Christopher Viehbacher im Interview: "Wir waren zu träge"

Christopher Viehbacher im Interview: "Wir waren zu träge"

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Christopher Viehbacher

von Jürgen Salz und Gerhard Bläske

Der Chef des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis, Christopher Viehbacher, über reduzierte Arzneimittelforschung, Nachahmerpräparate und die Zukunft des deutschen Produktionsstandorts.

WirtschaftsWoche: Herr Viehbacher, Sie sind seit 18 Monaten im Amt, haben bei Sanofi-Aventis aber schon Vorstandsmitglieder ausgetauscht, Stellen abgebaut, für zehn Milliarden Euro Akquisitionen getätigt. Warum alles auf einmal?

Viehbacher: Ich bin neu in das Unternehmen gekommen, und es gab eine große Erwartung, dass sich etwas ändert. Damit sollte man nicht lange warten. Ich habe deshalb gleich an meinem ersten Arbeitstag, am 1. Dezember 2008, mein Transformationsprogramm vorgestellt und im Januar mit der Umsetzung angefangen.

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Woher kam der Antrieb? Sanofi-Aventis macht doch acht Milliarden Euro Gewinn.

Ja, aber es ist wichtig, zu handeln, für die Aktionäre, aber auch für die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz morgen noch haben wollen. Wir waren zu träge. Wir hatten elf Managementebenen in der Forschung und Entwicklung, das war viel zu bürokratisch. Zudem hing der Unternehmenserfolg einzig von den Patenten für innovative Arzneimittel ab. Wenn die ausliefen, wurde früher ein neues Unternehmen übernommen, das über solche Patente verfügte, zum Beispiel 2004 der Wettbewerber Aventis, der 1999 aus der Fusion der deutschen Hoechst AG und dem französischen Pharmakonzern Rhône Poulenc hervorgegangen war.

Diese Übernahme führte jedoch dazu, dass unsere eigene Forschung zu träge war. Wir entwickelten nicht genug neue Medikamente.

Und woran liegt das?

Zu große Einheiten haben auch deshalb Schwierigkeiten mit Innovationen, weil Dinge nicht mehr infrage gestellt werden. Es geht die Freiheit verloren, unangenehme Fragen zu stellen.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Wir müssen uns breiter aufstellen, die Organisation ändern, Hierarchien abbauen. Wir haben zu wenig neue Produkte, die Wachstum generieren.

Das heißt konkret?

Wir haben fünf Felder identifiziert, um nachhaltiges Wachstum sicherzustellen und die Abhängigkeit von patentgeschützten Medikamenten zu reduzieren. Das sind Impfstoffe, bei denen wir unsere Kompetenzen weiter ausbauen und investieren werden, denn unser Vorteil ist, dass es hier nur drei, vier große Firmen gibt, die auf dem Gebiet tätig sind. Zweitens Generika, also die Nachahmung von patentfreien Präparaten, drittens rezeptfreie Arzneimittel, bei denen die Marke eine große Rolle spielt, viertens das Gebiet Diabetes und fünftens das Geschäft in den Schwellenländern. Wenn wir hier Erfolg haben, werden wir eine Führungsposition einnehmen.

Wieso hat Sanofi-Aventis in den vergangenen Jahren so wenig Innovationen hervorgebracht?

Wir hatten unsere Kunden zu wenig im Auge.

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