Computerprogramme: SAP auf Aufholjagd

Computerprogramme: SAP auf Aufholjagd

von Matthias Hohensee und Michael Kroker

Der Softwarekonzern steht vor entscheidenden Monaten: Gelingt die Aufholjagd bei Computerprogrammen aus dem Internet?

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Jim-Hagemann Snabe, Vorstandssprecher des Softwareherstellers SAP.

Eigentlich ist Jim Hagemann Snabe ein zurückhaltender Mann. Doch Ende April bei einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen sprudelte der Co-Chef von SAP geradezu vor Euphorie: „Wir werden unser Wachstum gleich auf mehreren Feldern anfachen.“ 

Der Termin für die Prophezeiung lag günstig und ungünstig zugleich: Günstig, weil Snabe und sein Chef-Kompagnon Bill McDermott jetzt, auf der Hausmesse Sapphire Now in Orlando im US-Bundesstaat Florida Mitte Mai, neue Programme vorstellen wollen. Die basieren auf Software, die Kunden via Internet mieten können, statt kaufen zu müssen. Ungelegen kam die Ankündigung jedoch, weil die junge IT-Technologie – in der Branche Cloud Computing genannt – sich prompt von ihrer risikoreichen Seite zeigte.

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Gutes Gefühl beim Cloud Computing

Nur wenige Tage vor Snabes Frohlockung fielen mehrere Computer des Online-Händlers Amazon, der Cloud-Rechenkapazitäten an Dritte vermietet, stundenlang aus. Unternehmen wie etwa der Handylokalisierungsdienst Foursquare, die ihre IT über Amazon abwickeln, mussten für viele Stunden passen. Entsprechend hart war für die Verkäufer von SAP die Woche danach, gesteht Sanjay Poonen, weltweit zuständig für Softwarelösungen. „Wir müssen uns noch mehr anstrengen, den Leuten bei Cloud Computing ein gutes Gefühl zu vermitteln.“

Damit steht der deutsche Softwareriese vor entscheidenden Monaten. Mehr als zehn Jahre lang haben die Programmierer aus Walldorf das Geschäft mit Mietsoft-ware aus dem Internet Konkurrenten wie dem Cloud-Pionier Salesforce überlassen. Diesen Rückstand will die Doppelspitze Snabe/McDermott nun aufholen.

Die Aussichten scheinen nicht schlecht. „SAP hat beim Trendthema Cloud in den vergangenen Jahren eine steile Lernkurve durchlaufen und ist dort jetzt gut aufgestellt“, sagt Frank Naujoks, Chefanalyst der Schweizer IT-Beratung I2S. Rüdiger Spies, Analyst für Unternehmenssoftware beim Marktbeobachter IDC, hält auch das Timing der Cloud-Offensive für gelungen: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um das Volumengeschäft hochzufahren.“

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