Continental: Reitzle gibt bei Conti Gas

Continental: Reitzle gibt bei Conti Gas

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Wolfgang Reitzle, Vorstandsvorsitzender der Linde AG, soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Continental AG werden

Der frühere BMW-und Ford-Manager Wolfgang Reiztle meldet sich zurück in die Automobilindustrie - als Aufsichtsratschef des Autozulieferers.

Wolfgang Reitzle wird neuer Conti-Aufsichtsratschef. Die Nachricht sorgte in der gesamten Automobilwirtschaft wenige Tage vor Beginn der Automobilaustellung IAA für anerkennendes Raunen. Nun hat er es also doch geschafft, "der Automann von reinem Geblüt", wie ihn ein alter Fahrensmann heute titulierte. Bei BMW hatte er es in den neunziger Jahren nicht hingekriegt, Chef des Prestigeunternehmens zu werden, obwohl er als fantasievoller Entwicklungschef nah dran war. Auch Porsche-Boss konnte er nicht werden, weil ihm der damals noch bodenständige Wendelin Wiedeking im Weg stand.

Und so irrlichterte Reitzle durch die automobile Globalwelt. Als Chef der Ford-Premiummarken mit Sitz in London, zu denen auch Jaguar gehört, war er praktisch der persönliche Testfahrer der Familie Ford. Es war jedoch nie klar, welchen Einfluss er im US-Konzern wirklich hatte. Schließlich wechselte er völlig überraschend an die Spitze des damals sehr traditionsreichen und ebenso verstaubten Gasekonzerns Linde, der außer seinen technischen Gasen auch noch Kühltruhen und Gabelstapler verkaufte. Reitzle schien vom blauen Autohimmel in einen eher grauen Industrie-Betriebshof herabgesunken zu sein.

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Reitzle fasste bei Linde Fuß und schminkte sich den PS-Glamour ab

Bei Linde fing Reitzle an, sein Image zu ändern. Er ging betont sachlich ans Werk, zeigte seine nüchterne Seite als Ingenieur und analysierte das Geschäft mit Industriegasen auf Expansionfähigkeit. Schnell stellte er fest, dass es zwar recht renditestark aber kaum ausbaufähig war, weil die Märkte weltweit abgesteckt waren. Die französische Air Liquide als Nummer eins, das britische Unternehmen BOC als Nummer zwei und Linde schließlich auf dem dritten Platz - so sah das wenig ergreifende Szenario aus. Man attackierte sich nicht, man tat sich nicht weh. Man profitierte von den schier unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten von technischen Gasen in allen Schlüsselbranchen wie der Chemie- und Nahrungsmittelindustrie mit sicheren Profiten, aber ohne Adrenalin - und vor allem ohne Testosteron. Nichts für Reitzle.

Linde als Schaustück einer internationalen Konzern-Heilung

Reitzle baute Linde um, er griff BOC an. Für knapp 13 Milliarden Euro kaufte er das Gaseunternehmen und überflügelt damit Air Liquide, die plötzlich Nummer zwei waren. Dann löste er das Gabelstaplergeschäft aus dem Lindereich und übergab sie einem Investor, der noch heute hart daran knabbert. Das Staplergeschäft ist in Krisenzeiten weitaus schwieriger geworden. Reitzle hatte sich rechtzeitig davon getrennt. Das Kühltruhenbusiness - mit Lindes Eismaschinen fing Carl von Linde Ende des 19. Jahrhunderts an - hatte er schon vorher veräußert. Nun saß Reitzle dem größten Gasekonzern der Welt vor, er ist dort noch immer unumstrittten. Der Schuldenabbau schreitet voran, die Preise werden sorgsam erhöht. Linde ist aus dem Schneider, aber für Reitzle - reizlos und zu langweilig.

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