Commerzbank: Eine Bank hat genug

Commerzbank: Eine Bank hat genug

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Commerzbank-Chef Blessing

Die Commerzbank wurde einst mit Steuermilliarden gerettet. Heute empfindet sie den Staat als Last. 2011 will sie ihn abschütteln.

Wer ins Kloster Eberbach geht, sucht die Ruhe. Idyllisch inmitten von Wald und Weinhängen liegt die weitläufige Anlage nahe Eltville am Rhein. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1136 zurück, zu einem Abt und seinen zwölf Mönchen. Am 20. Januar dieses Jahres nehmen Vorstandschef Martin Blessing und die rund 500 Führungskräfte der Commerzbank die alten Räume in Beschlag. Sie suchen dort keine Erleuchtung, sondern den Erfolg im Hier und Heute.

Am Nachmittag stellt sich der Vorstand der Bank den Fragen einer Moderatorin. Wo man in einem Jahr stehe, will sie wissen. Michael Reuther, der Mann fürs Kapitalmarktgeschäft, schießt in seinem Sessel förmlich nach vorne: In einem Jahr habe man sich frisches Kapital beschafft und 50 Prozent der stillen Einlage des Bundes zurückgezahlt.

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Ein Raunen geht durch den Raum. 50 Prozent! Es wäre ein erster, großer Schritt in die Freiheit.

18,2 Milliarden Euro Bargeld hat der Bund auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in die Commerzbank gepumpt, mehr als in jede andere Bank einschließlich der maroden Hypo Real Estate. Die zweitgrößte deutsche Bank hat die Krise nur dank der staatlichen Stütze überlebt – und musste dafür einen hohen Preis bezahlen. Seit Berlin in Frankfurt etwas zu sagen hat, gibt es Obergrenzen für die Gehälter, gibt es Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat, gibt es Auflagen der EU für das Geschäftsvolumen.

Auch die Regierung hat mit ihrem Investment keine Freude. 16,2 Milliarden Euro hält sie als Einlage, den Rest in Aktien. Auf die Einlage hat die Commerzbank bisher keine Zinsen gezahlt, die Aktien sind im Minus. Die Bankenrettung ist bisher ein Verlustgeschäft – während die Amerikaner ihre in der Krise erworbenen Beteiligungen bereits wieder mit Gewinn abgestoßen haben.

Auf eigenen Füßen

In diesem Jahr könnte sich nun entscheiden, wie viel die Steuerzahler von ihrem Geld wiedersehen – und ob die Commerzbank irgendwann wieder auf eigenen Füßen stehen kann.

Die Zwangsehe von Bund und Bank beginnt am 26. Dezember 2008. Ein Anruf auf dem Mobiltelefon unterbricht die Weihnachtsruhe von Bundesbankpräsident Axel Weber. Am Apparat: Martin Blessing. Er habe da einige Unterlagen zusammengestellt, so Blessing, ob man seine Bank übernehmen könne. Es sind dramatische Zeiten. Nur wenige Wochen zuvor ist das US-Investmenthaus Lehman Brothers zusammengebrochen, die Finanzwelt steht am Abgrund – und die Commerzbank, die die Dresdner Bank und mit ihr jede Menge riskanter Wertpapiere übernommen hat, ringt um ihre Existenz. Eine erste Kapitalspritze hat sie bereits erhalten, nach Blessings Anruf steigt der Bund mit 25 Prozent und einer Aktie ein. Seither gehört ein Teil der Commerzbank der Bundesrepublik Deutschland.

Zwei Jahre später ist die Beziehung schwer gestört. Längst empfinden die Banker den Staat als eine Kette, die sie behindert. Immer wieder kollidieren die Interessen der Manager, die frei und unternehmerisch entscheiden wollen, mit den Interessen der Politiker, die an die Steuermilliarden, die Wählerbefindlichkeiten und ihr Profil denken. Und immer wieder geht es dabei ums Geld.

Gehälter begrenzen

Zum Beispiel im Fall Achim Kassow: Im Herbst 2010 steht der damals für das Privatkundengeschäft verantwortliche Vorstand unter Druck, die Zahlen seiner Sparte sind mau. Kassow, Blessing und Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller werden sich einig: Kassow geht, und er bekommt die Restlaufzeit seines Vertrags ausgezahlt. Es geht Insidern zufolge um einen siebenstelligen Betrag. Kassow habe sich bereits von seiner Sekretärin und seinem Fahrer verabschiedet. Da legt sich plötzlich der Aufsichtsrat, in dem zwei Vertreter des Bundes sitzen, quer: Millionenzahlungen gelten als politisch nicht vermittelbar, und so wird Kassow nach der Sitzung vor die Wahl gestellt. Er kann gehen – ohne Geld –, oder er bleibt Vorstand, nun mit Zuständigkeit für Osteuropa. Kassow bleibt. Und die Führung ist düpiert.

Auch beim Thema Spitzengehälter hakt es: Laut Unterstützungsvertrag mit dem Bund muss die Bank die Gehälter ihrer Vorstände auf 500.000 Euro pro Jahr begrenzen. Blessing und seine Kollegen haben das akzeptiert. Als dann im Oktober 2010 bekannt wird, dass es im Haus 35 andere Banker gibt, die mehr verdienen, ist die öffentliche Aufregung groß. Aus Sicht der Commerzbank muss sie diese Bezüge zahlen, um hart umkämpfte Spezialisten zu halten. Wer wolle, dass die Bank in die Gewinnzone komme, müsse solche Gehälter akzeptieren. Für die Bank geht es ums Geschäft, für die Politik ums Prinzip. In einem zweiseitigen Brief an Volker Kauder, den Chef der Unionsfraktion im Bundestag, wirbt Blessing vergeblich um Verständnis.

Als die Koalition kurz darauf das Restrukturierungsgesetz für Banken verabschiedet, findet sich darin ein Passus, der für die Commerzbank zur Folge hat, dass sie keinem Mitarbeiter mehr als 500.000 Euro im Jahr zahlen darf. Die Grenze darf erst überschritten werden, wenn die staatliche Kapitalspritze voll verzinst wird oder mindestens die Hälfte der Rekapitalisierung zurückgezahlt worden ist – ein Grund mehr, warum Reuthers Ankündigung bei der Führungskräftetagung so gut ankommt.

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