Continental/Schaeffler: Neumann siegt – Conti und Schaeffler verlieren

KommentarContinental/Schaeffler: Neumann siegt – Conti und Schaeffler verlieren

Bild vergrößern

Continental-Chef Karl-Thomas Neumann: Schaeffler will ihn mit der Brechstange aus dem Unternehmen befördern

Wenn Continental-Chef Karl Thomas-Neumann in den kommenden Tagen mutmaßlich seinen Posten räumen muss, dann ist er mit wehenden Fahnen untergegangen. Die Kapitalerhöhung für Conti hat er durchgesetzt. Das war als Vorstandsvorsitzender seine vorrangige Aufgabe. Für den angestrebten Zusammenschluss von Continental und Schaeffler dagegen dürften die Probleme durch den neuerlichen Eklat nicht kleiner werden.

Es ist auch dieses mal wieder ein alles andere als eleganter oder gar  versöhnlicher Weg, den der Conti-Großaktionär Schaeffler hier beschritten hat. Nachdem der Versuch, Conti-Chef Karl-Thomas Neumann schon vor der Aufsichtsratssitzung zum Rücktritt zu bewegen, fruchtlos blieb, versuchte es Conti-Aufsichtsratschef und Schaeffler-Syndikus Rolf Koerfer gestern Abend im Aufsichtsrat noch mal auf die harte Tour. Die dafür erforderliche Zweidrittel-Mehrheit hat er zwar nicht bekommen, aber schon in der nächsten Abstimmung ist der Weg frei, Neumann mit einer einfachen Mehrheit zu entsorgen. Das könnte Koerfer mit seiner doppelt gewichteten Stimme im Aufsichtsrat durchaus gelingen.

Das Verhalten erinnert schon ein wenig an Sandkastenstreitereien. Nur, dass die Konsequenzen hier leider viel ernster sind. Schaeffler löst mit dem Putsch die entscheidenden Probleme nicht. Der neuerliche Eklat wirft neue, existenzielle Fragen auf: Etwa die, wie Schaeffler im Continental-Konzern nach dieser Schlacht noch das Vertrauen der Mitarbeiter, vor allem der Top-Ingenieure und Führungskräfte gewinnen will.

Anzeige

Der Graben zwischen den beiden Unternehmen könnte tiefer wohl nicht mehr sein. Ein Schwund von Talenten, die den belagerungsähnlichen Zustand nicht länger ertragen, ist trotz Wirtschaftskrise zu befürchten. Und: Wird der neue, dann wahrscheinlich von Schaeffler stammende Conti-Chef überhaupt noch Verbündete finden, die das Unternehmen Continental gut genug kennen?

Zudem sind auch die finanziellen Sorgen beider Unternehmen damit alles andere als gelöst. Einerseits konnten sich die Schaeffler-Vertreter im Aufsichtsrat Neumanns Vorschlag einer Kapitalerhöhung kaum entziehen. Denn im Aufsichtsrat müssen Sie die Interessen von Continental vertreten. Eine Blockierung der lebenswichtigen Kapitalerhöhung hätte sogar ein juristisches Nachspiel haben können. Das wollte man in Herzogenaurach offensichtlich nicht riskieren.

Doch kommt die Kapitalerhöhung nach Neumanns Weggang wirklich noch zustande? Investoren suchen heutzutage vor allem eines: stabile Unternehmen, die sich nicht in einem schwebenden Zustand des Dauerkonflikts befinden. Auch der Erfolg von Kapitalerhöhungen hängt von den Köpfen ab, mit denen sie in Verbindung gebracht werden.

Neumann hatte gerade erst seine Investoren-Roadshow abgeschlossen. Jetzt müssten sich potenzielle Investoren wieder mit einer neuen Gefechtslage und mutmaßlich auch einer völlig neuen Strategie arrangieren. Ob die Kapitalerhöhung gelingt, steht deshalb in den Sternen.

Neumann selbst muss sich deshalb trotzdem nicht als Verlierer sehen. Er hat im Interesse des Unternehmens gekämpft, er hat verloren, aber er steht noch. Die Verlierer dieser Schlacht sind im Zweifel mal wieder die Mitarbeiter. Und zwar nicht nur die von Conti, sondern auch die von Schaeffler.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%