CO2-Anhörung in Brüssel: HeidelbergCement erwägt Umzug nach Indonesien

CO2-Anhörung in Brüssel: HeidelbergCement erwägt Umzug nach Indonesien

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Der Vorstandsvorsitzende von HeidelbergCement, Bernd Scheifele

HeidelbergCement arbeitet an Plänen, die deutsche Produktion teilweise nach Asien auszulagern, sollte die EU bei ihrem Emissionsrechte-Projekt nicht einlenken. Er ist nicht der einzige.

Wenn die Bundesregierung heute bei der EU in Brüssel darlegen muss, wie sie sich die Reform des Emissionshandels vorstellt, schaut der Chef von HeidelbergCement, Bernd Scheifele, genau hin. Schließlich will die Europäische Kommission Industrieunternehmen von 2013 an zwingen, ihre Emissionsrechte zu ersteigern. Und das würde besonders in der energiehungrigen Zementbranche die Kosten hoch treiben. Allein in Deutschland wären bis zu 86 Prozent der Zementklinker-Produktion bedroht, stellt die Beratungsgesellschaft McKinsey vor kurzem in einer Studie fest.

Als Jurist hat Scheifele gelernt, sich immer auf das Schlimmste vorzubereiten. Beim Streit um den Klima-Plan verlässt er sich deshalb nicht auf die Lobbyisten in Berlin und Brüssel, auch wenn die alles tun, um Ausnahmeregelungen für ihre Branche zu erreichen. Wie es aus Konzernkreisen heißt, stelle das Unternehmen derzeit intern Pläne auf, gegebenenfalls Teile der deutschen Klinkerproduktion nach Indonesien zu verlagern. Unzermahlene Klinker sind das entscheidende Zwischenprodukt der Zementproduktion, jedoch entstehen bei deren Herstellung große Mengen CO2.

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Wichtig für eine solche Verlagerung sei vor allem, dass der künftige Produktionsort am Wasser liegt, um die Produkte per Schiff transportieren zu können, sagt ein Insider. In Indonesien besitzt HeidelbergCement schon vier Verladeterminals und drei Zementwerke.

Mit diesen Umzugsplänen steht der Konzern nicht allein. Der französische Konkurrent Lafarge übernahm 2007 für 12,9 Milliarden Dollar den ägyptischen Zementhersteller Orascom. Sollte die EU-Vorschrift zu streng ausfallen, „will Lafarge dort die Zementklinker brennen“, sagt Robert Feiger, Bundesvorstand der IG Bau und Aufsichtsrat bei HeidelbergCement.

Diese Vorbereitungen sind durchaus angebracht. Denn sollte die Versteigerung von Verschmutzungsrechten in dem befürchteten Umfang kommen, würde dies wohl vor allem der  nichteuropäischen Konkurrenz in die Hände spielen. Dabei könnten besonders Importe aus Saudi Arabien in ein paar Jahren zum Problem für die Europäer werden. Schließlich baut das Land aktuell eine ganze Reihe neuer Zementwerke.

Allein 2007 stieg die Kapazität der Saudis um zwölf Millionen Tonnen. Dieses Jahr kommen weitere 7,8 Millionen Tonnen dazu. 2013 wird das Land wohl Produktionsmöglichkeiten für jährlich 70 Millionen Tonnen Zement haben. Zum Vergleich: 2007 hat Deutschland 26,6 Millionen Tonnen produziert.

Dass die saudischen Zementhersteller die zum Klinkerbrand benötigten Mengen Gas daheim zum Billigtarif einkaufen, während andere Produzenten wie HeidelbergCement internationale Preise für Energie zahlen müssen, macht den Export für sie besonders attraktiv. Im Juni sah sich das saudische Königshaus gezwungen, Zement-Exporte vorerst zu verbieten. Die Hersteller hatten die inländische Baubranche zugunsten lukrativer Exporte vernachlässigt.

Doch dass das Verbot bestehen bleibt, wenn die neuen Zementwerke erst einmal arbeiten, gilt als unwahrscheinlich. Schon heute besitzt etwa die Saudi Cement Company ein modernes Verladeterminal am Persischen Golf – von dem aus das Unternehmen bis zum Exportstopp auch Zement nach Europa und Amerika verschifft hat.

Zumindest Lafarge könnte bald ebenfalls von billiger Energie profitieren, denn durch die Übernahme von Orascom sicherten sich die Franzosen ein saudisches Joint Venture, das aktuell im Königreich ein großes Zementwerk baut.

Allerdings hat die EU Experten zufolge zumindest eine Möglichkeit, trotz strenger Emissionsauflagen eine breite Abwanderung der heimischen Zementindustrie zu verhindern. Sie könnte entsprechende Importzölle auf Zementklinker erheben, um den Kostennachteil auszugleichen.

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