionellen Kinobereich ziehen wir uns komplett zurück. Wenn das zweite Halbjahr das bringt, was wir uns erhoffen, will ich nicht ausschließen, dass wir 2008 nahe an die schwarze Null kommen.

Das klingt alles noch sehr defensiv. Welche Innovationen planen Sie?

Im Moment investieren wir sehr stark in die Technologie. Wir haben unseren Internet-Auftritt verbessert und stellen in den Kinos LCD-Bildschirme auf, auf denen wir Trailer und Werbung zeigen. Allein die LCD-Technologie erfordert ein Investment von bis zu drei Millionen Euro. Zweiter Aspekt ist der Relaunch der Häuser. In den nächsten drei bis fünf Jahren werden wir dafür sicherlich 7,5 bis 10 Millionen Euro aufbringen.

Bisher warben die Kinos vor allem mit Billigtagen um neue Zuschauer. In Essen haben Sie jedoch einen Luxussaal eingerichtet mit Ledersesseln, Tischen und Bedienung am Platz und dafür den Eintritt dort erhöht. Ist das die Zukunft?

Wir haben dafür noch keinen definitiven Plan. In Essen ist das ein Test. Es wird immer Standorte geben, wo man so etwas machen kann. Es gibt aber auch Standorte, wo es wirtschaftlich keinen Sinn macht.

Wann kommt die Digitalisierung, die neue Chancen eröffnet und den Vertrieb vereinfacht und verbilligt?

Um all unsere Kinosäle mit digitaler Technik auszurüsten, brauchen wir circa 20 Millionen Euro. Diese Lasten müssen zwischen Kinobetreiber und Verleiher verteilt werden. Denn im ersten Schritt profitieren vor allem die Verleiher davon. Sie sparen dann nämlich die Kosten für die Filmkopien.

Dann wird Kino also billiger?

Wir sprechen von Ersparnissen der Verleiher, nicht bei uns, die wir die Preise für die Karten festlegen. Die Verleiher sind knallhart, die wollen auch künftig dieselben Leihmieten für ihre Filme erzielen.

Aber an den Investitionen in den Kinos beteiligen sich die Verleiher?

Bis jetzt gibt es keine Einigung über die Lastenverteilung. Aber der Druck steigt, weil einige Filmproduzenten im nächsten Jahr große 3-D-Filme herausbringen wollen, und das geht nicht ohne digitale Technik.

Ein Problem bleibt: Wenn die Produzenten keine guten Filme anbieten, bleiben die Kinobesucher weg.

Wir müssen generell die Abhängigkeit vom Kerngeschäft reduzieren: das Gastronomie-Angebot ausweiten zum Beispiel. Außerdem beobachten wir Video-on-demand und sind gerade dabei, uns dem Thema DVD zu öffnen. Ferner haben wir in unseren Kinos schon Opern- und Sportübertragungen gezeigt. Wenn die Kinos über digitale Technik verfügen, können wir diesen Bereich ausbauen und neue Produkte anbieten.

Wann ist denn die Konsolidierung des Kinomarkts abgeschlossen?

Hat die schon angefangen? Aus meiner Sicht nicht.

Wann ist die Sanierung von Cinemaxx abgeschlossen?

Das wird noch ein, zwei Jahre dauern.

Dann zahlen Sie wieder eine Dividende?

Aus meiner Sicht erst, wenn wir die Maßnahmen abgeschlossen haben, die es uns erlauben, nachhaltig eine Dividende zu zahlen.

Wer folgt Ihnen als Finanzvorstand nach?

Der Bereich Finanzen wird bei mir bleiben. Ob noch ein zweites Vorstandsmitglied hinzukommt, weiß ich nicht. Ich käme auch als Alleinvorstand gut zurecht.

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