
Eine Legende auf dem Absprung: Roland Berger, Gründer, Namensgeber und eigentlich noch bis 2013 gewählter Aufsichtsratschef der nach Umsatz drittgrößten Unternehmensberatung in Deutschland, will sich angeblich vorzeitig aus dem Kontrollgremium seines Unternehmens zurückziehen. Sein Nachfolger als Chefaufseher soll Burkhard Schwenker werden, bisher operativer Frontmann der einzigen deutschen Consultingfirma mit weltweiter Bedeutung. Offiziell bestätigen will die Nachricht zwar noch keiner, aber das Revirement an der Berger-Spitze wäre für das Unternehmen wie für die Beteiligten eine gute Lösung.
Für das Beratungshaus würde der Rückzug des Gründers endlich klare Verhältnisse schaffen und das eher ambivalente Verhältnis zwischen Oberaufseher und Unternehmen auf eine neue Grundlage stellen. In der Vergangenheit hatten die vielfältigen Aktivitäten des Gründers immer mal wieder für Irritationen bei den Berger-Partnern, den Kunden und der Öffentlichkeit gesorgt.
Hilflose Verteidigung gegen Verdacht der Interessenverquickung
Die doppelte Berger-Rolle bei der Suche nach einem Opel-Retter im vergangenen Sommer ist da nur ein Beispiel: Während Berger-Berater im Auftrag von GM nach einem Opel-Käufer suchten, beriet Berger-Oberaufseher Berger seinen alten Kumpel und Fiat-Boss Sergio Marchionne, der Opel gern übernommen hätte. Auch die gemeinsamen Investoren-Aktivitäten des Berger-Gründers mit dem gescheiterten Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff sind dem Image der Berger-Berater nicht unbedingt dienlich.
Die Hinweise von Berger-Chef Schwenker, zwischen den Aktivitäten seines Oberaufsehers und denen der Beratung gäbe es keinerlei Zusammenhang, die Investments seien seine Privatangelegenheit, wirkten da immer etwas hilflos. Die neue Konstellation würde diesen Konflikt entschärfen.
Seine Rolle als besonders gut verdrahteter Akquisiteur in der deutschen Politik wie der hiesigen Unternehmenslandschaft könnte der Gründer aber problemlos weiter wahrnehmen. Zum einen, weil er auch ohne die Chefaufseher-Funktion Partner mit Anteilen am Unternehmen bliebe. Zum anderen, weil die vorgesehene Nachfolgeregelung an der operativen Spitze Bergers Einfluss auch in Zukunft sichern würde: Martin Wittig, designierter Schwenker-Nachfolger und neuer Chef der Beratung, gilt als enger Berger-Vertrauter. Das Verhältnis von Schwenker zu seinem Oberaufseher war dagegen eher distanziert.
So gesehen, könnte die Rochade an der Berger-Spitze als Niederlage für Burkhard Schwenker gewertet werden. Tatsächlich dürfte die Neuregelung auch im Interesse Schwenkers liegen. Der neue Aufsichtsratschef ist gesundheitlich schwer angeschlagen, er laboriert seit Monaten an einer verschleppten Sehnenscheidenentzündung und braucht eine Pause vom anstrengenden Beraterleben. Für die Rolle als Oberaufseher wäre der weit über die Grenzen seiner Branche hinaus als unabhängiger, integrer und intellektuell brillianter Kopf geschätzte Schwenker eine Idealbesetzung.













