Continental Aufsichtsrat: "Wir brauchen keinen Aushilfs-Vorsitzenden"

Continental Aufsichtsrat: "Wir brauchen keinen Aushilfs-Vorsitzenden"

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Continental-Hauptquartier in Hannover

Der Schaeffler-Berater und Wunschkandidat kann heute nicht wie geplant zum Aufsichtsratchef von Continental werden. Hubertus von Grünberg dürfte weiter im Amt bleibt - trotzdem wird die Sitzung spannend.

Großaktionär Schaeffler wird beim Autozulieferer Continental zunächst weniger stark durchgreifen können als erhofft. Das Landgericht Hannover hat dem als Berater für die Familie Schaeffler tätigen Anwalt RolfKoerfer vorerst den Einzug in den Conti-Aufsichtsrat versagt. Nun gehen viele bei Conti davon aus, dass Hubertus von Grünberg das Gremium bis zu Hauptversammlung im April weiter führen wird.

„Das macht doch keinen Sinn, jetzt noch den Vorsitzenden zu wechseln“, sagte ein Aufsichtsrat der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir brauchen keinen Aushilfs-Vorsitzenden“, ergänzte ein anderer. Hintergrund ist, dass die fränkische Firma, die sich mit der Übernahme von Conti verhoben hat, die Kontrolle über den hannoverschen Konzern möglicherweise bald an die Banken abgeben wird.

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Das Landgericht Hannover bestätigte am Donnerstag seine frühere Entscheidung zur Personalie Koerfer. Der hatte sich zwar schriftlich gegen den Vorwurf gewehrt, er könnte nach seiner Wahl zum Conti-Aufsichtsratsvorsitzenden als Schaeffler-Berater Interessenskonflikten ausgesetzt sein. Für eine endgültige Entscheidung will das Gericht aber zunächst die Argumente der amtierenden Aufsichtsratsmitglieder hören und hat dafür eine Frist bis zum 10. März gesetzt.

Schaeffler will an Koerfer festhalten und behält sich rechtliche Schritte vor. „Wir gehen weiter davon aus, dass Herr Koerfer zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Continental AG gewählt wird“, erklärte ein Sprecher. Letztlich entscheide ohnehin die Hauptversammlung über die Besetzung des Aufsichtsrats.

Verkauf der Conti-Anteile wahrscheinlich

Ursprünglich sollte Koerfer an diesem Freitag zum Conti-Chefkontrolleur gewählt werden. Bei der Sitzung erwartet Conti von den Franken klare Aussagen, wie es mit beiden Konzernen weitergehen soll. Wegen der hohen Schuldenlast der Conti-Übernahme und den wegbrechenden Aufträgen aus der Automobilindustrie hatte Schaeffler jüngst erklärt, frisches Kapital von bis zu sechs Milliarden Euro zu benötigen. Um das dringend benötigte Kapital zu beschaffen, wird Kreisen zufolge ein Verkauf der Conti-Anteile an die Gläubigerbanken erwogen. Schaeffler würde dann seine Conti-Mehrheitsbeteiligung wiederverlieren.

„Die Banken werden das tun, was die maximale Werterholung bringt“, hieß es in Finanzkreisen. Die Mitsprache der bisherigen Eigentümerfamilie wird künftig wohl eher gering ausfallen. „In der derzeitigen Vermögenslage kann man die Familie Schaeffler auf Null setzen“, hieß es in Finanzkreisen. Allerdings sei zu erwarten, dass die Banken der Familie einen symbolischen Anteil lassen werde.

Kaum Synergien zwischen Scaeffler und Conti

Viele Beteiligten sehen mittlerweile ohnehin keine allzu großen Vorteile mehr in einer Zusammenlegung der Autozuliefer-Sparten von Conti und Schaeffler. „Wegen der Verschiedenartigkeit derProdukte sind keine allzu großen Synergien zu erzielen“, sagte ein Insider. Die Synergien werden 2012 voraussichtlich zwischen 150 und 160 Millionen Euro betragen. Um dieses Ziel zu erreichen sind jedoch noch weitere Anlaufinvestitionen in zweistelliger Millionenhöhe erforderlich. Zu diesem Ergebnis kommt nach Informationen der WirtschaftsWoche eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Continental-Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann.

Beide Unternehmen leiden stark unter der Absatzkrise. Schaeffler verbuchte in den Monaten Januar und Februar ein Minus bei den Bestellungen von 40 Prozent und Conti von 30 Prozent, wie mehrere mit der Situation vertraute Personen Reuters sagten. Schaeffler war zu einer Stellungnahme dazu zunächst nicht zu erreichen. Ein Conti-Sprecher wollte sich nicht äußern und erklärte lediglich, im Konzern werde die Messgröße Auftragseingänge nicht ausgewiesen.

Um gute Stimmung zu machen, wurden nach Schaeffler-Betriebsratsangaben in dieser Woche gut 20.000 Unterschriften an Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg übergeben. Ziel ist es, die Regierung zu Staatshilfe zu bewegen. Die Regierung verlangt vor einer Entscheidung aber ein tragfähiges Rettungskonzept, das bislang nicht vorliegt.

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